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Ehrende und Geehrte: (vorne, v.l.) Hartwig Denkmann, Bürgermeister Eduard Kolle, Amina Camis, Selma Abou Alfa, Manfred und Loni Krajewski, Erich Kiehn, Martin Hofer, sowie (hinten, v.l.) Ernst Ballin, Joachim Roemer, Norbert Frie, Norbert und Ingo Schulz. Foto: be
Ehrende und Geehrte: (vorne, v.l.) Hartwig Denkmann, Bürgermeister Eduard Kolle, Amina Camis, Selma Abou Alfa, Manfred und Loni Krajewski, Erich Kiehn, Martin Hofer, sowie (hinten, v.l.) Ernst Ballin, Joachim Roemer, Norbert Frie, Norbert und Ingo Schulz. Foto: be

Blumen für karge Container-Unterkunft

ahe Lüneburg. Er fühle sich, als sei er bei der Verleihung der Goldenen Kamera, bekannte Hartwig Denkmann: „Also mache ich es wie die, die da geehrt werden und bedanke mich bei all jenen, die mich in den Jahren unterstützt haben.“ Seit 1955 ist der Lüneburger aktiver Kleingärtner, machte sich als Wegewart, im Festausschuss und als stellvertretender Vorsitzender des Vereins Kirchsteig verdient, ehe er den Chefposten der Kolonie übernahm und ihn mehr als 38 Jahre lang ausfüllte. Im Januar trat er ab, mit nunmehr 82 Jahren. Aufgrund seiner Verdienste ernannte ihn der Kleingärtner-Bezirksverband bei der Jahresversammlung jetzt zum Ehrenmitglied erst das zweite überhaupt.

Denkmann ist ein Unikum. Ein Kleingärtner, der immer ein nettes Wort oder mal einen lockeren Spruch für seine Vereinskollegen auf Lager hat. Einer, der auch mal einen notwendigen Tadel nett verpacken kann, und einer, der auch im fortgeschrittenen Alter immer wieder mit frischen, innovativen Ideen überraschte. Gab es mal einen Leerstand, machte er die Parzelle eben zum Kinder-Party-Garten. Die Einrichtung eines Sinnesgartens für Demenzkranke fiel genauso unter seine Amtszeit wie der Start der Tafelgärten mit sogenannten Bürgerarbeitern oder die Pflanzung japanischer Zierkirschen als Zeichen der Freundschaft zu Lüneburgs Partnerstadt Naruto. Zweifellos ein Höhepunkt: 1990 wurde sein Verein beim Bundeswettbewerb der Kleingartenanlagen mit Gold ausgezeichnet die höchste Auszeichnung, die es für Kleingärtner zu erringen gibt. Sein letztes Projekt als Kolonie-Chef war der Bau einer Boccia-Bahn. „Ein Dank gilt an dieser Stelle auch deiner Frau Maria, die dir in all den Jahren immer den Rücken freigehalten hat“, sagte Jürgen Schulz, Schriftführer des Bezirksverbandes, in seiner Laudatio auf seinen langjährigen Weggefährten.

Nicht allzu groß ist die Freude unter den Kleingärtnern über die neue Verordnung für Osterfeuer, die in den Kolonien eine lange Tradition haben und die auf Geheiß der Stadt Lüneburg künftig nur noch ganz klein ausfallen dürfen. Der Vorsitzende des Bezirksverbandes, Joachim Roemer, legte im Glockenhaus mit Zollstöcken die kleine Fläche aus, die fortan Rechtsgrundlage dafür ist.

Die Kleingärtner leisten auch eine Menge für die Integration, nicht nur, weil viele Migranten selbst in den Vereinen ackern: So gibt es einen Kulturgarten im Verein Moorfeld, der von Flüchtlingen und Lüneburgern gemeinsam bewirtschaftet wird sowie einen fruchtbaren Austausch und gute Zusammenarbeit zwischen dem Verein Am Pferdeteich und dem dort ansässigen Bezirksverband mit den Flüchtlingen der Unterkunft in der benachbarten Kaserne. Und in Kürze wollen die Kleingärtner vom Kreideberg mit dem im Bezirksverband aktiven Ehepaar Calovius das Außengelände der neuen Unterkunft am Ochtmisser Kirchsteig bepflanzen.

Der Jahresbericht lieferte weitere eindrucksvolle Zahlen: Die rund 2120 Mitglieder der 21 angeschlossenen Vereine in Lüneburg, Reppenstedt, Soltau, Winsen, Tostedt und Buchholz leisteten 2014 insgesamt 12984 Stunden Gemeinschaftsarbeit würde man diesen Einsatz mit einem Stundenlohn von 15 Euro aufrechnen, bedeutet das eine Wertschöpfung von mehr als 194000 Euro. Die Pflege der Anlage kommt nicht nur den Kleingärtnern selbst zugute, auch viele Familien nutzen gern die Spielplätze, Spaziergänger und Jogger die Wege durch die Kolonien. In einigen Parzellen wird zudem ausschließlich Gemüse und Obst angebaut, das der Lüneburger Tafel zur Verfügung gestellt wird. Einige Beispiele: Zwischen Juni und Dezember wurden allein 57 Kisten Mangold, 118 Stück Rote Beete, 18 Kürbisse und 15 Säcke Kartoffeln an die Einrichtung geliefert, die damit finanziell schwache Lüneburger versorgt.

Über Ehrennadeln des Bezirksverbandes freuten sich Loni und Manfred Krajewski (Kolonie Hopfengarten), Erich Kiehn (Moldenweg), Norbert und Ingo Scholz (Bockelsberg) sowie Martin Hofer (Weidedamm/Soltau). Eine goldene Nadel heftete Roemer Ernst Ballin (Kirchsteig) ans Revers, eine silberne Nadel Norbert Frie (Moldenweg).

Bei den Wahlen zeigte sich, dass der Vorstand offenbar gute Arbeit leistet, denn bei allen zur Disposition stehenden Posten setzten die Delegierten auf die Amtsinhaber. Andreas Calovius bleibt stellvertretender Vorsitzender, Sonja Hardt Kassiererin und Roland Müller Fachberater.