Aktuell
Home | Lokales | Leuphana-Studie: Bereitschaft zu kriegerischen Konflikten nimmt ab
In einer Studie der Leuphana Universität Lüneburg wurden Menschen zu ihren Werten und Grundüberzeugungen befragt. Ergebnis: Weltweit seien immer weniger Menschen bereit, ihr Leben im Krieg zu riskieren. Foto: Symbolbild/t&w
In einer Studie der Leuphana Universität Lüneburg wurden Menschen zu ihren Werten und Grundüberzeugungen befragt. Ergebnis: Weltweit seien immer weniger Menschen bereit, ihr Leben im Krieg zu riskieren. Foto: Symbolbild/t&w

Leuphana-Studie: Bereitschaft zu kriegerischen Konflikten nimmt ab

lz Lüneburg. Weltweit sind immer weniger Menschen bereit, ihr Leben in einem Krieg zu riskieren auch wenn aktuelle Medienberichte ein anderes Bild suggerieren. Zu diesem Schluss kommt ein Forscher der Leuphana Universität Lüneburg zusammen mit Kollegen aus den USA und Schweden. Die Wissenschaftler analysierten dazu Umfrageergebnisse der Weltwertestudie (World Value Survey) in 48 Gesellschaften, die mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren. In 43 Ländern ist die Bereitschaft der Einwohner, in einen Krieg zu ziehen, während der letzten 30 Jahre deutlich gesunken. Lediglich in drei Ländern ist sie leicht gestiegen.

Seit 1981 werden für die Weltwertestudie Menschen rund um den Globus zu ihren Werten und Grundüberzeugungen befragt. Die Teilnehmer sollen unter anderem angeben, ob sie im Falle eines Krieges dazu bereit wären, für ihr Land zu kämpfen. Allein in den letzten 15 Jahren hat der Anteil der Probanden, die diese Frage mit „ja“ beantworten, um 10 Prozentpunkte von durchschnittlich 75 auf 65 Prozent abgenommen.

Auffällig sind allerdings die enormen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern: In Japan zeigten sich bei der letzten Befragung knapp 28 Prozent der Befragten kampfeswillig; in Bangladesh und Qatar antworteten dagegen fast alle Teilnehmer mit „ja“. Professor Dr. Christian Welzel, Politikwissenschaftler an der Leuphana Universität Lüneburg, hat nach Gründen für diese Diskrepanz gesucht. Die demokratische Tradition eines Landes spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle, sagt er. „Stattdessen scheint der Kampfeswillen vor allem davon abzuhängen, inwieweit die jeweilige Gesellschaft emanzipatorische Werte vertritt wie Toleranz gegenüber Homosexualität, die Gleichstellung der Frau, die Garantie persönlicher Freiheit.“
Je liberaler also die Gesellschaft, desto weniger kriegsbereit sind ihre Mitglieder. Für Welzel ist das nicht weiter erstaunlich: „Emanzipatorische Werte erweitern unsere Möglichkeiten, uns frei zu entfalten“, sagt er. „Mit dieser Entwicklung geht zwangsläufig ein Perspektivwechsel einher: weg von den Gefahren, die uns im Daseinskampf drohen; hin zu den Chancen, die uns das Leben bietet.“ Im Gegenzug gewinnt das Leben an Wert; es in einem Krieg aufs Spiel zu setzen, wird zunehmend intolerabel.

Trotz enormer Unterschiede zwischen den Gesellschaften und autoritärer Rückfälle: Im Schnitt ist die Welt in den letzten dreißig Jahren ein liberalerer Ort geworden. Parallel dazu hat die Zahl kriegerischer Konflikte im selben Zeitraum abgenommen. „Das ist ein eindeutiger Trend, auch wenn uns die aktuelle Medienberichterstattung ein anderes Bild suggerieren mag“, betont Welzel. Der Aufstieg emanzipatorischer Werte sei eine pazifistische Kraft, so Welzels positives Fazit. „Diese Kraft erschwert es Regierungen vor allem, wenn sie demokratisch gewählt sind mehr und mehr, öffentlichen Rückhalt für kriegerische Auseinandersetzungen zu finden.“

2 Kommentare

  1. welch eine studie. die bereitschaft krieg zu führen sinkt überall dort, wo es nachwuchsmangel gibt. in den ländern , wo es einen nachwuchsüberschuss gibt, steigt die kriegsbereitschaft. arbeitslosigkeit und fehlende zukunftsperspektiven sind die auslöser. schön im nahen osten und in afrika zu sehen. ex-oberstleutnant schramm hat es genau beschrieben.

  2. Helm Stöcking

    Nie war die „Bereitschaft zu kriegerischen Auseinandersetzungen“ in Europa geringer als Ende August 1939. Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Auf fünf Kontinenten zerfleischten sich kampfesunlustige Menschen mit „emanzipatorischen Werten“. Sechs Jahre später waren weit über 100 Millionen von ihnen gewaltsam zu Tode gekommen. Seit Mitte 1945 sind weltweit etwa 700 Millionen Menschen bei kriegerischen Auseinandersetzungen im Namen emanzipatorischer Werte getötet worden.

    Wir gratulieren Professor Dr. Christian Welzel, Politikwissenschaftler an der Leuphana Universität Lüneburg, zu seinem Marketingknüller. Seine nächste Studie sollte nachweisen, dass Hornbrillen tragende Schokoladenliebhaber in Ulaanbaatar seltener zur Maschinenpistole greifen, wenn sie bei Vollmond auf der Veranda ihres Sommerhauses einen Nagel ins wackelnde Tischbein schlagen wollen, als unterernährte Fahrradbesitzer mit Hochschulbildung am Rande von Juba im Südsudan.