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Nach Ärger zwischen Wassersportlern und Naturschutz ist Kanufahren auf der Ilmenau möglicherweise bald nur noch unter Auflagen erlaubt. Foto: t&w
Nach Ärger zwischen Wassersportlern und Naturschutz ist Kanufahren auf der Ilmenau möglicherweise bald nur noch unter Auflagen erlaubt. Foto: t&w

Regeln fürs Kanuwandern?

emi Lüneburg. Müll, der achtlos ins Wasser geworfen wird, laute Musik, die rücksichtslos die Tierwelt beschallt und geschützte Uferbereiche, an denen sinnlos Fauna und Flora niedergetrampelt werden: Zuletzt sind an der Ilmenau im Kreis Lüneburg immer wieder auch Paddler und Kanufahrer in die Kritik geraten, die außerhalb der ausgewiesenen Ein- und Ausstiegsstellen ihre Boote verlassen.

Um seine Flüsse und deren Uferbereiche als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schützen, hat der Landkreis Harburg im Jahr 2002 eine sogenannte „Paddelverordnung“ erlassen. Weil darin gerade an Himmelfahrt und Pfingsten das Befahren der Este, Seeve und Luhe stark einschränkt wird, weichen offenbar viele Kajak- und Kanufahrer auf Gewässer ohne Restriktionen aus zum Beispiel die Ilmenau. Pünktlich zum Start in die Kanu-Saison denkt man nun auch im Kreis Lüneburg über Regelungen nach. Seit Januar dieses Jahres diskutieren Naturschutzverbände, Kanuverleiher und Vertreter von Stadt und Kreis an einem Runden Tisch über das Thema.

„Vor rund 15 Jahren haben wir uns schon einmal damit beschäftigt“, sagt Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt bei der Unteren Naturschutzbehörde. Im Jahr 2000 wurde an Luhe und Ilmenau das Projekt „Umweltverträgliches Kanuwandern“ durchgeführt. Damals wurden etwa Schautafeln und Flyer entwickelt, um zu veranschaulichen, welche Stellen für das Ein- und Aussteigen in Kanus geeignet sind. Doch diese Maßnahmen reichen offenbar nicht mehr aus.

„Zuletzt haben die Naturschutzverbände gemeldet, dass das Verhalten einiger Menschen immer störender wird“, sagt Bartscht. Bei Deutsch Evern machten im vergangenen Sommer beispielsweise gedankenlose Zeitgenossen auf sich aufmerksam, die leere Flaschen in die Nisthöhlen des Eisvogels stopften und den schillernden Vogel damit vertrieben.
Vor diesem Hintergrund war ein Kanu-Verleiher gemeinsam mit dem Naturschutzbund (Nabu) an den Fachdienst Umwelt mit der Bitte herangetreten, zu einem Runden Tisch einzuladen, um Lösungsansätze zu erörtern.

Im Gespräch sind derzeit etwa die Begrenzung von Bootsgrößen und -typen, die Festlegung von Mindestwassertiefen und Einschränkungen für bestimmte Tages- und Jahreszeiten. Aber auch eine Registrierung der Boote wird laut Bartscht diskutiert: Die Benutzer der nummerierten Boote müssen ihre persönlichen Daten beim Verleiher angeben bevor sie lospaddeln. Passieren in diesem Zeitraum Verstöße, können die Verursacher besser identifiziert werden.

„Wir wollen nicht den Paddelsport verteufeln“, betont der Fachdienstleiter Umwelt, „denn viele achten auf die Natur. Wir wollen lediglich die schwarzen Schafe herauspicken.“
Sofern sich alle Beteiligten am Runden Tisch auf eine Lösung einigen können, müsste im nächsten Schritt überlegt werden, ob solche Regelungen überhaupt und wenn, auf welchem Wege, umgesetzt werden. Ob es künftig also ähnliche Vorschriften wie im Kreis Harburg für die Lüneburger Gewässer Ilmenau, Neetze und Luhe geben wird, ist derzeit noch völlig offen.
Die letzte Entscheidung über eine mögliche Verordnung trifft der Kreistag. Weil im Vorfeld die politischen Gremien darüber beraten müssen, ist in dieser Saison nicht mehr mit der Umsetzung zu rechnen.

Denkbar wäre laut Stefan Bartscht jedoch, dass die Bootsverleiher auf freiwilliger Basis Maßnahmen durchführen.

7 Kommentare

  1. Die Kanu-Verleiher leben von der wunderbare Natur an der Ilmenau und die Ilmenau lebt davon, dass ihre Nutzer diese Natur nicht zu stark beeinträchtigen. Es sollte sich also eine Lösung finden lassen, die für alle Seiten in Ordnung geht. Problematisch sind allerdings nicht nur Kanus, sondern insbesondere auch selbst zusammen gebaute Partyflöße, die man im Sommer ab und an beobachten kann. Besonders von diesen gehen erhebliche Beeinträchtigungen aus. An manchen Tagen schwimmen solche Müllmengen in der Ilmenau, dass es so wirklich nicht weitergehen kann. Aber auch die KanufahrerInnen müssen ihren Beitrag leisten – schon allein, weil sie zahlenmäßig die stärkste Kraft auf dem Wasser sind.

    • Wolfgang Bergmann

      Liebe Freunde.
      Wir leben nicht in einer unberührten Natur. Jeder von uns muss Rücksicht nehmen auf seine Nachbarn und Mitmenschen. So wie man nicht über einen Acker laufen kann so sind auch unsere Flüsse nicht immer für jeden zugänglich.
      Wenn ein Regelwerk erstellt und eingehalten wird ist es gut und richtig. Damit grenzen wir unser aller Zugang ab. So wird jeder ein bisschen Freude haben und finden.
      Rüpeleien sind auch so nicht auszuschliessen.
      Wir haben uns alle daran gewöhnt Abfälle richtig zu entsorgen. An den Strassen sieht es viel besser aus als noch vor Jahren.
      Das ist doch ein Lichtblick.
      Ein gescheites Regelwerk wird uns auch an den Fliessgewässsern helfen das wir alle weiter Freude an unserer Natur haben.

  2. Wichnewski Jürgen

    Hallo,
    ich habe mal eine Frage, sind auf der Ilmenau E-motoren erlaubt?

    Mit freundlichen Grüßen
    J. Wichnewski

    • Ja, aber nur wenn die Leistung für die vier Torque-Motoren des DE-Schiffsantriebes je Permanent-Magnet-Generator mindestens 650 kW beträgt und das Fahrzeug mit einem Deplacement von 10.000 Tonnen Minimum, einer Bruttoraumzahl von mindestens 2.800, mit Tiefgang und Trimm nicht unter 18 Metern und einer Länge zwischen den Loten von mindestens 135 Metern aufwarten kann.

      Viele Grüße, Maxamed Siyaad Barre

  3. Es wird im Artikel von „Paddler und Kanufahrer“ gesprochen, die ein Problem für die Natur darstellen und nur an einigen Stellen des Artikels wird darauf eingegangen, dass die Problematik von „Kanutouristen“ in Leihboten der ansässigen Kanuverleiher herrühren.
    Als im Verein organisierter „Paddler“ habe ich noch nie erlebt, dass ein anderer Vereinsfahrer auch nur ein Papierschnippsel ins Wasser geworfen hätte, geschweige denn seinen Müll am Rastplatz hat liegen lassen. Weder bei Vereinsfahrten, noch bei Bezirks- und Verbundveranstaltungen.
    Ich wünsche mir an dieser Stelle eine Differenzierung zwischen den „Touristen“, die sich ein Boot oder ein Fahrad oder was auch immer leihen/nutzen um in die Natur zu fahren und den Vereinssportlern, die die Flüsse als „Sportzubehör“ betrachten und sehr sorgsam behandeln – oftmals mit zusätzlich eingesammelten Müll im Bootsnetz.

    Mit freundlichem Gruß
    Wolf

  4. Werner Schneyder

    Wie soll man eigentlch dem Menschen die Natur nahe bringen, wenn man kaum noch etwas in der Natur machen kann? Ich paddele oft und habe noch nie irgendeine Form von Umweltverschmutzung erlebt. Ab und zu wird am Wasser gegrilllt und gefeiert. Na und? Der Mensch ist Teil der Natur!

  5. „… dass das Verhalten einiger Menschen immer störender wird” Zitat Ende.

    Wohl gemerkt EINIGER Menschen. Das wird dann aber gleich pauschalisiert und aufgebauscht, damit nach neuen Vorschriften und Verboten gerufen werden kann. Und wie Herrn Schneyder ist auch mir bislang keine Umweltverschmutzung in oder an der Ilmenau aufgefallen. Dann schon eher Vandalismus in der Form, das Bänke aus dem Wald in den Fluss geworfen wurden. Aber solche Chaoten wird man auch mit Verboten nicht bei kommen. Ich denke man sollte auf dem Teppich bleiben und nicht gleich alles übertreiben.