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Eine sachliche Diskussion über die Rückkehr des Wolfes ist das Ziel der Organisatoren, die für den 8. März zu einer Info-Veranstaltung ins Bleckeder Haus einladen. Mit dabei sind unter anderem Förster, Wolfsberater, Schäfer und Mitarbeiter des Umweltministeriums. Foto: A
Eine sachliche Diskussion über die Rückkehr des Wolfes ist das Ziel der Organisatoren, die für den 8. März zu einer Info-Veranstaltung ins Bleckeder Haus einladen. Mit dabei sind unter anderem Förster, Wolfsberater, Schäfer und Mitarbeiter des Umweltministeriums. Foto: A

Der Wolf ist zurück und nun?

off Bleckede. Gut oder böse? Harmlos oder gefährlich? Willkommen oder verhasst? Über kein Tier wird derzeit hitziger diskutiert als über den Wolf, oft hochemotional „und leider nur sehr selten sachlich“, sagt Hans-Joachim Wenk. Der Alt Garger ist Sprecher für das östliche Niedersachsen im Freundeskreis freilebender Wölfe und Mitinitiator einer breit angelegten Informationsveranstaltung am Sonntag, 8. März, ab 13 Uhr in Bleckede. Unter dem Titel „Der Wolf ist zurück in der Region“ werden im Bleckeder Haus (Schützenweg) verschiedene Experten informieren vom Förster über einen Verhaltensökologen bis zum Nutztierhalter. Ziel der Veranstalter: eine ausgewogene und frühzeitige Information, „bevor der Wolf auch im Raum Bleckede so präsent ist wie in Amelinghausen“, sagt Wenk.

Zu den Organisatoren gehören neben Wenk auch Stefan Erb vom Landesschafzuchtverband Niedersachsen und Heiko Drawe von der Landesarbeitsgruppe Wolf beim Naturschutzbund (Nabu) sowie Vertreter des SPD-Ortsvereins, der Bleckeder Grünen und des Tierschutzvereins Lüneburg. „Uns war wichtig, dass es in Sachen Wolf nicht immer nur zwei Fronten gibt“, sagt Erb, „sondern, dass eine konstruktive Zusammenarbeit beider Seiten entsteht.“ Ein erster Schritt ist die gemeinsame Veranstaltung von Wolfsbefürwortern wie Wenk und betroffenen Nutztierhaltern wie Elbschäfer Erb, der 2013 bereits Schafe an den Wolf verloren hat. „Mit der Veranstaltung wollen wir zur Versachlichung der Diskussion beitragen.“

Geplant ist der Nachmittag als reine Info-Veranstaltung, „längere Diskussionen sind nicht vorgesehen“, sagt Wenk. Rund fünfeinhalb Stunden sind für die verschiedenen Vorträge veranschlagt, los geht es um 13 Uhr mit Grußworten von Bleckedes Bürgermeister Jens Böther und Landrat Manfred Nahrstedt. Danach referieren nacheinander Förster und Wolfsberater Peter Pabel (Forstamt Göhrde), Biologe und Tierfilmer Sebastian Koerner, Referent für Wolfsschutz beim Nabu, Moritz Klose, Schäfer und Vorstandsmitglied im Niedersächsischen Schafzuchtverband Stefan Erb, Wolfsberater im Kreis Lüneburg Uwe Martens sowie Dr. Frank Krüger und Konstantin Knorr vom Umweltministerium in Hannover. Moderieren werden die grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte und Jens Uwe Matzen vom Freundeskreis freilebender Wölfe.

Thema im ersten Vortrag von Peter Pabel ist die Ausbreitung des Wolfes in Niedersachsen, sein bevorzugtes Beutespek­trum und bisherige Erfahrungen über die Auswirkungen auf den Wildbestand.

Im Anschluss hält Sebastian Koerner, der seit zehn Jahren die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland mit der Filmkamera dokumentiert, ab 14.50 Uhr einen 45-minütigen Film-Vortrag mit dem Titel „Verhalten und Ökologie von Deutschlands wilden Wölfen“. Schwerpunkte sind dabei Verhalten und Ökologie des Wolfes, Ausbreitung, Wild und Wolf, Schutz von Nutztieren sowie Gefährlichkeit für den Menschen. Im Anschluss daran gibt es ab 15.35 Uhr die Möglichkeiten für Fragen aus dem Publikum.

Nach einer Pause geht Moritz Klose ab 15.55 Uhr auf die Rechtsgrundlagen des Wolfsschutzes und illegale Tötungen ein. Ab 16.20 Uhr stellt Stefan Erb die Positionen der Nutztierhalter dar, geht auf Möglichkeiten und Grenzen des Nutztierschutzes mit technischen Mitteln und Herdenschutzhunden ein. Zum Thema macht er außerdem die Besonderheiten und Anforderungen in der Arche-Region für Hobbytierhalter und Halter von Kleinherden. Vor einer erneuten Pause ist ab 16.40 Uhr Zeit für Fragen aus dem Publikum.

Ab 17 Uhr berichtet Uwe Martens über seine Arbeit als Wolfsberater. Ab 17.20 Uhr stellen Frank Krüger und Konstantin Knorr aus dem Umweltministerium den Stand des „Managementplans Wolf“ vor und berichten über die „Richtlinie Wolf“. Letztere regelt sowohl den Schutz des Wolfes als auch den finanziellen Ausgleich bei Nutztierrissen und bei Schäden an Jagdhunden sowie die finanzielle Förderung von Schutzmaßnahmen wie Zäunen oder Herdenschutzhunden. Von 17.50 bis 18.30 Uhr ist noch einmal Zeit vorgesehen für Fragen.

12 Kommentare

  1. Kurze Frage, weil das aus dem Beitrag nicht hervorgeht:
    ist diese Veranstaltung öffentlich oder eine interne Tagung ?

  2. Wenn die Zielsetzung eine Versachlichung der Thematik ist, dann frage ich mich nur, warum neben den Schäfern nicht auch anderer Tierhalterverbände, Jägerverbände und Ortsbürgerschaften geladen wurden ?
    Für mich sieht die Gästeliste doch ziemlich einseitig aus.

  3. Ich muss sagen aus meiner Stadtwohnung heraus ist es ziemlich einfach für die Wiederkehr des Wolfes zu sein, also mehr davon. Allerdings habe ich nach einem Verwandschaftsbesuch auf dem Dorf festgestellt, das ich es mir ziemlich einfach mache, weil ich letztendlich nicht betroffen bin. In dem angrenzenden Wäldchen des Dorfes wurden mittlerweile mehrfach Wölfe beobachtet. In diesem Wäldchen Spielen seid jeher die Kinder des Ortes und nun stellt sich plötzlich den Eltern die Frage: kann und darf ich meine Kinder dort noch spielen lassen. Irgendwie haben die neuerdings ein ungutes Gefühl. Die Wolfsversteher und -berater sagen natürlich kein Problem, der Mensch gehört nicht zum Beuteschema des Wolfes. Alles klar also kein Problem, aber meine Logik lässt sich irgendwie nicht beruhigen. Wieso soll z.B. Ein alternder Wolf einem Stück Rehwild hinterher hetzen, wenn er einen spielenden 7-jährigen vor der Nase hat? Schmeckt der nicht?
    Was mir auch auffällt ist, dass immer Beispiele aus entlegenden Gegenden in Polen, Kanada, Russland, Finnland angeführt werden mit dem Hinweis, dass nichts passiert. Gibt es denn keine Beispiele aus dicht besiedelten Gegenden wie die unserige oder sind wir jetzt das Versuchsfeld?
    Eins scheint man jedenfalls jetzt schon beobachten zu können, der Wolf verliert hier seine Scheu vor den Menschen und kommt ihm näher. Vielleicht wäre ein wenig Jagddruck das richtige für ihn, damit er zumindest seine Distanz behält, wenn er denn schon hier lebt.

    • Sie fragen: „Gibt es denn keine Beispiele für Wolfsverhalten aus dicht besiedelten Gegenden wie der unsrigen“?

      Hier ist eins vom vorigen Sonntag:

      Amelinghausen – Der Kampf um ein Stück Fleisch ist für einen 2011 im Erholungsraum Lopaupark in Amelinghausen ausgewilderten Polarwolf tödlich ausgegangen. Das Tier wurde am Wochenende bei einer Futterrangelei von einem Braunbären totgebissen. Viele interessierte Spaziergänger hatten das Ereignis auf ihren iPhones mitgeschnitten. (https://www.youtube.com/watch?v=jY7Xmt4HzV0)

      Seit einigen Jahren wird im Rahmen des Projekts „Erweiterte Gebietskulisse des Naturparks Lüneburger Heide“ Bären und Wölfen im Wald am Diersbüttler Bach beim Lopausee ein gemeinsamer Lebensraum geboten. Bären und Wölfe passten eigentlich bestens zusammen, hieß es damals. Es handle sich um eine mutualistische Symbiose, aus der beide Partner Nutzen ziehen. Der Polarwolf mit seinem “ruhigen und ausgeglichenen Charakter” könne auch mal zurückstecken. Offenbar hört die friedfertige Nachbarschaft jedoch beim Futter auf.

      Rund 50 Spaziergänger hatten sich am Sonntagmittag Auf der kalten Hude an der Nordostecke des Stausees versammelt, nachdem fünf Polarwölfe und drei Braunbären in der Nähe des Lokals “Zum Alchimisten” aufgetaucht waren. Sie teilen den Lebensraum, aber eigentlich nicht die Vorliebe für Fleisch. Braunbären sind Allesfresser und suchen vor allem nach Obst und Gemüse. Doch an diesem Tag wollte ein Braunbär namens “Balu” offensichtlich einmal probieren – und schnappte nach der frisch gerissenen Heidschnucke des Leittiers im Wolfsrudel. Es kam zu einer Rangelei, beide Tiere rollten einen Abhang hinunter, schließlich blieb der Bär auf dem Wolf liegen. Als dieser sich wehrte, biss der Bär zu. Der Wolf war sofort tot.

      Das Ganze spielte sich nur rund 20 Meter entfernt von den Zuschauern ab. Die Spaziergänger hätten recht gefasst reagiert, sagte Helmut Völker, Samtgemeindebürgermeister der Samtgemeinde Amelinghausen. Mehrere Kinder hätten jedoch geweint. Laut Völker habe sich der Bär instinktiv verhalten und nicht etwa aggressiv. “Ein ganz normaler Reflex, den alle Beutegreifer haben.”

      Die Wald-WG der freilaufenden Wölfe und Bären würde trotzdem bestehen bleiben. Allerdings könne man künftig auf solche gemeinsam eingenommenen Mahlzeiten verzichten. Völker: “Uns wäre es lieber, dass erst gar kein Futterneid aufkommt.”

      Siehe auch: http://view.stern.de/de/rubriken/kreativ/hol-stoeckchen-original-2766715.html?top_history=1

  4. Deutschlandweit wurden seit dem Jahr 2000 58 Wölfe überfahren. Die meisten Unfälle ereigneten sich in den Bundesländern Sachsen und Brandenburg. In den vergangenen 15 Jahren fielen 23 von 35 tot gefundenen Wölfen in Sachsen dem Verkehr zum Opfer. Erst Mitte Februar wurde im Landkreis Bautzen wieder ein Wolf überfahren – der erste registrierte in diesem Jahr in dem Bundesland. Er war laut NABU noch halbwüchsig. In Brandenburg wurden seit dem Jahr 2000 insgesamt 26 Wölfe überfahren.

    • Da kann man mal sehen wie sich die Wölfe schon vermehrt haben. Übrigens werden auch hunderte Rehe und Wildschweine bei Verkehrsunfällen getötet. Von Kleinwild will ich gar nicht schreiben. Und dennoch gibt es immer noch reichlich davon.

  5. Zum Schutz der Herden und der Weidetiere (Schafe, Ziegen, Kühe, Pferde) sollten Landwirte auf einen Wolfszaun setzen und zwar nicht erst, wenn der Wolf schon da ist, sondern vorbeugend. Der Wolf ist ein Tier und folgt seinem Instinkt. Wenn er Hunger hat, sucht er sich etwas Essbares und weidende Tiere gehören nun mal dazu. Hat der Wolf erst einmal ein Tier gerissen, wird er erneut versuchen, auf die gleiche Weide zu kommen. Wird erst dann ein Wolfszaun errichtet, wenn der Isegrim bereits ein Schaf und Co. gerissen hat, wird der Wolf versuchen, diesen Zaun zu überspringen/untergraben/durchbrechen. Zwar hindert ihn dann das Netz daran, aber die Herde wird regelmäßig in Panik versetzt – der Mensch leider auch.
    Wird der Zaun bereits errichtet, bevor sich der Wolf gefährlich nahe an die Herde/ die weidenden Tiere begibt, wird der Wolf dauerhaft von diesem Gebiet abgeschreckt. Das liegt daran, dass der Wolfszaun elektrifiziert ist und der Wolf die Berührung in Erinnerung behält. Instinktiv wird er künftig die Weide meiden und sich im Wald ein Reh oder auf dem Feld einen Hasen suchen.
    Der positive Nebeneffekt ist, dass der Wolfszaun so für Akzeptanz des Wolfes unter den Menschen sorgt. Die Erklärung ist einfach: Trifft der Mensch auf einen Wolf, liest er von einem Wolfsriss in der Zeitung oder merkt er, dass (s)ein Schaf gerissen wurde, handelt auch der Mensch nicht mehr rational, sondern ängstlich instinktiv. Weil der Wolf Hunger hat und neugierig die Landschaft erkundet, sieht der Mensch in ihm eine Gefahr und handelt eventuell übereilt. So werden Fallen platziert, Tiere gequält oder zur Hetzjagd aufgerufen. Nimmt der Mensch den Wolf aufgrund eines vorbeugenden und abwehrenden Zaunes nicht mehr so stark als Bedrohung wahr, lernt er das Tier zu akzeptieren und ein Leben nebeneinander ist möglich.

  6. Wölfe sind dem Menschen gegenüber längst nicht mehr scheu. In Wildeshausen (Landkreis Oldenburg) wurde er auf offener Straße in einem Wohngebiet gesichtet: http://www.focus.de/panorama/welt/mitten-in-deutscher-kleinstadt-woelfe-im-wohngebiet-gesichtet_id_4511982.html

    In unserer Wohnsiedlung ist es keine Ausnahme mehr, dass mal ein Reh auf der Straße oder durch den Garten spaziert. Ich möchte mich nicht daran gewöhnen müssen, dass es künftig auch ein Wolf sein könnte.

    • Warum nicht? Haben Sie was gegen Wölfe?

      Wenn einem ein Prekariatsjugendlicher (Wolf) in Ihrer Wohnsiedlung aufs Maul haut, ist das schlimm und abzulehnen, entbindet aber trotzdem nicht von der Frage, warum er’s tut oder warum er’s vielleicht häufiger tut als ein Gymnasiast (Reh). Wer sich diese Frage nicht stellen will, schreibt dann Leserbriefe des Inhalts, man solle, bitte sehr, auch mal an die Opfer denken und nicht immer so dumm gutmenschlich von der schweren Kindheit der Täter schwätzen.

      Ist es ungefähr das, was Sie sagen wollten?

  7. 1977 Kind in Delmenhorst getötet
    Wolf in Wohngebiet weckt böse Erinnerungen

    http://www.noz.de/lokales-dk/delmenhorst/artikel/552607/wolf-in-wohngebiet-weckt-bose-erinnerungen