Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Forellenfilets essen, Glücklich sein, eine Weltreise machen - die Wünsche sind sehr unterschiedlich. Foto: t&w
Forellenfilets essen, Glücklich sein, eine Weltreise machen - die Wünsche sind sehr unterschiedlich. Foto: t&w

„Before I die…“ : Weltweites Lebenswunsch-Projekt auch am Kreideberg

chm Lüneburg. In Aachen, Berlin, Osnabrück und vielen anderen Städten hängen sie schon nun gibt es auch in Lüneburg eine solche Wand. Wer an der zwei mal vier Meter großen Wunschtafel vorbeikommt, kann mit Kreide den Satzanfang „Bevor ich sterbe, möchte ich…“ vervollständigen. Dabei geht es um Lebenswünsche: „Heiraten“, „reich werden“ und „genießen“ sind häufige Antworten, haben die jungen Künstler des Jugendcafés Kreideberg festgestellt. Die Kinder und Jugendlichen hatten die Wand mit Helfern an der Pauluskirche installiert, vom elfjährigen Lukas stammt die Idee, das Projekt nach Lüneburg zu holen.

Die erste Wand dieser Art, auf der Passanten ihre Wünsche notieren durften, entstand in New Orleans. 2011 hatte die US-amerikanische Künstlerin Candy Chang einen geliebten Menschen verloren. Die Konfrontation mit dem Tod ließ sie den Sinn des Lebens hinterfragen. Sie bekam die Erlaubnis, an einem leer stehenden Haus die Phrase „Before I die…“ mit einer Lücke dahinter anzuschreiben. Jeder konnte den Satz beenden. Bereits am nächsten Tag, heißt es auf der Internetseite zur Aktion, war die Wand vollgeschrieben.
Was als Experiment begann, ist mittlerweile um die Welt gezogen: Laut der Internetseite hängen derzeit mehr als 550 Wände in über 35 Sprachen und mehr als 70 Ländern. Auch deutsche Medien berichteten von dem Projekt, so hat Lukas davon erfahren. Im vergangenen Mai nahm er an einer Kinderkonferenz am Kreideberg teil. Mit Vertretern Lüneburger Schulen, Institutionen und Lokalpolitikern diskutierten knapp 50 Kinder über ihren Stadtteil.

„Uns störten vor allem die vielen Grafitti hier“, erzählt Lukas. Schon im Vorfeld sei der Wunsch entstanden, die Gegend rund um das Schulzentrum zu verschönern. Hanna Steudtner, die als Sozialpädagogin im Jugendcafé arbeitet, meint: „Mit der Wand wollten wir den Schmierereien etwas Positives entgegensetzen.“ Der Vorschlag zur Wunschtafel stieß auf Begeisterung. Mithilfe des Stadtteilhauses Kredo und dem Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) bauten und bemalten mehrere Kinder und Jugendliche die Tafel. Das notwendige Geld steuerte die Stadt bei. Nach gut einer Woche konnte die fertige Tafel Ende Januar an der Pauluskirche aufgehängt werden.

„Das Projekt wird sehr gut angenommen“, hat Steudtner festgestellt. Täglich kämen Menschen, um mit Kreide einen Wunsch anzuschreiben. Auch ungewöhnliche Antworten gab es schon. Die neunjährige Lily wundert sich, dass viele Leute „essen“ angeschrieben hätten. Oft habe auch „Weltherrschaft“ drangestanden, hat Tom (12) gesehen. Sogar „Bevor ich sterbe, möchte ich Bob Marley treffen“ habe jemand notiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser Wunsch erfüllt, ist gering, der Musiker ist seit mehr als 20 Jahren tot.

Daneben habe es viele berührende Antworten gegeben. Hendrik (10) und Latia (9) glauben, dass das Projekt zum Nachdenken anrege. Viele Leute wünschen sich einen besten Freund. Auch der Weltfrieden werde oft genannt, sagt Lukas.

Regelmäßig wird die vollgeschriebene Tafel fotografiert, „damit die Wünsche der Leute nicht untergehen“, begründet Hanna Steudtner. Mehrmals schon seien die Antworten abgewischt worden, um Platz für neue zu schaffen. Mindestens zwei bis drei Monate, vielleicht auch länger soll das Projekt an der Pauluskirche bleiben. Was danach mit der Tafel passiert, ist noch offen. Die Kinder könnten sich vorstellen, sie an einen anderen Stadtteil weiterzugeben. Und Lukas möchte ein Foto der Kreideberg-Wand an den „Before I die…“-Blog im Internet schicken, damit jeder sehen kann, was die Lüneburger unbedingt noch machen wollen.