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Termin im Landratsbüro: Michael Hansen (l.) und Melanie Schmidt übergeben Manfred Nahrstedt die Unterschriftenliste. Foto: be
Termin im Landratsbüro: Michael Hansen (l.) und Melanie Schmidt übergeben Manfred Nahrstedt die Unterschriftenliste. Foto: be

Wer darf auf das Gymnasium Oedeme?

pet Lüneburg. Eine Einigung im Streit um die Umverteilung der Schülerströme zu den Gymnasien auf Lüneburger Stadtgebiet, insbesondere eine Beschränkung des Zugangs zum seit Jahren überlaufenen Gymnasium Oedeme, ist nicht in Sicht. Jetzt haben sich die Eltern der Kindergärten Moorfeld und Dorfstraße in Deutsch Evern zu Wort gemeldet. Und auch die Schülervertretung des Gymnasiums Oedeme war aktiv, hat eine Befragung initiiert, an der 1162 der insgesamt etwa 1500 Schüler teilgenommen haben (siehe rechts).

Was die Eltern aus Deutsch Evern auf die Palme bringt: Nach den Plänen des Kreises sollen Grundschüler aus Deutsch Evern ab dem Schuljahr 2019/2020 nicht mehr am Gymnasium Oedeme angenommen werden, wenn dort eine Sechs- beziehungsweise Siebenzügigkeit, die zur Obergrenze werden soll, überschritten wird. Stattdessen sollen sie, was auch jetzt schon viele Kinder aus der Gemeinde tun, das Johanneum oder die Wilhelm-Raabe-Schule besuchen. Die Mädchen und Jungen, die jetzt ihr letztes Kindergartenjahr absolvieren, wären die ersten, die davon betroffen wären.

Melanie Schmidt, Gesamtelternvertreterin der beiden Kitas in Deutsch Evern, und Michael Hansen, Vater eines Kindergartenkinds und stellvertretender Vorsitzender des Schulelternrats der Grundschule Deutsch Evern, statteten Landrat Manfred Nahrstedt gestern einen Besuch ab. Dabei hatten sie die Forderungen der Eltern und 75 Unterschriften gegen die Pläne des Landkreises. Die Eltern erklären, dass sie durchaus „den Bedarf an einer Umverteilung der Schülerströme im Kreis“ sehen, so heißt es in ihrem Brief. Sie lehnen aber strikt „eine pauschale Benachteiligung der Kinder aus Deutsch Evern ab“.

Weiter heißt es: „Einen grundsätzlichen Ausschluss einer Kreisgemeinde von einer Kreisschule kann und darf es unseres Erachtens nicht geben.“ Und: „Wir fordern einen offenen Dialog zwischen allen Beteiligten, zum Beispiel Elternvertreter und Schulleitungen, um eine dauerhafte, effektive und einvernehmliche Lösung zu finden.“

Manfred Nahrstedt hofft, schon im Vorfeld der Anmeldung noch mehr Eltern als bisher davon überzeugen zu können, dass der Besuch des Johanneums oder der Wilhelm-Raabe-Schule ebenso attraktiv sein kann wie der des Gymnasiums Oedeme. Nur wenn das nicht funktioniert, würden die Maßnahmen für verschiedene Lüneburger Straßenzüge ab dem Schuljahr 2015/16 und eben Deutsch Evern greifen. „Und das wollen wir den Eltern frühzeitig sagen.“

Anders sieht das Kindergarten-Vater Michael Hansen, der forderte, die Gemeinde Deutsch Evern aus der Vorlage, über die voraussichtlich am Montag, 23. März, im Kreistag abgestimmt werden soll, herauszunehmen. „Wenn man nicht weiß, ob das Ereignis eintrifft, dann muss jetzt auch nicht darüber entschieden werden.“

Vor allem auch die schlechte Busverbindung zwischen Deutsch Evern und den Gymnasien Johanneum und Wilhelm-Raabe-Schule kritisierte Melanie Schmidt. Eine Wartezeit von 45 Minuten zwischen Busankunft und Schulbeginn im Falle der Wilhelm-Raabe-Schule sei nicht hinnehmbar. Landrat Nahrstedt verwies da­rauf, dass die Einrichtung einer direkten Busverbindung aus Deutsch Evern zum Johanneum und zur Wilhelm-Raabe-Schule „spätestens zum Schuljahr 2019/20“ Bestandteil der Kreistagsvorlage sei. Und er kündigte an, über eine bessere Busverbindung auch schon jetzt nachzudenken.

Schüler gegen Landkreispläne

Auch die Schülervertretung des Gymnasiums Oedeme lehnt die Pläne des Landkreises bezüglich der Beschränkung des Zugangs zum Gymnasium Oedeme ab. Sie stößt sich aber mehr an den Plänen des Landkreises für das kommende Schuljahr 2015/16, die den Ausschluss von Kindern aus bestimmten Lüneburger Straßenzügen und Stadtteilen vorsehen. Die Schülervertreter fragten ihre Mitschüler nach ihrer Meinung. 41 Prozent der Befragten sprachen sich für die Gleichberechtigung aller sich anmeldenden Schüler aus – die Anmeldezahlen sollen dabei durch Lose reguliert werden. Auf Platz zwei kam der Vorschlag: Alle Kinder aus den Samtgemeinden und aus dem Stadtteil Oedeme (nicht zum Beispiel Rettmer oder Häcklingen) in einen Lostopf werfen, unter ihnen werden die Plätze verlost. Nur 6 Prozent sprachen sich für den Vorschlag der Landkreisverwaltung aus, 16 Prozent der Schüler enthielten sich.

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One comment

  1. Was Landrat und Verwaltung den Eltern lieber mal offen und „frühzeitig sagen“ sollten, ist, dass die geplanten „Maßnahmen für verschiedene Lüneburger Straßenzüge ab dem Schuljahr 2015/16 und eben Deutsch Evern“, wie sie am 23. März im Kreistag verabschiedet werden sollen, gar nicht mit dem Niedersächsischen Schulgesetz vereinbar sind und dem Grundsatz der Gleichbehandlung innerhalb eines Schulbezirks widersprechen. Wird die Kapazität einer Schule überschritten, ist derzeit nur ein Losverfahren möglich – ohne vorherige Entscheidung, wer in den Los-Topf kommt. Wir Elternvertreter, das teile ich hier auch im Sinne des Stadtelternrates mit, legen Wert auf eine gesetzeskonforme Lösung.

    Marco Sievers, Schulelternratsvorsitzender der Grundschule Häcklingen