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Die Stallbaupläne der Bundes Hybrid Zucht Programm GmbH (BHZP) in Ellringen sind überarbeitet. Die Gülle soll nun zur Biogasanlage am Ortsausgang Richtung Thomasburg gepumpt werden. Foto: A/be
Die Stallbaupläne der Bundes Hybrid Zucht Programm GmbH (BHZP) in Ellringen sind überarbeitet. Die Gülle soll nun zur Biogasanlage am Ortsausgang Richtung Thomasburg gepumpt werden. Foto: A/be

Gülle-Problem scheint gelöst – Erweiterung der Schweinezuchtanlage Ellringen nimmt nächste Hürde

kre Dahlenburg/Ellringen. Ist der gordische Knoten bereits durchschlagen? Oder war die betont sachliche Bauausschuss-Sitzung in Dahlenburg nur die Ruhe vor dem Sturm? Lediglich ein einziger Punkt stand auf der Tagesordnung des Ausschusses die geplante Erweiterung der Schweinezuchtanlage der Bundes Hybrid Zucht Programm GmbH (BHZP) in Ellringen. Seit 2007 beschäftigt das Projekt Ellringer Bürger und den Rat. Jetzt hat der Dahlenburger Bauausschuss mit sechs Ja- bei einer Nein-Stimme die Auslegung des „Vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nr. 21″ empfohlen. Eine längere Diskussion fand nicht statt, was auch den Ausschuss-Vorsitzenden, Viktor Trautmann (aktive Bürger), im Nachhinein verwunderte. Lediglich Thomas Behr von den Grünen hatte, wenn auch vergeblich, die Vertagung des Tagesordnungspunktes auf eine der nächsten Sitzungen beantragt.

Parallel muss jetzt auch der Flächennutzungsplan geändert und ein Auslegungsbeschluss herbeigeführt werden. ,,Danach gehen beide Pläne in die öffentliche Auslegung“, erläuterte Dahlenburgs Bauamtsleiter Michael Glüh das weitere Vorgehen. Rund 25 Zuhörer waren zur Ausschusssitzung erschienen, hörten konzentriert den Ausführungen von Planer Mirko Leddermann zu, der den überarbeiteten Bebauungsplan-Entwurf vorstellte. Ein Kritikpunkt, der noch vor gut einem Jahr für mächtig Wirbel gesorgt hatte, ist aus Sicht von Dahlenburgs Gemeindedirektor Christoph Maltzan inzwischen elegant entschärft worden nämlich die Erschließung der Bundes Hybrid Zucht Programm GmbH. Die Lösung firmiert in Leddermanns Plan-Entwurf als ,,Vorzugsvariante AB“.

Was nichts anderes bedeutet, als dass die BHZP über den ausgebauten Wirtschaftsweg ab dem Gestüt Kronshof bis zur Kreisstraße 26 erschlossen wird. Die Brücke ,,An der Wassermühle“ fällt dann als Zufahrt weg.

Vor allem aber soll die anfallende Gülle von der BHZP durch eine Druckrohrleitung direkt bis zur Biogasanlage am Ortsausgang Richtung Thomasburg gepumpt werden. ,,Dadurch entfallen 384 Lkw-Fahrten quer durch Ellringen, das ist doch eine echte Entlastung“, findet Maltzan. Ursprünglich hatte die BHZP angeboten, die Gülledruckleitung von ihren Ställen nur bis zur Kreisstraße 26 zu bauen. Dort sollte die anrüchige Fracht dann in Lkw gepumpt werden. Für Kronshof-Inhaberin Elke Schenzel und Uta Kraake von der örtlichen Bürgerinitiative war das aber nie eine akzeptable Alternative: ,,Von dieser Lösung profitieren die Ellringer kaum, denn die Gülle-Lkw würden weiter durch den Ort rollen“, monierten die beiden vor knapp einem Jahr bei einem Ortstermin. Ob die BI-Mitglieder die am Dienstagabend vorgestellte geänderte Variante akzeptieren, ließ Kraake auf LZ-Nachfrage offen.

Aber es bleibt wohl nicht der einzige Punkt, zu dem sich Anwohner, Träger öffentlicher Belange und die Mitglieder der Bürgerinitiative möglicherweise im Verfahren der öffentlichen Auslegung äußern werden. Die Konfliktpunkte haben auch Planer Mirko Ledermann und sein Team vom Planungsbüro ,,Baukonzept“ erkannt: Das geht los mit den benötigten Flächen des BHZP für das Großprojekt, über mögliche Immission bis hin zur Beeinträchtigung des Landschaftsbildes.

Bis zu 6500 Schweine sollen in den neuen BHZP-Ställen untergebracht werden. Steigendes Verkehrsaufkommen für Futter- und Viehtransporte, aber auch die Geruchsbelästigung und die Angst der Ellringer vor Keimen sind Ängste, mit denen sich Investor, Planer und Behörden auseinander setzen müssen. Dazu kommt die Sorge vor dem möglichen Wertverlust der eigenen Immobilie, wenn in Ellringen die BHZP-Erweiterungspläne erst einmal umgesetzt sind.

Einem weiteren Kritikpunkt, nämlich dass der Neubau der BHZP wie ein gewaltiger Fremdkörper in der Landschaft wirke, wollen die Planer unter anderem mit der Farbgestaltung entgegentreten. Rot und Blau, also Farben mit Signalcharakter, etwa seien tabu. Außerdem, so heißt es in der Präsentation des Planers weiter: ,,Zahlreiche sichtverschattende oder sichtverstellende Gehölzflächen und Wälder sind bei der Bewertung von möglichen Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes zu berücksichtigen.“ Und im Übrigen: Auch die Stallanlagen des Kronshofes wenige hundert Meter vom BHZP-Vorhaben entfernt ,,sind schließlich unverkennbar“, gab Leddermann zu bedenken.

 

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