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Osterfeuer sind beliebt. In der Stadt Lüneburg gelten dafür künftig neue Regeln. Danach sind große Feuer nur noch in bestimmten Gebieten zulässig.  Foto: t&w
Osterfeuer sind beliebt. In der Stadt Lüneburg gelten dafür künftig neue Regeln. Danach sind große Feuer nur noch in bestimmten Gebieten zulässig. Foto: t&w

Zu Ostern nur noch Feuerchen erlaubt

us Lüneburg. Wenn in wenigen Wochen wieder überall im Land zu abendlicher Stunde die Osterfeuer brennen und sich Groß und Klein in geselliger Runde bei Bratwurst, Bier und Brause ums Feuer versammeln, werden sich die Lüneburger wohl eher mit der wärmenden Nähe ihrer Mitmenschen als der des Feuers begnügen müssen. Grund ist eine neue Verordnung, die jetzt vom Rat der Stadt beschlossen wurde. Danach sind im Innenstadtbereich nur noch kleine Feuer erlaubt.

„In einem Punkt ist die Stadt besonders rigoros vorgegangen, ein wenig großzügiger wäre besser gewesen“, merkte Dr. Gerhard Scharf (CDU) zur neuen „Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ an. Sie stammt aus dem Jahr 1994, wurde 2005 angepasst und war aufgrund aktueller Rechtsprechung veraltet. Umfangreiche Überarbeitung hat das Thema Brauchtumsfeuer erfahren. In acht Punkten ist geregelt, unter welchen Voraussetzungen das Abbrennen noch zulässig ist. Besonders stark reglementiert sind künftig Osterfeuer „innerhalb der bebauten Ortslage“ der Stadt. Unter anderem dürfen sie nur noch eine maximale Grundfläche von zwei Quadratmetern und eine Aufschichthöhe von bis zu einem Meter haben.

„Das sind keine Osterfeuer mehr, das sind nur Kohlehaufen“, kritisierte Scharf die starken Einschränkungen für die Feuer, die in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert hätten. „Wenn es brennt, kommt ja die Feuerwehr“, hielt ihm Oberbürgermeister Ulrich Mädge entgegen, schließlich wisse man ja, was alles passieren könne. Außerdem gehe es lediglich um den innerstädtischen Bereich, „wer ein großes Feuer will, kann weiterhin beispielsweise zum Ebensberg oder nach Häcklingen fahren.“ Andreas Meihsies, Fraktionschef der Grünen, sprach von einer „Reglementierung im positiven Sinn“. Schließlich hätten sämtliche 24 Osterfeuer in der Stadt weiterhin Bestand. Für welches Feuer welche Regelung gelte, müsse im einzelnen geprüft werden, „wir orientieren uns an den baugesetzlichen Regeln“, erklärte Stadtdezernent Markus Moßmann auf LZ-Nachfrage.

Generelle Kritik kam von Michèl Pauly. Die Verordnung habe einen „sehr hohen Detailierungsgrad“, wie der Fraktionschef der Linken mit Blick auf einige Paragrafen bemerkte. Aus seiner Sicht wäre es besser gewesen, wenn „überflüssige Prosa“ rausgenommen worden wäre, „da hält sich eh keiner dran“. Ihm widersprach SPD-Fraktionschef Heiko Dörbaum: „Sie fordern immer Transparenz. Jetzt haben wir das genau festgeschrieben, damit jeder weiß, woran er ist.“

Ergänzungen gab es auch beim Thema Leinenzwang für Hunde. Unter anderem ist festgelegt, dass sie auf öffentlichen Verkehrsflächen ohne Leine nur noch geführt werden dürfen, wenn sie gut abgerichtet sind und auf Zuruf gehorchen. Leinenzwang besteht darüber hinaus künftig auch in Naturschutzgebieten. Die neue Verordnung wurde bei einer Enthaltung aus der Fraktion der Grünen mehrheitlich beschlossen.

Strenge Regeln

Veranstalter von „Brauchtumsfeuern“, zu denen auch Osterfeuer zählen, können nur in der Ortsgemeinschaft verankerte Glaubensgemeinschaften, Organisationen oder Vereine sein, die Veranstaltungen müssen für jedermann zugänglich sein. Osterfeuer dürfen nur noch am Gründonnerstag oder am Ostersamstag zwischen 14 und 23 Uhr abgebrannt werden. Das Abbrennen von Brauchtumsfeuern muss genehmigt werden, dabei gilt:

1. Der Antrag muss spätestens zwei Wochen vorher bei der Stadt gestellt werden.
2. Nur trockenes Holz, Gehölz und Strauchschnitt darf verwendet werden.
3. Das Brennmaterial darf erst am Tag der Veranstaltung auf die Feuerstelle gelegt werden.
4. Zum Anzünden dürfen nur feste Brennstoffe verwendet werden.
5. Bei starkem oder böigem Wind darf das Feuer nicht abgebrannt werden.
6. Das Feuer ist ständig durch für den Feuerschutz geeignete Personen unter Aufsicht zu halten.
7. Innerhalb der bebauten Ortslage darf das Feuer maximal eine Grundfläche von zwei Quadratmetern und eine Aufschichthöhe von einem Meter haben. Der Abstand zur Wohnbebauung muss mindestens 50 Meter betragen, zu anderen Gebäuden, Baumbeständen, Gehölzen, Hecken und Einzelbäumen 25 Meter und mindestens 100 Meter zu öffentlichen Verkehrsflächen. In begründeten Einzelfällen können die Abstände verringert werden.
8. Außerhalb der bebauten Ortslage darf das Feuer maximal eine Grundfläche von 16 Quadratmetern und eine Aufschichthöhe von drei Metern haben. Der Abstand zur Wohnbebauung muss mindestens 100 Meter betragen, zu anderen Gebäuden, Baumbeständen, Gehölzen, Hecken und Einzelbäumen 50 Meter und mindestens 100 Meter zu öffentlichen Verkehrsflächen. In begründeten Einzelfällen können die Abstände verringert werden.

4 Kommentare

  1. welch ein glück, der gestank hält sich ja dann dieses mal wirklich in grenzen. jeder der nachts schlafen will, bei offenem fenster, wird begeistert sein.

    • Wollen Sie nicht eine AntiFeu auf die Beine stellen? Und wenn das nicht hinhaut, bleibt Ihnen ja auch immer noch das passiv-aggressive Fensterknallen… wer weiß, vielleicht macht Frau Timmann mit ?

  2. Leinenzwang besteht darüber hinaus künftig auch in Naturschutzgebieten. Die neue Verordnung wurde bei einer Enthaltung aus der Fraktion der Grünen mehrheitlich beschlossen.
    tja, die grünen scheinen sich am weitesten von allen mit der umwelt zu beschäfigen. artgerechte tierhaltung betrifft eben auch hunde.

  3. Also ich find das Spitze. Da muss ich Herrn Pauly mal ganz entschieden widersprechen. Der sehr hohe Detaillierungsgrad der Paragrafen enhält absolut keine überflüssige Prosa, weil ja das Wichtige das ist, was gar nicht drinne steht. Also hat Ratskrokodil Heiko Dörbaum Recht, auf die Transparenz kommt´s an. Man muss durchschauen können durch den Fadenschein des lückenhaften Paragrafengeflechts. Dann wird daraus die Reglementierung im positiven Sinn, von der Andreas Meihsies mit weitsichtigst augenzwinkernder Ratsfüchsigkeit spricht. Wenn´s nur Kohlehaufen sind, wie Gerhard Scharf meint, kommt die Feuerwehr, wie Ulrich Mädge warnt. Aber wenn die Kohlehaufen angezündet werden, bleibt sie weg. Und es steht ja eben nicht drin wieviele Kokeleien es sein und wann und wie oft sie entfacht werden dürfen, solange man sie nicht Osterfeuer nennt. Übers Cem-Manitu-Özdemir-Feuer zum Beispiel steht null-komma-nüscht da. Lüne-Fürst Dr. Rolf Johannes und Hanse-Leu Andreas Ohms etwa haben das Kiefernkillerkriegsbeil zu Recht sogleich in ihrer gemeinsam gepflegten Hanfplantage am Wilschenbrucher Weg 69 begraben, haben den großen vergesellschaftenden, tiefgehende Befindlichkeitsharmonien schaffenden Bucketkicker aufgebaut und aktiviert und haben mit dem ersten tiefen Zug aus diesem beseligenden Friedenseimer per Vollzug eine in der Ortsgemeinschaft Barckhausen- und Lessingstraße instantan fest verankerte Glaubensgemeinschaft gebildet und feiern dieses Ereignis künftig ganzjährig mit 24 immerbrennenden indianischen Brauchtumsfeuern auf dem Gelände des abgerissenen Ibus-Herrenhauses bis das Fundament des schönen neuen Stadtvilla-Pueblos im Januar 2017 gegossen ist.