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An- und Abfahrt zu Kran und Altem Kaufhaus ist für Kutscher Andreas Gensch in diesem Jahr schwierig. Foto: nh
An- und Abfahrt zu Kran und Altem Kaufhaus ist für Kutscher Andreas Gensch in diesem Jahr schwierig. Foto: nh

Kutschen als Bremsklötze? Gedankenspiele über „Ausweg“ aus dem Wasserviertel

ca Lüneburg. Die Fahrt mit der Kutsche ist gemächlich, ein Vergnügen, wenn es über Plätze und durch Gassen geht. Auf dem Stadtring hingegen wirken Pferde und Wagen zwischen Fahrzeugen mit deutlich mehr Pferdestärken wie Bremsklötze. Doch offenbar bestehen in der Verwaltung Überlegungen, die Kutschen dort fahren zu lassen. Das berichten die Kutscher Andreas Gensch und Jens Bußmann übereinstimmend.

Grund ist der Wiederaufbau des Lösecke-Hauses. Der Stintmarkt ist deswegen blockiert. Die Folge: Die Fuhrunternehmer können das Wasserviertel nicht mehr auf dem üblichen Weg ansteuern und verlassen. Abfahren sollen die Kutschen so die Idee, die sie aus dem Rathaus gehört haben über die Scholze-Kreuzung. Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck reagiert überrascht, sichert auf Nachfrage zu: „Es wird eine andere Lösung geben.“

Im Ordnungsamt haben die Kutscher unterschiedliche Varianten präsentiert bekommen. Bußmann sagt, ihm habe man erklärt, er solle unter anderem von der Scholze-Kreuzung kommend nach rechts in die Schießgrabenstraße abbiegen, um an der Altenbrückertorstraße zum Platz Am Sande zurückkehren zu können. Davon hält er nichts: „Die Autofahrer sind sauer auf uns, für Touristen ist die Strecke unattraktiv.“

Gensch wiederum spricht von einer anderen Abfahrt: Ihm habe man gesagt, er solle an der Scholze-Kreuzung links abbiegen, um über Schifferwall und Reichenbach- zur Bardowicker Straße zu gelangen. Er kann damit leben: „Die einzige Möglichkeit, um wegzukommen.“

Wer sich auskennt oder auf den Stadtplan schaut, findet noch einen anderen Ansatz: Die Fahrer könnten von der Lünertorstraße nach links in den Werder abknicken, über die Kaufhausstraße zurück zum Kran, von dort über die Ilmenau am Lokal Pons vorbei ins Wendische Dorf, um von dort über die Baumstraße entgegen die Einbahnstraße zur Bardowicker Straße zu fahren. Diese Streckenführung kennen auch die Kutscher, sagen aber, dass Anwohner dies ablehnen würden

Die Stadtpressesprecherin vermutet, die Stadtring-Variante sei vielleicht ein Gedankenspiel gewesen, „aber das ist nicht Linie unseres Hauses“. Die Frage, ob der Anruf der LZ vielleicht für eine andere Bewertung sorge, wollte Suzanne Moenck nicht kommentieren. Die Abfahrt über die Baumstraße wäre eine „theoretische Abflussmöglichkeit“, aber entschieden sei nichts: „Wir haben noch keine Lösung.“

In diesem Jahr sei die Lage schwierig, erklärt die Sprecherin. Denn neben der Lösecke-Baustelle gebe es im Viertel weitere Baupläne, die zu Hindernissen führen könnten. Misslich für die Kutscher, die Besuchern natürlich eine der schönsten Seiten Lüneburgs zeigen wollen.

3 Kommentare

  1. Lieber Carlo Eggeling

    Zuerst einmal: „entgegen“ ist eine Präposition, die den Dativ verlangt – auch in Lüneburg !

    Dann: Vielleicht könnten sich die Equipagenbesitzer und Eigengespannfahrer Andreas Gensch und Jens Bußmann dazu verstehen, am Markt gemeinsam mit ihren Gästen auf hölzerne Hanse-Steckenpferde mit Echthaarmähne umzusatteln, um anschließend im Kantergalopp An den Brodbänken an Contigos Fair Trade Shop vorbei durch die Rosenstraße, Am Berge Neptun´s [sic!] Fischhaus passierend, Bei der Abtsmühle über die Brausebrücke, wo sie im Vorüberpreschen Mark Twain zujubeln würden, Am Fischmarkt scharf links und sofort wieder links über die Lünertorstraße im zuletzt versammelten Trab zum Stint zu gelangen? Dort würde die touristische Reiterarmee die Lösecke-Baustelle, eine der schönsten Seiten Lüneburgs, bewundern können, ohne dass Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck zu verraten brauchte, was es heißen könnte, dass keine der möglichen Kutschvarianten “der Linie ihres Hauses” entspricht, aber eine andere Lösung auch nicht da sei. (Ich vermute ja, es läuft über kurz oder lang sowieso auf eine Untertunnelung der Altstadt hinaus, so dass hoch effiziente Solarbahngeschosse durch oben verglaste Röhren zischen und eine komplette Stadtbesichtigung aus der Maulwurfperspektive – inklusive des von innen illuminierten Kalkbergs und der Parforcejagd durch die Maschinenhalle in der Holm-Keller-ZeroEnergy-Design-Tiefgarage des Libeskind-Baus – für tausend Tagesgäste künftig nicht mehr als zehn Minuten dauert. So würde man pro Arbeitstag locker ca. 50 bis 60.000 „Kunden“ durchs „Kaufhaus“ Lüneburg katapultieren können. Endstation wäre wahlweise das Lurchi-Beratungszentrum für Liebhaber von Salamander-Sandalen im Schuhhaus Schnabel oder das verlockende Premium-Tortenbuffet im Coffee Shop No.1 in der Schröderstraße 7.)

    • Herrliche Vorstellung ! Da könnte Lüneburg zum Trendsetter für die Freizeit-Bekleidungsindustrie werden und neben Walking-Stöcken und Neon-Funktionswäsche die Wiederkehr der schnalzenden Gerte, des Kandarenzaums und des Uvex Reithelms Supersonic Elegance begründen. Ich stelle mir vor, dass Heiko Westermann schon am neuen Prospekt feilt, in dem es ab September heißt: Die ROY ROBSON Reitsportkollektion Frühjahr/Sommer 2016 zeigt authentische, natürliche Looks, die raffiniert kombiniert zu spannungsvollen, eleganten Hoppel-di-hopp -Welten verschmelzen. Die Palette reicht von Grau-Schwarz-Schattierungen, die mit Rottönen akzentuiert werden, über maritime Blautöne in Kombination mit männlich-markantem Khaki bis hin zu Sandfarben mit Aquatönen. Farbe wird jedoch in den Looks dosiert und gekonnt gestylt durch eine präzise Abstimmung farbiger Details vom „Horse Funktionsshirt Energy Tech Top 2016“ und „Softshell-Reitjacke Monrose“ über die „Rubicon Multi Bridle Trense“ bis hin zum „Firenze Young High Reitstiefel“ und dem weich gepolsterten Meteor Vorderzeug aus feinem englischen Leder mit Swarovski-Kristallen und abnehmbarem Martingal –- für den perfekten Auftritt am Stint ein Muss.

      Übrigens, die „Kutsche als Bremsklotz“ aus Carlos Artikelüberschrift wäre doch eine schöne Querfeldein-Denksportaufgabe für den Zeichenunterricht in unseren Grundschulen. Wer es als Kind einbürgerungswilliger Containerbewohner fertig bringt, diese Wortkombination in ein Bild zu übersetzen, erhält die deutsche Staatsangehörigkeit sofort und seinen Pass schmückt der Hanse-Titel mit Unterschrift von Carlo Eggeling in Goldbuchstaben.

      • Köstlich! Ich halte mir den Bauch vor Lachen. Gibt es eigentlich auch Hansetitel für großartige LZ-Kommentare?

        Wenn die Laudatoren sich auskennen oder auf den Stadtplan schauen, finden sie bestimmt einen Ansatz, um zu den Prämierten zu gelangen: Ihre „Fahrer könnten (…) über die Baumstraße entgegen die Einbahnstraße zur Bardowicker Straße“ steuern. Dann hätten sie zumindest noch einmal Carlos Grammatik-Schnitzer passiert.