Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Nostalgisch ging es zu, als 2013 das 100-jährige Bestehen der Bahnstrecke Lüneburg Soltau gefeiert wurde. Jetzt hat sich die Hoffnung, dass die Strecke für den regulären Personenverkehr reaktiviert wird, zerschlagen. Nur die Museumszüge werden weiterrollen. Foto: A/t&w
Nostalgisch ging es zu, als 2013 das 100-jährige Bestehen der Bahnstrecke Lüneburg Soltau gefeiert wurde. Jetzt hat sich die Hoffnung, dass die Strecke für den regulären Personenverkehr reaktiviert wird, zerschlagen. Nur die Museumszüge werden weiterrollen. Foto: A/t&w

Gutachter: Reaktivierung der Bahnstrecke Lüneburg-Soltau unwirtschaftlich

dth/ml Lüneburg. Auf der alten Bahnstrecke Lüneburg-Soltau werden auch künftig keine regulären Personenzüge rollen. Eine Reaktivierung der Trasse für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) ist unwirtschaftlich. Das ist das Ergebnis eines vom Land in Auftrag gegebenen und jetzt vorgelegten Gutachtens. Von anfangs 74 landesweit untersuchten Trassen war Lüneburg-Soltau in die Runde der letzten acht Strecken gekommen. Nach der abschließenden Kosten-Nutzen-Analyse schneidet die mit mehr als 57 Kilometer Länge auch teuerste Strecke am zweitschlechtesten ab. Die erheblichen Investitionskosten von rund 60 Millionen Euro stünden in keinem Verhältnis zum Potenzial, sagte Stefan Wittke, Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Hannover.

Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt kann mit dieser Entscheidung gut leben. Die Samtgemeinden Amelinghausen und Ilmenau hätten sich gegen die Pläne ausgesprochen. „Und vor zehn Jahren sind wir dem Hamburger Verkehrsverbund beigetreten, um die Buslinien zu stärken. Das ist gelungen. Den Personennahverkehr auf der Schiene brauchen wir nicht.“

Im letzten Schritt hatten die Gutachter den zu erwartenden volkswirtschaftlichen Nutzen den Investitionskosten gegenübergestellt. Aus dem Ministerium heißt es dazu: „Das Land kann nur solche Projekte fördern, die in dieser Analyse mindestens den Wert von 1,0 erreichen.“ Das ist die Marke, in dem der volkswirtschaftliche Nutzen die Kosten so weit übersteigt, dass die Investitionen als lohnenswert erachtet werden. Mit einem Wert von minus 0,42 liegt die Strecke Lüneburg-Soltau nicht nur darunter, sondern im Negativ-Bereich.

Ein Grund sind offenbar die hohen Ausbaukosten von rund 60 Millionen Euro. Zum Vergleich: Für die drei Top-Strecken der Nutzen-Kosten-Analyse sind insgesamt nur 28,33 Millionen Euro veranschlagt. Neben Einbeck-MitteEinbeck-Salzderhelden (Kosten-Nutzen: 1,37), Salzgitter-LebenstedtSalzgitter-Fredenberg (1,66) sowie NeuenhausBad Bentheim (1,62), erachtet das Ministerium auch noch die Reaktivierung der Strecke Buchholz-Maschen (1,51) für acht Millionen Euro als „sinnvoll und förderwürdig“. Wirtschaftsminister Olaf Lies sagte: „Wir haben jetzt eine Basis, mit der wir gut weiter arbeiten können. Die nächsten Schritte sind, den Lenkungskreis um eine Entscheidung zu bitten und mit den Aufgabenträgern und den Kommunen vor Ort über Realisierung und Finanzierung zu sprechen.“ Das Land werde die Investitionskosten der Reaktivierung zu 75 Prozent übernehmen.

Groß ist die Enttäuschung bei Bispingens Bürgermeisterin Sabine Schlüter. Für jeweils sechs Wochen hatten die Bispinger in den vergangenen beiden Sommern den Museumszug Heide-Express gechartert, um die Teilstrecke zwischen Bispingen und Lüneburg mit neuem Leben zu erfüllen. Mit Erfolg. Zuletzt nutzten an nur sechs Fahrtagen rund 700 Fahrgäste die Verbindung. Schlüter: „Wir haben echt Einnahmen generiert.“

Zu den jetzt vorgelegten Kennzahlen der Kosten-Nutzen-Analyse sagt Schlüter: „Da ist der Güterverkehr rausgerechnet worden. Dafür habe ich Verständnis.“ Gleichzeitig wähnt sie die Erfolge aus dem Versuch mit dem Heide-Express als unterbewertet. Um das genauer beurteilen zu können, wolle sie die nächste Sitzung des Lenkungsausschusses abwarten und die genaueren Zahlen sehen. Das Fachgremium trifft sich am kommenden Mittwoch, um die abschließende Entscheidung zu beraten. Schlüter gibt sich kämpferisch: „Wissen Sie was Erfolg ist? Einmal mehr aufstehen, als man niedergeschlagen wird.“