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Eine Berlinfahrt im Kleinen haben die Zehntklässler des Gymnasiums Bleckede organisiert  Protest gegen den nach wie vor bestehenden Klassenfahrtenboykott und dessen Ursachen. Foto: t&w
Eine Berlinfahrt im Kleinen haben die Zehntklässler des Gymnasiums Bleckede organisiert Protest gegen den nach wie vor bestehenden Klassenfahrtenboykott und dessen Ursachen. Foto: t&w

Bleckeder Gymnasiasten protestieren gegen Klassenfahrtenboykott

pet Bleckede. „So richtig“ nach Berlin dürfen sie nicht. Denn auch ihre Lehrer boykottieren, wie Gymnasiallehrer in ganz Niedersachsen, seit einem Jahr die Klassenfahrten wegen einer von der Landesregierung beschlossenen Arbeitszeitverlängerung und Verschlechterungen bei der Arbeitszeitverkürzung im Alter. Und so dachten sich die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Bleckede aus Protest dagegen etwas ganz Besonderes aus: Von Donnerstagabend bis gestern Mittag organisierten sie sich im Schulgebäude ihre eigene, eben fiktive, Klassenfahrt in die Bundeshauptstadt.

Gymnasium Bleckede Donnerstagabend: Gut 100 Zehntklässler, die eigentlich im Juni auf Fahrt nach Berlin gehen sollten, rücken in ihre Schule ein, viele mit Koffern, Reisetasche und Rucksack, Strohhut und Sonnenbrille. Wie auf einer richtigen Klassenfahrt eben. Die Räume der Schule werden umfunktioniert, mit Schildern zum Olympiastadion erklärt, zum Reichstag, zum Checkpoint Charlie, zum Flughafen Berlin-Brandenburg. Der Schulkiosk wird kurzerhand zum „KaDeWe“ (Kaufhaus des Westens). Im Eingangsbereich steht ein Fernsehturm aus Papier.

Am Abend wird die Schule zum Jugendgästehaus, in dem die Schülerinnen und Schüler die Nacht verbringen. Am Morgen empfangen die Zehntklässler ihre Mitschüler mit Plakaten und Sprechchören. „Berlin only a dream“, heißt es da. Oder „Wir haben uns Berlin verdient“, „Liebe Lehrer, hattet ihr damals Klassenfahrten?“ und voller Hoffnung: „Wir kommen noch!“ Brötchen, Nutella, Marmelade, Tee und Kaffee stehen am Morgen zum gemeinsamen Frühstück bereit wie im Jugendgästehaus eben.

Und die Aktionen gehen weiter: Pia Steinhauer, Klassensprecherin der 10a, hält über die schulinterne Lautsprecheranlage eine Rede. „Klassenfahrten stärken unsere sozialen Kompetenzen, unseren Zusammenhalt, unsere Gemeinschaft“, sagt sie. Und: man habe Verständnis für den Unmut der Lehrer. Eine höhere Stundenarbeitszahl könne auch „nicht ganz unerhebliche Folgen auch auf die Qualität unseres Unterrichts haben.“

Und Pia Steinhauer formuliert die Forderung der Schüler: „Wir fordern die Lehrer und die Landesregierung auf, eine auch für uns akzeptable Lösung des Konfliktes zu finden, sich an einen Tisch zu setzen und mit uns auf Klassenfahrt zu gehen.“ Eines wollen sie auf jeden Fall nicht sein: „Wir Schüler sind kein Druckmittel.“

Was folgt, überrascht auch die Zehntklässler: Klassentüren gehen auf, auch viele Schüler anderer Klassen ziehen mit Plakaten und Sprechchören durch die Flure: „Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Fahrten klaut.“ Dass ihre Aktion nicht nur für sie, die Zehntklässler, gedacht ist, betonen die Klassensprecherinnen Anna-Maria Hameister, Luisa Brusch, Kassandra Porip und Pia Steinhauer, die, wie ihre Stellvertreter, zum Organisationsteam gehören: „Wir machen das auch aus Solidarität mit den jüngeren Jahrgängen.“ Auch die Sechst- und die Achtklässler wären in diesem Jahr mit Klassenfahrten an der Reihe gewesen.

Gerade für sie, die aus ihren Klassenverbänden im kommenden Schuljahr in zahlreiche Kurse aufgesplittert werden und sich dann neu finden müssen, wäre die gemeinsame Fahrt der 10. Klassen wichtig gewesen, erklären die Klassensprecherinnen. Aber auch die jetzt durchgeführte gemeinsame Aktion „hat uns schon zusammengeschweißt“. Nun erhoffen sich die Vier vor allem, dass auch andere Schulen ihrem Unmut über die ausfallenden Klassenfahrten mit anderen kreativen Aktionen Luft machen.

Nicht einmal 24 Stunden, statt fünf Tagen, dauert die „Klassenfahrt“ der kreativen Bleckeder Schülerinnen und Schüler. Als die Schule am frühen Nachmittag aufgeräumt ist, geht es nach Hause.

12 Kommentare

  1. Wir Schüler sind kein Druckmittel.”
    Lehrer fragen nicht danach. Besonders Gymnasiallehrer. Sie benutzen nicht nur die Kinder, sondern gern auch deren Eltern als Druckmittel. Wer sich mal die Statistik der OECD-Staaten , was Lehrer angeht, genauer anschaut, wird staunen. Sowas wird in Deutschland ungern publik gemacht.

  2. Schüler leben aus, was Lehrer meinen. Hilflos inszeniert sich eine Gruppe Schüler von Lehrern hoch methodisch aufgestachelt, um nichts zu erreichen. Re-Re-Reformpädagogik eben. Schüler laufen mit. Sie müssen nur verstehen, das „irgendwie halt eben Widerstand so gemacht wird“. Voll gut. So Zukunft.

    • Ihnen, „G.Meier“, hätte ein zusätzlicher Kurs „Rechtschreibung“ aber auch nicht geschadet…

      • und wenn der das nun so mit absicht geschrieben hat? so mancher jugendlicher redet doch so, oder nicht?

      • Herbert, wer nicht einmal seinen Vornamen richtig schreiben kann, sollte mit dem abmeiern von Super-G-Rennpistenobleuten vorsichtig sein. Meine Meinung.

        • Lieber Kevin, sorry, aber Herbart ist nicht mein Vorname… Kann ja mal vorkommen…

          • Nein, Ihr Vorname ist nicht Herbart! Hatte ich doch geschrieben. Sie machen da dauernd denselben Schreibfehler. Herbert schreibt sich ohne „a“. Wollen Sie mir vielleicht noch etwas ganz anderes sagen, Herbert? Etwas aus den Tiefenschichten Ihres inneren Menschen? Hab jetzt leider keine Zeit, darüber nachzudenken. Unterricht geht weiter. Neue Formen des intergenerationellen sozialen Miteinanders in der Lüneburger Kinderladenszene der Achtziger ist das Thema …

  3. Werner Schneyder

    Schaut euch doch mal kluge Schulleitungen von Gymnasien an: Die genehmigen keine Klassenfahrten (weil es ja einen Boykott gibt), sondern „Studienfahrten“. Alle sind glücklich.

    Im Übrigen: Studienräte an den IGSen hatten schon immer die Unterrichtsverpflichtung, die nun zum Untergang des Abendlandes führen soll. Protest? Fehlanzeige.

    Es geht nur um das Gymnasium und die nächste Landtagswahl.

  4. Apropos Landtagswahl

    Karl Lagerfeld, das wissen wir jetzt auch, haßt Selfies. „Ich hasse Selfies“, soll er im Januar der New York Times versichert haben, um jetzt zu präzisieren: „Ich mache keine Selfies. Aber andere Leute machen das, und sie alle wollen Selfies mit mir machen. Aber Gott sei Dank ist da mein Assistent Sébastien. Er ist fies zu den Leuten auf der Straße, fies und rüde. Ich bin ja eher ein netter Mensch.“ Der Assistent ist ehemaliger Boxer und laut Boulevard „bekannt dafür, nicht lange zu fackeln“ (t-online.de).

    Harte Zeiten für Jörg Hillmer: https://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/146900-schlagabtausch-ueber-libeskind-bau-im-landtag