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Bauleiter Thomas Lünsmann erneuert mit seinen Kollegen Weichen und Gleise im Bereich des Lüneburger Bahnhofs. Foto: t&w
Bauleiter Thomas Lünsmann erneuert mit seinen Kollegen Weichen und Gleise im Bereich des Lüneburger Bahnhofs. Foto: t&w

Gleisbauer auf Wachstumskurs

dth Wittorf. In der vergangenen Nacht haben die Bauarbeiten im Bereich des Lüneburger Bahnhofs begonnen. Im Auftrag der DB Netz AG erneuert das Wittorfer Unternehmen „Willke“ in den kommenden Wochen Weichen und Gleise. Dabei kommen den Wittorfern die jüngsten Firmenzukäufe zugute. So setzt Willke etwa bei den Arbeiten in Lüneburg auf Logistikfahrzeuge, die mit dem Erwerb des Dienstleisters SES Logistik GmbH in Ludwigslust seit vergangenem Sommer zur Wittorfer Unternehmensgruppe gehören. Zu Monatsbeginn haben die Wittorfer zudem den Geschäftsbetrieb eines Oberleitungsbauunternehmens in Kassel übernommen und es so aus der Insolvenz gerettet. Parallel laufen die Vorarbeiten für das nächste Millionen Euro schwere Projekt: der Gleisbau für die Hamburger U-Bahnlinie 4 von der HafenCity Universität bis zu den Elbbrücken.

„Wir wollen kein Konzern werden. Wir sind und bleiben ein Familienunternehmen. Deshalb ist es uns wichtig, dass wir die neun Mitarbeiter unseres jüngsten Zugangs übernehmen konnten“, sagt Niklas Willke, Mitglied der insgesamt dreiköpfigen Geschäftsleitung von Willke. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 150 Mitarbeiter an mehreren Standorten. Die jüngste Firmenerweiterung war relativ spontan. Der Oberleitungsbauer „Strukton Systems GmbH & Co. KG“ hatte im Dezember Insolvenz angemeldet. „Anfang Februar wurden wir darauf aufmerksam und machten ein Angebot“, sagt Willke. Zunächst schienen die Wittorfer aus dem Rennen, weil sie nicht das höchste Gebot abgegeben hatten. Erhielten schließlich aber doch den Zuschlag, weil sie den gewünschten Termin zur Geschäftsübernahme am 1. März einhalten konnten. Das Firmenvermögen und die neun Mitarbeiter von Strukton Systems sind nun in Willke Systems aufgegangen.

Niklas Willke sagt: „Mit dem Erwerb von Strukton Systems erweitern wir unser Produktportfolio.“ Der Oberleitungsbauer ergänze mit seinen Dienstleistungen mit der Erdung von Schienen bis zum Oberleitungsbau das Wittorfer Unternehmen, das sich bisher auf Gleisbau und Schweißarbeiten spezialisierte. Mit der breiteren Basis soll es dem 1979 gegründeten Wittorfer Unternehmen leichter fallen, den jährlichen Umsatz von rund 25 Millionen Euro zu erzielen.

Dazu trägt neuerdings auch die Ludwigsluster Logistik-Sparte bei. Für die jetzt laufenden Bauarbeiten beim Lüneburger Bahnhof haben die Wittorfer eine V100-Diesel-Lok aus Ludwigslust kommen lassen, jetzt mit neuer Firmenlackierung, die das Material für die Baustelle bewegen soll. Noch bis Montag in der Früh erneuern die Wittorfer Gleisbauer zunächst insgesamt drei Weichen im Bereich südlich des Lüneburger Bahnhofs. „Ab Dienstag gehen wir direkt dazu über, die Gleise auszutauschen“, sagt Bauleiter Thomas Lünsmann. „Insgesamt kommen wir nachher auf rund 2000 Meter Gleise, die wir erneuern.“ Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis zum 29. März. Da hauptsächlich an den Rangiergleisen gearbeitet wird, sei nicht mit Behinderungen für den laufenden Bahnverkehr zu rechnen.

Parallel laufen die Vorarbeiten für den nächsten Bauabschnitt der U-Bahnlinie 4 in Hamburg. Bereits bis Anfang 2012 hatte sich die Tochterfirma „Willke rail construction“ am Bau des ersten Abschnitts der U4 beteiligt, unter anderem rund 25000 Tonnen Schotter und zwölf Kilometer Schienenstrang zwischen Jungfernstieg und HafenCity Universität in den Tunneln eingebracht. Jetzt steht der Weiterbau der Strecke bis zu den Elbbrücken an: für die Tunnel zweimal 300 Meter Gleis Wegstrecke, plus rund 200 Meter für Weichengruppe und Kehranlage zum Wenden der Züge. Die Arbeiten werden voraussichtlich in zwei Abschnitten durchgeführt im März/April sowie Juni/Juli. Das Auftragsvolumen für die Wittorfer beläuft sich auf rund 1,5 Millionen Euro.