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Voller Respekt und Faszination betrachten die Betzendorfer Grundschüler rund um den Vorsitzenden der Lüneburger Jägerschaft die scharfen Zähne des Wolfes. Das ist kein Streicheltier, mahnt Torsten Broder. Foto: t&w
Voller Respekt und Faszination betrachten die Betzendorfer Grundschüler rund um den Vorsitzenden der Lüneburger Jägerschaft die scharfen Zähne des Wolfes. Das ist kein Streicheltier, mahnt Torsten Broder. Foto: t&w

Betzendorfer Kinder forschen mit dem Umweltbildungszentrum „Schubz“ über den Wolf

emi Betzendorf. Der Wolf kann 100-mal besser riechen als der Mensch, er frisst innerhalb von 24 Stunden 12,5 Kilogramm Fleisch und wird bis zu 50 km/h schnell: Zwei Wochen lang haben 80 Betzendorfer Schul- und Kindergartenkinder in Zusammenarbeit mit dem Lüneburger Umweltbildungszentrums „Schubz“ geforscht, gefragt und viel gelernt über den Wolf. Bei der ersten Kinderakademie zu diesem Thema stellten die kleinen Kenner gestern in der Grundschule Betzendorf ihre Ergebnisse vor und diskutierten mit erwachsenen Experten: Jäger, Schafhalter, Bürgermeister, Wolfsberater und der Betzendorfer Hansjörg Witte waren schwer beeindruckt vom Wissen der 62 Grundschüler.

Wittes Naturerlebnis der besonderen Art vor rund vier Wochen war Auslöser des Betzendorfer Wolfsfiebers. Beim Spaziergang am Rotenberg war ihm und seiner Frau ein ganzes Rudel über den Weg gelaufen, die LZ hatte über den Vorfall berichtet. „Diese Beobachtung von Herrn Witte haben wir zum Anlass genommen, um zu informieren“, erklärt „Schubz“-Leiter Frank Corleis. Mit allen Sinnen, mithilfe von Spielen, Liedern und Unterrichtsmaterial beschäftigten sich die Kinder mit dem Thema Wolf. „Ziel des Ganzen ist es, Hysterie abzubauen und klarzumachen: Ihr müsst keine Angst haben, aber achtsam sein“, sagt der 41-Jährige.
Besorgt ist Ferdi (8) nicht: „Der Wolf greift uns nicht an, er hat Angst vor uns“, sagt der Schüler. Was zu tun ist, wenn man Isegrim begegnet, weiß Viertklässler Nil: „Klatschen, nicht in die Augen gucken und nicht wegrennen.“ Und die siebenjährige Violetta ergänzt: „Wenn man dem Wolf begegnet, muss man sich ganz groß machen und rückwärts weggehen, man darf sich nicht umdrehen.“

Der Vorsitzende der Jägerschaft Lüneburg ist dagegen skeptisch, ob diese Maßnahmen helfen. „Ich habe im Moment nur einen Rat: Ausweichen“, betont Torsten Broder. Veranstaltungen wie die in Betzendorf hält der Jägerchef für sinnvoll: „Aufklärung tut not. Man muss dabei aber deutlich die Grenzen aufzeigen im Umgang zwischen Mensch und Wolf.“ Gerade mit Kindern könne man wesentlich unverkrampfter über das Thema sprechen als mit Erwachsenen. Dennoch dürfe bei den Kleinen kein falscher Eindruck entstehen: „Der Wolf ist kein Streicheltier!“, mahnt Torsten Broder eindringlich.

Die Kinder finden es dennoch spannend, die spitzen Zähne und das Fell des Raubtieres aus der Nähe zu sehen und den Pfotenabdruck auszumessen. Am Ende des Projekts dürfen sie nicht nur eine Urkunde mitnehmen, sondern auch jede Menge neue Erkenntnisse, die sie an die Großen weitergeben können. „Ich habe schon ein bisschen Angst vor dem Wolf“, gesteht Violetta. „Aber jetzt nicht mehr so doll.“

Info-Tag in Bleckede
Der Wolf kehrt zurück und spaltet die Gesellschaft. Die vielerorts verhärteten Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern aufweichen wollen die Organisatoren der Veranstaltung „Der Wolf ist zurück in der Region“ am Sonntag, 8. März, ab 13 Uhr im Bleckeder Haus. Ihr Ziel: Die Bevölkerung ausgewogen und rechtzeitig zu informieren, bevor der Wolf in Bleckede zu präsent ist wie im Raum Amelinghausen. An dem Nachmittag geht es um Information, weniger um Diskussion. Rund fünfeinhalb Stunden sind für eine Vielzahl von Vorträgen aus unterschiedlichen Blickwinkeln vorgesehen. Im Anschluss an die Begrüßung referieren nacheinander Förster und Wolfsberater Peter Pabel (Forstamt Göhrde), Biologe und Tierfilmer Sebastian Koerner (gegen 14.50 Uhr), Referent für Wolfsschutz beim Nabu, Moritz Klose (gegen 15.55 Uhr), Schäfer und Vorstandsmitglied im Niedersächsischen Schafzuchtverband, Stefan Erb (16.20 Uhr), Wolfsberater im Kreis Lüneburg, Uwe Martens (17 Uhr), sowie Dr. Frank Krüger und Konstantin Knorr vom Umweltministerium in Hannover (17.20). Die Moderation übernehmen die grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte und Jens Uwe Matzen vom Freundeskreis freilebender Wölfe.

 

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5 Kommentare

  1. “Der Wolf greift uns nicht an, er hat Angst vor uns”
    Hanebüchen, welcher Unsinn den Kindern eingetrichtert wird. Förmlich vor Ideologie triefend die Botschaft:“ …klarzumachen: Ihr müsst keine Angst haben“.

    Es hilft nix: die Leute, die solche Verharmlosungen betreiben, müssen in Regress genommen werden, wenn der erste Mensch attackiert worden ist. Gott sei Dank sind die Namen der Verharmloser bekannt.

    • Ich würde gern mal mit meinem Hund einem Rudel Wölfe begegnen. Was man mit Wölfen alles machen kann, wurde schon im deutschen Fernsehen gezeigt. Dort hat ein gebürtiger Inder mit Stockschlägen auf dem Boden einem Rudel Wölfe das Futter wieder weggenommen. Zur Nachahmung nicht zu empfehlen. Dabei sollte man nämlich nicht gerade die Hosen voll haben. Angsthasen haben sie ja schon vor bellenden Hunden voll. Wo soll dieses bloß hinführen? Immer mehr Menschen haben von der Natur keine Ahnung , aber immer mehr Angst. Der Gesetzeshüter wird auf den Plan gerufen. Und damit er genug zu hüten hat, sprudeln die Vorschriften immer weiter. Und Lobbyisten, die gern selbst töten fühlen sich angesprochen, den Beschützer spielen zu wollen. Unsere lieben Angsthasen sollten mehr vor Ihresgleichen Angst haben. Sie töten nämlich ihre eigene Art. Der 1. April lauert schon. Wölfe und ihre Verwandten sollen demnächst an die Leine gelegt werden. Katzen übrigens auch. Niedersachsen und Bremen wollen da Vorreiter spielen. Waidmanns heil.
      Sie und Realist? Da lachen ja die Hühner.

    • speziell für sie. kühe töten bei uns pro jahr etwa 10 menschen. können sie gern googeln. dabei wird man nicht automatisch dümmer. wer will kühe erschießen oder abschaffen? wer verharmlost dieses?

    • Sie können es im „Biographischen Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages“ nachlesen: Seit 1949 ist nicht eine einzige Person von einem Abgeordneten im Wald oder sonstwo attackiert und gebissen worden. Das gleiche gilt für frei lebende Wölfe in Deutschland. Doch mit den Abgeordneten verhält es sich schlimmer: Dass Mitglieder des Bundestages Angst vor Kindern hätten, ist nämlich nicht bekannt.

      Sollen wir den Kindern jetzt einreden : “Der Abgeordnete greift uns vielleicht an, denn er hat nicht einmal Angst vor uns”?

  2. In der Oderzeitung ist man in der Erkenntnis schon einen Schritt weiter:

    „Wölfe, die nicht bejagt werden, sind Zeitbomben“

    http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1373917