Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Lob und Tadel fürs neue Schulgesetz
Schüler der IGS Lüneburg entwickeln und programmieren im Unterricht auch Roboter (Archivbild). Ähnliche Projekte gibt es auch an anderen Schulen. Jetzt fürchten Kritiker, dass die Schulvielfalt verloren geht, Gesamtschulen durch das neue Schulgesetz bevorzugt werden. Darüber wollen die Lüneburger Landtagsabgeordneten jetzt mit den Eltern diskutieren. Foto: A./t&w
Schüler der IGS Lüneburg entwickeln und programmieren im Unterricht auch Roboter (Archivbild). Ähnliche Projekte gibt es auch an anderen Schulen. Jetzt fürchten Kritiker, dass die Schulvielfalt verloren geht, Gesamtschulen durch das neue Schulgesetz bevorzugt werden. Darüber wollen die Lüneburger Landtagsabgeordneten jetzt mit den Eltern diskutieren. Foto: A./t&w

Lob und Tadel fürs neue Schulgesetz

ahe Lüneburg. Im Landtag in Hannover laufen derzeit die Anhörungen zum neuen Schulgesetz. Während es für die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren viel Lob gibt, muss Rot-Grün auch eine Menge Kritik einstecken. In Lüneburg sind es in erster Linie Elternvertreter der Gymnasien, die kaum ein gutes Haar an den Neuerungen lassen (LZ berichtete). Die beiden Lüneburger Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers (SPD) und Miriam Staudte (Grüne) dagegen sind nach wie vor von der Richtigkeit der Änderungen überzeugt und wollen einen Schritt auf die Kritiker zugehen: Sie laden ein zu einer Info-Veranstaltung mit dem Titel „Ein neues Schulgesetz für Niedersachsen“ am Dienstag, 24. März, ab 19.30 Uhr im Restaurant „Lims“ in Erbstorf.

Die beiden Politikerinnen hatten die Elternvertreter kürzlich zu einem Gespräch nach Hannover eingeladen. Während Ulf Gustafsen als Sprecher des Arbeitskreises der Schulelternräte der Gymnasien im Anschluss bemängelte „Wir fühlen uns nicht verstanden. Auf unsere Kritikpunkte sind die gar nicht eingegangen“, hatten die Abgeordneten einen anderen Eindruck. Miriam Staudte sagt: „Die vorgetragene Kritik der Eltern beleuchtet ja nur einen Teil des Schulgesetzes. Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren zum Beispiel ist doch die zentrale Stärkung der Gymnasien, deshalb sind wir ein wenig erstaunt über die Reaktionen.“

Die angebliche Bevorzugung der Gesamtschulen könne sie nicht erkennen. „Wir wollen eine Gleichberechtigung aller Schulformen, die haben wir mit dem neuen Schulgesetz.“ Andrea Schröder-Ehlers ergänzt: „Dass Gesamtschulen nach dem neuen Schulgesetz Gymnasien ersetzen können, trifft doch gerade in Lüneburg gar nicht zu. Hier werden die Gymnasien stark angewählt, da wird niemand auf die Idee kommen, ein Gymnasium zu schließen. Die Regelung soll strukturschwache Kommunen mit wenigen Schülern von einer Pflicht entbinden: Wenn Schulträger und Eltern das wollen, kann künftig darauf verzichtet werden, zusätzlich zur Gesamtschule noch weitere Schulen des gegliederten Schulsystems vorhalten zu müssen.“

Die beiden Politikerinnen nennen auch die Verbesserungen, die von den Eltern nicht vorgebracht wurden, Miriam Staudte: „Bei der Umsetzung der Inklusion haben wir den Zeitdruck rausgenommen, bestehende Angebote können aufrechterhalten werden wie zum Beispiel die Sprachförderklasse an der Heiligengeistschule.“ Andrea Schröder-Ehlers verweist auf die bessere Finanzierung für Ganztagsschulen: „In Zukunft gibt es für sie mehr Geld, sie bekommen 75 Prozent der Ausstattung für den Nachmittag mit den notwendigen Lehrerstunden statt der bisherigen Minimalausstattung von 25 Prozent.“

Und auch zu weiteren Kritikpunkten beziehen die Politikerinnen Stellung:
Zur Kritik am Wegfall der Schullaufbahnempfehlung: „Es gibt künftig zwei Beratungsgespräche zwischen den Lehrern der Grundschule und den Eltern. Da ist der Austausch viel intensiver und individueller als bei einem Zettel, auf dem steht Du bist Gymnasium“, erklärt Andrea Schröder-Ehlers. Miriam Staudte ergänzt: „Im ­Übrigen tauchte die Gesamtschule in den Empfehlungen bisher gar nicht auf, war also nicht gleichberechtigt.“

Zur Kritik am Verzicht auf Noten in den dritten und vierten Klassen: „Die Grundschulen bekommen die Möglichkeit, individuelle Lernentwicklungsnachweise für jeden Schüler zu erstellen. Das ist also kein Qualitätsverlust“, findet Staudte.

Zur Kritik, dass die Abschaffung des Sitzenbleibens in den Klassenstufen 5 bis 10 das Leistungsniveau senkt: „Auch an Gymnasien muss es eine Fördermöglichkeit bei Phasen der Schwäche geben. Wir wollen dadurch die individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers stärken“, sagt Andrea Schröder-Ehlers.

Bei der Info-Veranstaltung in Erbstorf werden neben Schröder-Ehlers und Staudte, die die Moderation übernehmen werden, der frühere Schulleiter und aktuelle Vorsitzende des Kultusausschusses des Landtages, Heiner Scholing (Grüne), sowie Franz-Josef Kamp (SPD), Fachdezernent bei der Landesschulbehörde und Franktionsvorsitzender im Kreistag, auf dem Podium sitzen.