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Trotz Teilnahmepflicht: Achtklässler des Lüneburger Johanneums haben die Mathematik-Vergleichsarbeit boykottiert  wie die allermeisten Achtklässler an den anderen Gymnasien in Stadt und Kreis auch. Foto: t&w
Trotz Teilnahmepflicht: Achtklässler des Lüneburger Johanneums haben die Mathematik-Vergleichsarbeit boykottiert wie die allermeisten Achtklässler an den anderen Gymnasien in Stadt und Kreis auch. Foto: t&w

Achtklässler der Lüneburger Gymnasien boykottieren landesweite Mathe-Vergleichsarbeit

ahe Lüneburg. Donnerstagmorgen, kurz nach 8 Uhr: Überall im Land teilen die Lehrer in 8. Klassen Aufgaben an die Schüler aus. Es ist Vera-Tag. Vera steht für Vergleichsarbeit, die jedes Jahr in den 3. und 8. Klassen ansteht. Sie soll helfen, zu ermitteln, was die Schüler können und was nicht. Die Achtklässler sollen in den ersten beiden Stunden dieses Donnerstages ihre Kompetenzen in Mathematik unter Beweis stellen. In den Lüneburger Gymnasien sammeln die Lehrer größtenteils leere Arbeitsblätter ein oder brauchen die Aufgaben erst gar nicht auszuteilen. Denn die Schüler boykottieren die Teilnahme. Der Grund: Wenn die Lehrer schon keine Zeit haben, Klassenfahrten zu organisieren, dann sollen sie nicht auch noch Zeit damit verbringen müssen, die Vergleichsarbeit auswerten zu müssen.

Zu denen, die Vera boykottieren, gehört Vera Pepper. Die Schülerin des Johanneums erzählt: „Unser Lehrer hat die Aufgaben morgens ausgeteilt und dazu noch viel erklärt. Irgendwann ist dann unser Klassensprecher hingegangen und hat einen leeren Zettel abgegeben. Das haben wir dann auch gemacht.“ Nur vereinzelt hätten zwei, drei Schüler des Jahrgangs die Aufgaben erledigt, wohl aus Unsicherheit, ob das Ergebnis bei der Benotung eine Rolle spielt. Tim Stryczek aus dem Schülersprecherteam aber ist sicher: „Das ist nicht der Fall. Die Arbeiten sind nicht zur Leistungsbewertung gedacht.“

Die Aktion war gut geplant und wurde über E-Mail verbreitet. Die Schülersprecherteams der Lüneburger Gymnasien hatten den Boykott vorbereitet, sie treffen sich regelmäßig, zuletzt hatten sie Ende Januar einen Protest organisiert, weil an ihren Schulen keine Klassenfahrten mehr stattfinden. Hintergrund ist ein Streit zwischen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und den Lehrern an den Gymnasien. Seit Sommer vorigen Jahres müssen sie eine Stunde pro Woche mehr unterrichten. Für die Pädagogen, denen zuvor schon in Zusammenhang mit ihren Arbeitszeitkonten Versprechungen gemacht worden waren, die dann nicht eingehalten wurden, war damit das Maß voll: Sie reagierten damit, dass sie nun keine Klassenfahrten mehr begleiten.

Das schmeckt den Schülern gar nicht, sie wollen auch künftig auf Fahrt gehen. Den Boykott der Vergleichsarbeit wollen sie nun ihrerseits als Zeichen für ihre Forderung verstanden wissen. Neben den Lüneburger Gymnasiasten beteiligten sich auch Schüler in anderen Orten wie Salzhausen und Göttingen an der Aktion. Die Vergleichsarbeit würde einen unangemessen hohen Zeitaufwand für die Lehrer bedeuten, argumentieren die Schüler. Katharina Liegmann, Schülersprecherin am Johanneum, sagt: „Unsere Lehrer verbringen viel Zeit damit, die Vergleichsarbeit vorzubereiten und zu korrigieren. Zeit, die sie sinnvoller für unseren Unterricht und unsere Prob­leme einsetzen könnten.“ Die Ergebnisse seien im Hinblick auf das eigentliche Ziel, die Unterrichtsqualität zu verbessern, eh nicht hilfreich. Und Vera Pepper findet: „Wir schreiben ja auch schon genug andere Arbeiten.“ Und auch bei einigen Lehrern habe die Aktion durchaus Anklang gefunden, berichten Schüler.

Vergleichsarbeiten
Bei den Vergleichsarbeiten handelt es sich um schriftliche Arbeiten in Form von Tests, die laut niedersächsischem Kultusministerium flächendeckend und jahrgangsbezogen untersuchen, welche Kompetenzen Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht haben. Die Arbeiten in allen Ländern der Bundesrepublik sind Teil der 2006 verabschiedeten Gesamtstrategie der Kultusministerkonferenz zum Bildungsmonitoring. Mit dem Bildungsmonitoring ist das Ziel verbunden, die Kompetenzorientierung im Bildungssystem zu stärken. An die Stelle der Frage, welche Inhalte in einem Fach zu unterrichten sind, soll die Frage treten, welche Kompetenzen Schüler in diesem Fach bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Schullaufbahn erreicht haben sollen. Die Kultusministerkonferenz hat 2012 betont, dass die Vergleichsarbeiten nicht zur Benotung geeignet sind und auch nicht für eine Prognose des Schulerfolgs in weiterführenden Schulen genutzt werden sollte. In den Tests werden nicht der gerade durchgenommene Unterrichtsstoff oder Inhalte des Curriculums abgefragt, sondern davon unter Umständen unabhängige Kompetenzstände. Ergebnisse einzelner Schulen in Form von Ranking-Tabellen gibt es nicht.

One comment

  1. Das wird all die „Bertelsmänner“ in der Schulbehörde ziemlich nerven. Schüler, schließt Euch massenhaft an, das ist auch eine gute Aktion gegen den „gläsernen Schüler“, den keiner, weder Schüler noch „Schlichtlehrer“, will !