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Klaus-Peter Götze wildert den Mäusebussard in der Nähe seiner Fundstelle wieder aus, damit er sich möglichst schnell wieder zurechtfindet. Foto: leh
Klaus-Peter Götze wildert den Mäusebussard in der Nähe seiner Fundstelle wieder aus, damit er sich möglichst schnell wieder zurechtfindet. Foto: leh

Der Tierretter von Dahlem +++ plus LZplay-Video

leh Marienau. Regungslos und mit weit aufgerissenen Augen klemmt der Vogel in den Armen seines Retters, behutsam streicht Klaus-Peter Götze über die hellen Federn des Mäusebussards. Ein paar Schritte geht Götze aufs freie Feld, dann öffnet er ohne große Worte die Arme. Der Bussard richtet sich auf, dann breitet er die Flügel aus und fliegt los.

Klaus-Peter Götze lächelt. Auch wenn der Mäusebussard nicht der erste Wildvogel ist, den er ausgewildert hat, glücklich macht ihn der Moment nach wie vor. Seit fast drei Jahren betreibt der 66-Jährige in Dahlem eine Außenstelle des Lüneburger Tierheims. Neben entlaufenen und ausgesetzten Haustieren kümmert er sich auch um die Rettung und Weiterleitung verletzter Wildtiere. „In dem Fall des Mäusebussards hatten mich die Finder alarmiert und mir von dem augenscheinlich verletzten Tier berichtet“, erzählt der pensionierte Tierfreund. „Insbesondere bei Greifvögeln werde ich selbstverständlich tätig, da es den Findern nicht zuzumuten wäre, ein solches Tier aufzubewahren“, erklärt er weiter.

Götze setzte sich ins Auto, fuhr zur beschriebenen Fundstelle und ließ sich den Notfall zeigen. „Der Vogel lag hilflos im Graben“, erzählt er, „da habe ich ihn eingepackt und zu Frigga Steinmann-Laage in die Greifvogel-Station nach Bispingen gebracht.“ Die untersuchte ihn. Für die Fachfrau kein ungewöhnlicher Fall. „Ich nehme an, dass der Bussard beim Jagen mit einem Auto zusammengestoßen ist und sich eine Gehirnerschütterung zugezogen hat“, sagt sie. Ihre Therapie: Dunkelheit, Ruhe und gutes Futter.

Schnell erholte sich der Vogel, sodass Klaus-Peter Götze ihn nach wenigen Tagen wieder abholen konnte. In einer dunklen Kiste ging es zurück nach Dahlem an den Ort, an dem er gefunden wurde. „Damit sich die Tiere schnell wieder zurecht finden, wildert man sie dort aus, wo ihr Revier ist“, erklärt Götze. In diesem Fall ein voller Erfolg, denn kaum hat er den Mäusebussard in die Freiheit entlassen, stößt ein zweiter dazu. „Das muss der Partner sein!“, freut sich Götze. Ein paar Runden drehen die Vögel gemeinsam, dann verschwinden sie hinter den Baumwipfeln. Einen Augenblick schaut Götze ihnen noch hinterher, dann setzt er sich ins Auto und fährt davon. Stets bereit für den nächsten Tier-Notfall.