Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Auf dem Gelände des ehemaligen Kalksandsteinwerks will der neue Eigentümer drei Millionen Kubikmeter Sand abbauen. Foto: dh
Auf dem Gelände des ehemaligen Kalksandsteinwerks will der neue Eigentümer drei Millionen Kubikmeter Sand abbauen. Foto: dh

Verdächtige Spuren im Häcklinger Sand

us Lüneburg. Schweres Gerät, tiefe Fahrspuren und Öllachen, dazu ein weit geöffnetes Tor zum Abbaugelände des ehemaligen Kalksandsteinwerks in Häcklingen die Fotos, die am vergangenen Wochenende auf dem Areal gemacht wurden, wollen nicht so recht zu dem Bild passen, das jüngst die Stadt vermittelt hat. Sie berichtete, dass dort gegenwärtig gezielt nach geschützten Tierarten gesucht werde, die sich auf dem seit Jahren brachliegenden Betriebsgelände angesiedelt haben könnten. Sollten eine oder mehrere davon tatsächlich vorgefunden werden, könnte dies das vorzeitige Aus für den geplanten Sandabbau bedeuten.

„Wir waren heute in Häcklingen und haben uns das Gelände angeschaut. Von der Südseite her ist in jüngster Zeit ein schweres Fahrzeug auf das Gelände gefahren, das ist aus den Fahrspuren erkennbar. Die Bewegungen des Fahrzeugs sind aber auf den vorderen Teil der Einfahrt beschränkt. Das Fahrzeug selbst haben wir dort nicht festgestellt“, berichtet Volker Schulz, Bereichsleiter Umwelt der Stadt Lüneburg. Als Entscheidungsträger ist sie für das Geschehen auf diesem Teilstück des ehemaligen Geländes der Heinrich-Meyer-Werke zuständig, das komplett von der Hamburger Otto-Dörner-Gruppe erworben wurde. Deren Tochter, die Sandabbau Häcklingen GmbH, will dort drei Millionen Kubikmeter Sand abbauen und stößt damit auf heftige Kritik bei den Anwohnern. Auch die Stadt ist nach eigener Aussage von dem Vorhaben wenig angetan (LZ berichtete).

„Wir haben nicht erkennen können, dass es irgendwelche größeren Schäden gegeben hat“, erklärt Schulz. Zwar habe auch er Ölspuren in dem betroffenen Bereich festgestellt, die seien aber geringfügig. „Wir sehen im Moment keinen konkreten Handlungsbedarf.“ Mit dem Unternehmen will er sich dennoch in Verbindung setzen. „Ich will wissen, was die da machen. Beabsichtigt das Unternehmen womöglich, geschützte Tierarten zu vertreiben?“ Dazu werde er kurzfristig eine Erklärung abfordern.

Die Vermutung, dass auf dem Areal womöglich Fakten geschaffen werden sollen, hat auch Häcklingens Ortsvorsteher Dr. Uwe Plath: „Dort finden Veränderungen statt, die eigentlich nicht stattfinden dürfen.“ Plath bezieht sich damit auf die derzeit laufende artenschutzfachliche Kartierung, die vom Landkreis Lüneburg als Untere Naturschutzbehörde angeordnet wurde. Bis September soll die Kartierung abgeschlossen sein, danach soll eine Konflikt­analyse vorgenommen werden. Von dem Ergebnis verspricht sich die Stadt Angaben darüber, ob das Vorhaben der Sandabbau Häcklingen GmbH wie geplant durchgeführt werden kann oder vorzeitig beendet werden muss.

Hoffnungen auf einen Stopp der Abbaupläne könnten aus einer Arbeit erwachsen, die von der Bürgerinitiative (BI) Blauer Himmel über Ilme­nau erstellt wurde. Mitglieder der BI hatten bereits ihrerseits im Sommer letzten Jahres auf dem Gelände der stillgelegten Kiesgrube eine Artenschutz-Kartierung vorgenommen und dabei nach eigenen Angaben 20 geschützte Tierarten festgestellt, darunter die Heidelerche, den Flussregenpfeiffer, den Schwarz- und Grünspecht und den Wendehals. Die Ergebnisse wurden am 23. Juni sowohl der Stadt als auch dem Landkreis im Sommer zugeleitet. „Seitens des Landkreises hieß es, dass man die Ergebnisse in die weitere Arbeit einfließen lasse“, berichtet BI-Mitglied Carola Hennig. Im Dezember wurden beide Behörden dann auch über Aktivitäten informiert, die von der BI auf dem Gelände beobachtet wurden. Dabei soll ein größeres Maschinenteil auf den nördlichen Bereich verlegt worden sein. Am vorigen Wochenende schließlich legte sie die Fotos vor, die Volker Schulz nun offenbar veranlassten, der Sache nachzugehen.

One comment

  1. Jetzt frage ich mich natürlich, warum hat die LZ-Redaktion nicht einfach mal die Hamburger Otto-Dörner-Gruppe oder deren Tochtergesellschaft, die Sandabbau Häcklingen GmbH, angerufen und gefragt. Es müßte die Firmen doch auch interessieren, was dort geschieht.