Mittwoch , 28. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Amelinghausen | Samtgemeinde Amelinghausen: Kurbeitrag und Wanderer-Maut
Wie geht es weiter mit der Tourismusförderung in der Samtgemeinde Amelinghausen und dem dazugehörigen Eigenbetrieb der Samtgemeinde? Geprüft werden soll, ob Amelinghausen einen Fremdenverkehrs- oder Kurbeitrag erheben kann.  Foto: nh/lüneburger heide gmbh
Wie geht es weiter mit der Tourismusförderung in der Samtgemeinde Amelinghausen und dem dazugehörigen Eigenbetrieb der Samtgemeinde? Geprüft werden soll, ob Amelinghausen einen Fremdenverkehrs- oder Kurbeitrag erheben kann. Foto: nh/lüneburger heide gmbh

Samtgemeinde Amelinghausen: Kurbeitrag und Wanderer-Maut

uk Amelinghausen. Tourismusförderung nicht mehr in der Hand der Samtgemeinde, sondern im Zuständigkeitsbereich der fünf Mitgliedsgemeinden diese Idee stand im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des Betriebs- und Fremdenverkehrsausschusses der Samtgemeinde Amelinghausen. Sie animierte Detlev Schulz-Hendel zu einem Blick in die Zukunft: „Wenn Touristen demnächst vom Kronsberg nach Oldendorf wandern, steht dann der Bürgermeister an der Gemeindegrenze und kassiert eine Wanderer-Maut?“, fragte der Grünen-Fraktionschef und machte damit deutlich, was er von dem Vorschlag hält nämlich nichts.

Doch dass längst nicht alles optimal läuft im Eigenbetrieb der Samtgemeinde, das wurde bei der Sitzung auch deutlich. Sie endete nach zweieinhalb Stunden mit einem klaren Votum: Einstimmig sprach sich der Ausschuss dafür aus, dass das Aufgabengebiet Tourismus bei der Samtgemeinde verbleibt. Der Eigenbetrieb soll weiter bestehen, die Gelder dafür nicht zurückgefahren werden. Wie die Arbeit verbessert werden kann, wird Thema bei einer Hauptversammlung mit allen Partnern aus Wirtschaft und Tourismus sein. Zudem wird geprüft, ob Amelinghausen einen Fremdenverkehrs- und Kurbeitrag erheben kann.

Ausgangspunkt der Debatte war erneut die schlechte Finanzlage der Samtgemeinde, deren Defizit sich für 2015 und 2016 auf etwa eine Million Euro beläuft. Im Eigenbetrieb sind die Bereiche Tourismus, Wirtschaftsförderung und Kultur zusammengefasst. Er betreibt die Touristeninformation, gibt Gastgeberverzeichnisse heraus und organisiert Aktionen wie den Frühlingstag oder Werbekampagnen für die heimische Wirtschaft. Im gemeinsamen Finanzstrukturausschuss hatten die Bürgermeister von Oldendorf, Soderstorf und Rehlingen den Vorschlag gemacht, den Tourismus zurück in die Hände der Gemeinden zu geben. „Damit könnte man 30000 bis 40000 Euro sparen“, begründete Oldendorfs Bürgermeister Jürgen Rund. Die Beteiligung von Handwerk und Vermietern an gemeinsamen Aktionen des Eigenbetriebs sei ohnehin schwach. Auch Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker konnte sich eine Auflösung des Eigenbetriebs vorstellen, allerdings genau in die andere Richtung: Sämtliche Aufgaben sollten künftig direkt von der Samtgemeinde übernommen werden. „Die Wirtschaftsförderung läuft sowieso in meinem Zimmer“, sagte Völker. Der Tourismus gehöre unbedingt auf Samtgemeindeebene. „Schließlich haben alle 20 Dörfer etwas von der touristischen Ausstrahlung des Erholungsortes Amelinghausen.“

Detlev Schulz-Hendel (Grüne) meinte jedoch: „Das ist mir alles viel zu abrupt.“ Er plädierte für ein Weiterleben des Eigenbetriebs, Aufgaben und Strukturen müssten jedoch überarbeitet werden. Auch Frank Gerstenkorn (CDU) bezweifelte, dass die Auflösung des Betriebs Geld spare. „Viel wichtiger ist, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen.“

Daran hapert es offenbar. „Wir merken keine Unterstützung von denen, die von der guten Arbeit des Eigenbetriebs profitieren“, beklagte Völker. So blieben etliche Partnerbetriebe ihren Jahresbeitrag schuldig. Dass es auch anders geht, machte ein örtlicher Betriebsinhaber unter den Zuhörern deutlich: „Ich wäre bereit, einen viel höheren Beitrag zu zahlen, damit der Eigenbetrieb besser ausgestattet ist.“