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Bewohner, Angehörige und Betreuer der Demenz-WG Lüneburg haben sich zu einer kleinen Geburtstagsfeier zusammengefunden. Foto: lig
Bewohner, Angehörige und Betreuer der Demenz-WG Lüneburg haben sich zu einer kleinen Geburtstagsfeier zusammengefunden. Foto: lig

Das Beste draus machen: Lüneburgs erste Demenz-WG

lig Lüneburg. Seit Oktober existiert in Lüneburg eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke. In den von der Lüwobau gemieteten Räumen der ehemaligen Krankenpflegeschule haben fünf Frauen und drei Männer im Alter von 70 bis 98 Jahren ihr neues Zuhause gefunden. Untergebracht sind sie in Einzelzimmern, die mit eigenem Mobiliar und Erinnerungsstücken individuell gestaltet sind. Die pflegerische Betreuung hat die Johanniter-Unfall-Hilfe übernommen. Die erste Bilanz der Angehörigen fällt positiv aus.

WG-Bewohner Friedrich Rhatje hat gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert. Im gemütlichen Gemeinschaftsraum gab es bei Kaffee und Kuchen eine kleine Feier mit den anderen Bewohnern, Angehörigen und Pflegern. Der Jubilar erkrankte bereits vor Jahren an Parkinson und später an Demenz. Für seine 78-jährige Ehefrau wurde die Pflege schließlich zu schwer. Auf Empfehlung der ehrenamtlichen Demenzbegleiterin Sina Traube fand sie für ihren Ehemann einen Platz in der WG. Nun besucht sie ihn fast täglich und freut sich, dass ihr Friedrich gut untergebracht ist. „Auch mit der Pflege klappt es bestens“, stellt sie zufrieden fest. Trotz allem ihren Lebensabend, so sagt sie, habe sie sich doch anders vorgestellt.

Das dürfte auch für die anderen Angehörigen gelten, doch sie haben sich das Schicksal schließlich nicht ausgesucht. Carola Kolbeck ist Sprecherin der Angehörigen. Für sie sei es wichtig, das Leben ihrer in der WG untergebrachten Mutter mitgestalten und sich mit einbringen zu können. Von Vorteil sei es auch, dass es nicht nur Pflegepersonal gäbe, sondern eigens auf Demenz geschultes Beschäftigungspersonal, das jeden Bewohner individuell betreut. Das schließt ein, mit den Erkrankten gemeinsame Spiele zu machen, diesen soweit möglich kleine Küchenarbeiten zu übertragen oder mit ihnen zu singen. Fast alle machen gern beim Sprichwörterraten mit. „Darin sind sie richtig gut“, loben die Betreuer. Um die finanziellen Angelegenheiten der Bewohner kümmern sich die Angehörigen oder sofern es keine mehr gibt ein vom Amtsgericht eingesetzter Betreuer.

Diejenigen aber, die in der ersten Demenz-WG Lüneburgs untergebracht sind, haben es gut getroffen, sind sich die Angehörigen einig, und meinen nicht die fachliche Betreuung. Denn ihre Liebsten könnten in dem Umfeld das noch möglich ist selbstbestimmt und mit Unterstützung der Angehörigen ihr Leben gestalten.