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Alfred Ritters hat angebaut, mehr Kühe hält er deshalb nicht. Die zehn neuen Boxen dienen lediglich als Erholungs- und Krankenstation für seine Kühe. Durch Stroh soll es für die Tiere besonders kuschelig werden, doch diese Entscheidung könnte für den Landwirt bald zum Problem werden. Foto: t&w
Alfred Ritters hat angebaut, mehr Kühe hält er deshalb nicht. Die zehn neuen Boxen dienen lediglich als Erholungs- und Krankenstation für seine Kühe. Durch Stroh soll es für die Tiere besonders kuschelig werden, doch diese Entscheidung könnte für den Landwirt bald zum Problem werden. Foto: t&w

Viel Lärm um Mist: Neuer Verordnugsentwurf für Milchbauern

off Barförde. Er wollte seinen Kühen etwas Gutes tun. Doch diese Entscheidung könnte Alfred Ritters bald teuer zu stehen kommen. Knapp 100000 Euro hat der Landwirt aus Barförde im vergangenen Jahr in einen „Wellness-Stall“ investiert, zehn zusätzliche Boxen à 30 Quadratmeter angebaut, „in denen sich die Tiere, denen es mal nicht so gut geht, in Ruhe erholen können“, sagt er. Eingestreut sind die Boxen im Gegensatz zum Hauptstall mit einer dicken Schicht Stroh. Für die Kühe eine Wohltat. Für Milchbauer Alfred Ritters möglicherweise bald ein Problem.

Mitte Dezember hat das Bundeslandwirtschaftsministerium den Entwurf einer neuen Düngeverordnung vorgelegt. Und darin steht unter Paragraf 12 Absatz 4, dass ab 1. Januar 2018 nachgewiesen werden muss, „dass mindestens die in einem Zeitraum von vier Monaten anfallenden festen Wirtschaftsdünger Festmist, Kompost oder feste Gärrückstände sicher gelagert werden“. Was genau sichere Lagerung bedeutet, erklärt der Verordnungsentwurf bisher nicht. Doch Landwirte wie Ritters fürchten: „Wenn das so kommt, müssen wir eine extra Mistplatte mit Grube bauen.“ Geschätzte Kosten für einen Betrieb mit 60 bis 70 Kühen: mindestens 60000 Euro.

Erschwerend hinzu kommt: Für Festmist, feste Gärrückstände und Komposte herrscht laut Verordnungsentwurf vom 15. November bis zum 31. Januar künftig ein generelles Ausbringungsverbot. Bisher dürfen Landwirte ihren Mist bei entsprechender Witterung das ganze Jahr über ausbringen, ihn ohne feste Mistplatte maximal sechs Monate auf dem Feld lagern. Eine landwirtschaftliche Praxis, die überwiegend kleinere und Öko-Betriebe nutzen denn vor allem dort stehen Kühe noch auf Stroh. Doch mit den neuen Auflagen könnte die Haltung, die als besonders tiergerecht gilt, für die Betriebe zum Fluch werden. Denn mehrere zehntausend Euro für eine Mistplatte, „das hat keiner über“, sagt Ritters, „vor allem kein Milchviehbetrieb.“

Ritters Sorge: „Es werden noch mehr Milchbauern aufgeben.“ Eine Einschätzung, die auch Landberater Peter Müller teilt. „Große Betriebe können eine solche Investition vielleicht noch stemmen“, sagt er, „kleinere Milchviehbetriebe schaffen vermutlich eher die Kühe ab, als noch mehr Schulden zu machen.“ Erreicht würde damit das Gegenteil dessen, was immer gefordert wird. „Statt kleinere Familienbetriebe zu unterstützen, macht man ihnen das Leben schwer.“

Das Bundeslandwirtschaftsministerium will sich zu den Vorwürfen nicht äußern, Pressesprecher Christian Fronczak sagt nur so viel: „Der Entwurf befindet sich in der politischen Diskussion, derzeit werden die eingegangenen Stellungnahmen geprüft.“ Auskunftsfreudiger ist das Landwirtschaftsministerium in Hannover, denn auch dort ist man überzeugt: Die geplanten Ausbringungsbeschränkungen für Festmiste von Huf- und Klauentieren oder für Komposte sind deutlich überzogen. „Damit werden Betriebe, die ihre Tiere auf Stroh halten, Biobetriebe und Betriebe mit Weidehaltung unnötig belastet“, sagt Sprecher Manfred Böhling. Kurz gesagt: Es trifft die Falschen.

Ziel der neuen Düngeverordnung ist, die Belastungen von Grund- und Oberflächenwasser zu verringern. Doch um das zu erreichen, müsse man nicht den Festmist ins Visier nehmen, so Böhling. „Anders als in flüssigem Wirtschaftsdünger wie Gülle sind die Nährstoffgehalte in Festmist organisch gebunden und wirken sich positiv auf Humusaufbau, das Bodenleben und den Nährstoffhaushalt im Boden aus.“

Kurzum: Aus Umweltsicht sei Festmist im Gegensatz zu Gülle positiv zu bewerten. Ähnlich sieht das auch Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Lüneburg. Er hält die bisherige Regelung aus Umweltsicht ebenfalls für ausreichend. „Solange sich die Landwirte an die Regeln gehalten haben, gibt es keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt.“

Bleibt Alfred Ritters nur die Hoffnung, dass er um den Bau einer Mistplatte herumkommt. „Anderenfalls bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als das Geld dafür irgendwie aufzubringen.“ Doch ein Gefühl wird bleiben: „Dass mehr Tierwohl in Deutschland nicht belohnt, sondern schlechtestenfalls auch noch bestraft wird.“