Aktuell
Home | Lokales | Aufnahme am Gymnasium bleibt strittig
Wie viele Schüler und vor allem welche in Zukunft am Gymnasium Oedeme aufgenommen werden, wird seit Wochen heiß diskutiert. Foto: A/t&w
Wie viele Schüler und vor allem welche in Zukunft am Gymnasium Oedeme aufgenommen werden, wird seit Wochen heiß diskutiert. Foto: A/t&w

Aufnahme am Gymnasium bleibt strittig

ahe Lüneburg. Wer soll und darf künftig am Gymnasium Oedeme lernen? Mit dieser Frage, die seit Wochen die Politik und die Verwaltungen von Stadt und Landkreis beschäftigt, hat sich auch der Schulvorstand des Gymnasiums Oedeme befasst. Tenor: Die Schule sollte nicht mehr als sechs 5. Klassen aufnehmen, und bei der Frage, wer einen Platz bekommt, sollten die Kinder aus Oedeme die gleichen Chancen haben wie Kinder aus dem Landkreis.

Wie berichtet, hat das Gymnasium Oedeme aufgrund seiner großen Beliebtheit ein Kapazitätsproblem. Schon heute findet der Unterricht auch in mehr als einem Dutzend Containern statt. Zudem muss mit der Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren bald wieder ein zusätzlicher Jahrgang untergebracht werden. Schulleiter Dieter Stephan hatte sich deshalb an den Kreis als Schulträger gewandt, dass künftig möglichst nicht mehr als sechs 5. Klassen aufgenommen werden sollten. Die Verwaltungsspitzen von Stadt und Kreis hatten einen Vorschlag mit am Wohnort der Schüler orientierten Aufnahmekriterien präsentiert, der bei der Schule selbst und bei Eltern für viel Kritik sorgte, zudem fühlte sich die Politik übergangen. Dem folgte ein Teilrückzieher mit aufgeweichter Variante. Danach sollen Schüler aus bestimmten Bereichen der Stadt „umorientiert“ werden, ihnen soll der Zugang in Oedeme aber nicht per se verwehrt werden. Melden sich weiterhin mehr Schüler an, als in sechs 5. Klassen Platz finden, soll „als Ausnahme“ eine siebte 5. Klasse eingerichtet werden.

An einen plötzlichen Einbruch bei der Beliebtheit mögen viele aber nicht glauben. Stattdessen dürfte die Ausnahme damit wohl eher die Regel werden. Damit würden zwar womöglich mehr Viertklässler ihre Wunschschule besuchen dürfen, doch das Kapazitätsproblem in Oedeme würde sich eher verschärfen. Deshalb hat der dortige Schulvorstand in seiner jüngsten Sitzung einstimmig den Beschluss gefasst, dass der Landkreis als Schulträger alles dafür tun möge, dass maximal sechs 5. Klassen eingerichtet werden. Das könne unter anderem dadurch erreicht werden, dass Schülern aus Amelinghausen erlaubt werden könnte, zum Gymnasium Salzhausen wechseln zu dürfen. Zudem könnten Kinder aus Reppenstedt vermehrt zur Herderschule gehen. Der Schulvorstand legt außerdem Wert auf gleichberechtigte Zugangsmöglichkeiten für Kinder aus Oedeme. Wenn die Zahl der Anmeldungen die Zahl der Plätze übersteige, müsse eben unter allen Kindern gelost werden, wobei Kinder, deren Geschwister schon in Oedeme lernen, einen Platz sicher haben sollten. Außerdem fordert der Schulvorstand ein „dauerhaft funktionierendes Kapazitäts- und Raumkonzept“, denn der Zustand mit den vielen Containern sei „unerträglich“.

Weil Verwaltungen und Politik das böse Wort vom Schulbezirk vermeiden wollen, stecken sie in einem Dilemma. Denn anbauen will der Kreis in ­Oedeme nicht, obwohl die Schule die Notwendigkeit schon aus pädagogischen Gründen anmahnt. Als Konsequenz müsste der Kreis entweder mehr Kinder enttäuschen oder weitere Container aufstellen. Rein rechtlich hat der Kreis zur Lenkung der Schülerströme aber nur zwei Möglichkeiten, wie Susanne Strätz, Pressesprecherin der Landesschulbehörde, verdeutlicht: „Er kann einen Schulbezirk einrichten, und zwar ganz nach Belieben. Macht er das nicht, bleibt nur das Losverfahren.“ Das greift dann, wenn die Kapazitätsgrenze an einer Schule erreicht ist, aber an anderen Schulen gleicher Schulform am selben Ort noch Plätze zur Verfügung stehen. Heißt: Eine Lenkung unterhalb der Regelung mit Schulbezirken gibt es im Grunde nicht.

Auch Stephan wünscht sich Klarheit. Denn seinem Empfinden nach sei es schwer vermittelbar, warum „Kinder aus dem Landkreis bei den Gymnasien die freie Wahl haben sollen, während diese Wahl für Kinder aus bestimmten Bereichen der Stadt eingeschränkt würde. Grundsätzlich nehmen wir Kinder aus Häcklingen genauso gerne auf wie Kinder aus Amelinghausen“. Aber dass er Kinder aus Oedeme, dem direkten Umfeld der Schule, ablehnen und stattdessen Kinder aus weiter entfernten Gebieten bevorzugt aufnehmen solle, hielte er für „absurd“. Deshalb würde auch er im Zweifelsfall eher auf das Losverfahren setzen.