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Der Trinkwasser-Brunnen im Lüner Holz ist fertig, muss aber noch auf die Genehmigung warten. Foto: t&w
Der Trinkwasser-Brunnen im Lüner Holz ist fertig, muss aber noch auf die Genehmigung warten. Foto: t&w

Wasser für Vio darf noch nicht fließen

us Lüneburg. „Es ist noch nichts entschieden, auch wenn dieser Eindruck entstanden sein könnte.“ Lüneburgs Stadtdrat Markus Moßmann war sichtlich bemüht, den Druck aus der Diskussion zu nehmen, die in den vergangenen Tagen um die vorzeitige Inbetriebnahme des zweiten Trinkwasserbrunnens für die Apollinaris Brands GmbH im Lüner Holz geführt wurde. Noch seien weder alle Tatsachen ermittelt noch die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt. Erst dann könne eine Ermessensentscheidung von der Stadt getroffen werden, führte Moßmann in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses aus.

Wie berichtet, will die zum Coca-Cola-Konzern gehörende Apollinaris Brands GmbH für ihr Mineralwasser Vio einen zweiten Trinkwasserbrunnen in Betrieb nehmen. Das Unternehmen verspricht sich davon mehr Flexibilität bei der Förderung und Abfüllung. Der Brunnen ist bereits startklar, nur die wasserrechtliche Erlaubnis, die von der Stadt Lüneburg als Untere Wasserbehörde im Rahmen eines festgelegten Erlaubnisverfahrens erteilt wird, fehlt noch. Doch darauf will der Abfüller nicht mehr warten, er hat nun den vorzeitigen Maßnahmenbeginn beantragt.

„Unklar ist uns, warum das Unternehmen plötzlich ein berechtigtes Interesse daran haben sollte“, führte Volker Schulz, Bereichsleiter Umwelt bei der Stadt, aus. Denn erst am 23. Dezember hatte das Unternehmen die wasserrechtliche Erlaubnis beantragt, nur drei Wochen später, am 19. Januar, habe plötzlich der Antrag auf vorzeitigen Maßnahmenbeginn auf dem Tisch gelegen ein Verfahren, das, wie Moßmann bildhaft darstellte, „vergleichbar ist mit einem Fahrschüler, der bereits vor seiner Fahrprüfung die Ausstellung des Führerscheins beantragt“.

„Solange das berechtigte Interesse nicht nachgewiesen ist, wird die Stadt ihre Erlaubnis nicht erteilen“, sagte Schulz. Außerdem müssten die bei dem Genehmigungsverfahren für die wasserrechtliche Erlaubnis beteiligten sechs Behörden ebenfalls ihre Zustimmung geben. Deren Antworten lägen aber noch nicht vor.

Schulz betonte, dass auch mit Inbetriebnahme des zweiten Brunnens die maximale Gesamtfördermenge von 350000 Kubikmetern pro Jahr weiterhin gelte. Allerdings habe das Unternehmen beantragt, die zulässige Höchstfördermenge pro Stunde von bislang 40 auf 42,5 Kubikmeter heraufzusetzen bei künftig zwei Brunnen eine Steigerung auf mehr als das Doppelte.

Befürchtungen, durch den zweiten Brunnen könne der Grundwasserspiegel im Bereich der Brunnen deutlich abgesenkt werden, trat Schulz indes entgegen. Das zu fördernde Grundwasser liege in einem Bereich unterhalb des oberflächennahen Grundwassers, beide Bereiche seien durch eine feste Deckschicht voneinander getrennt. Hinzu komme, dass der untere Grundwasserbereich unter hohem Druck stehe, der dafür sorge, dass selbst bei lang-anhaltendem Volllastbetrieb beider Brunnen keine Grundwasserabsenkung eintrete.

Zum weiteren Ablauf erklärte Moßmann, dass die Stadt keine Entscheidung treffe, bevor die offenen Fragen und Punkte nicht geklärt seien, „vorher läuft nichts“. Wie die Stadt zwischenzeitlich mitteilte, profitiere sie von der Grundwasserentnahme nur indirekt über die Gewerbesteuer. Den sogenannten Wasserpfennig müsse sie eins-zu-eins an das Land weiterreichen.

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2 Kommentare

  1. Ich bin generell dagegen halte davon gar nichts. Wir brauchen unser Wasser selbst.

  2. Was für eine qualifizierte Aussage „Wir brauchen unser Wasser selbst“. Das Unternehmen hat strenge Auflagen, die Höchstfördermenge wird nicht verändert und auch der Grundwasserspiegel wird nicht gesenkt. Gewerbesteuer wird dadurch eingenommen, Arbeitsplätze gesichert. Ich nehme an, man möchte zügig beginnen und bürokratischen Aufwand verringern.