Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Das beringte Weibchen (l.) kommt seit 2006 nach Erbstorf und hatte über die Jahre einen festen Partner. Nun ist ein neuer, unberingter  Mann im Horst und noch ist nicht klar, was mit dem alten passiert ist. Foto: heinz georg düllberg
Das beringte Weibchen (l.) kommt seit 2006 nach Erbstorf und hatte über die Jahre einen festen Partner. Nun ist ein neuer, unberingter Mann im Horst und noch ist nicht klar, was mit dem alten passiert ist. Foto: heinz georg düllberg

Eine neue Liebe im Erbstorfer Horst

off Erbstorf. Seit 2006 waren sie ein Paar: die Storchendame „DEW 1X706“ und ihr Partner „DEW 1X122“. Zwei Jahre, nachdem das Nest auf dem Mast in Erbstorf installiert wurde, brüteten die beiden beringten Vögel zum ersten Mal in dem Adendorfer Ortsteil, „danach haben sie die Nisthilfe jedes Jahr gemeinsam besetzt“, sagt Vogelkundler Heinz Georg Düllberg. Bis jetzt. Denn am Mittwoch suchte Düllberg vergeblich nach einem Ring am Bein des Männchens. DEW 1X706 hat das Nest in diesem Jahr mit einem anderen Storch bezogen. Wo DEW 1X122 geblieben ist? „Schwer zu sagen.“ Doch sollte er in den kommenden Tagen oder Wochen doch noch zurückkommen, „sind Kämpfe nicht unwahrscheinlich“, sagt Düllberg.

Störche sind im Gegensatz zu Gänsen nicht treu, „zumindest nicht ihrem Partner“, sagt Düllberg. „Störche sind ihrem Nest treu.“ Warum DEW1X122 bisher noch nicht zurückgekommen ist, kann auch der Vogelexperte vom Naturschutzbund (Nabu) nur vermuten. „Bestenfalls ist er einfach nur spät dran, schlimmstenfalls lebt er nicht mehr.“ Wenn er allerdings zurückkommt, könnte es durchaus zu Kämpfen um Nest und Weibchen kommen. „Da sind Störche nicht zimperlich“, sagt Heinz Georg Düllberg, „und zwar die Weibchen ebenso wenig wie die Männchen.“

Dass der Storch mit der Ringnummer „DEW1X122“ noch zurückkommt, ist durchaus möglich. „Das Weibchen und ihr neuer Partner sind recht früh dran“, sagt Düllberg. Im linkselbischen Teil des Landkreises Lüneburg hat bisher nur das Artlenburger Paar sein Nest früher bezogen. „Und bei denen gehen wir davon aus, dass sie im Winter gar nicht richtig wegfliegen“, so Düllberg. Am Mittwoch hat er das Storchenpaar in Erbstorf zum ersten Mal gesichtet. Seitdem steht für ihn fest: Er wird das Nest im Auge behalten. Immerhin will er wissen, was aus „DEW1X122“ geworden ist.

Sollte es tatsächlich zu Kämpfen kommen, kann es dramatisch werden. Wie dramatisch und blutig, hat in Bardowick im vergangenen Jahr Stefan Meyer in beeindruckenden Fotos festgehalten. Damals war nicht festzustellen, wer zu wem gehörte und wer am Ende Nest und Partner bekam. In Erbstorf könnte Düllberg „DEW1X122“ an seinem Ring schnell erkennen und am Ende feststellen, mit wem „DEW 1X706“ den Sommer verbringt: der alten oder der neuen Liebe.