Mittwoch , 28. September 2016
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Dagmar Oertzen (l.) von der Fachberatung Kindertagespflege und Gabriele Stein vom Kindertagesstättenverband (M.) haben Marlies Wagner als Referentin zum Thema Achtsamkeit eingeladen. Foto: nh
Dagmar Oertzen (l.) von der Fachberatung Kindertagespflege und Gabriele Stein vom Kindertagesstättenverband (M.) haben Marlies Wagner als Referentin zum Thema Achtsamkeit eingeladen. Foto: nh

Achtsamer Umgang mit Kindern – Fachtagung in Lüneburg liefert Impulse zur Arbeit mit den Jüngsten

lz Lüneburg. Kindsein ist für manche kein Kinderspiel mehr, einige Wissenschaftler sprechen bereits vom „Ende der Kindheit“. Manche Mädchen und Jungen fühlen sich immer früher und immer stärker unter Druck. Die Folge: Sie resignieren oder reagieren aggressiv. Sie sind „auffällig“, sagen Erwachsene oft und wundern sich, warum dieses Verhalten zunimmt. Warum es deshalb so wichtig ist, achtsam mit Kindern umzugehen, hat Marlies Wagner jetzt in Lüneburg dargestellt.

Die 120 Plätze in der Aula der Musikschule waren schnell vergeben, das Interesse groß: „Achtsamkeit“ lautete das Thema der Fachtagung „Impulse zur pädagogischen Grundhaltung in der Arbeit mit Kleinkindern“, veranstaltet von der Fachberatung Kindertagespflege vom evangelisch-lutherischen Kindertagesstättenverband Lüneburg in Kooperation mit Stadt und Landkreis.

„Viele Kinder fühlen sich innerlich heimatlos“, sagt Marlies Wagner vom Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel. „Sie sind nicht mehr sicher gebunden. Sicher gebunden sein bedeutet, dass feinfühlige Erwachsene ihre Bedürfnisse wahrnehmen und angemessen darauf reagieren.“ Wobei die Expertin betont: „Dabei geht es nicht um Wünsche, sondern um Bedürfnisse.“ Bedürfnisse wie Ruhe. Kinder müssten die Welt auch selbst entdecken dürfen, sollten nicht zu früh in zu viele Freizeitgruppen gesteckt werden. „Es geht nicht um die Menge der Angebote, der Räume, des Spielzeugs. Es geht um die Intensität.“

Achtsamkeit fange nicht beim Kind an, sondern beim Erwachsenen: Nur wer seine eigenen Muster kenne, seine Konflikte und seinen Stress bearbeite, besitze die Belastbarkeit, einem Kind Zeit zu schenken und es sich entwickeln zu lassen. Pädagogen sollten sich also selbst erstmal folgende Fragen beantworten: Wer bin ich? Was kann ich? Was habe ich in mir? Nur dann könnten sich auch Kinder entwickeln. „Die Persönlichkeit bildet sich in den ersten sechs bis sieben Lebensjahren“, sagt Marlies Wagner. „Erst danach folgt das Wissen.“

Kinder seien von Geburt an ernst zu nehmen, sagt Marlies Wagner. „Kinder brauchen Menschen, die Selbsterfahrung auf sich nehmen, statt eigene Gedanken, Gefühle und Muster zu projizieren.“