Mittwoch , 28. September 2016
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VCD-Vorsitzender Leo Demuth an der Schnittstelle zwischen Bus- und Bahnverkehr. Er fordert bessere Anschlüsse und die Einführung eines Informationssystems: Die Metronom-Leitstelle soll die Busfahrer über Verspätungen informieren, die die Nachricht dann an die Fahrgäste weitergeben. Foto: be
VCD-Vorsitzender Leo Demuth an der Schnittstelle zwischen Bus- und Bahnverkehr. Er fordert bessere Anschlüsse und die Einführung eines Informationssystems: Die Metronom-Leitstelle soll die Busfahrer über Verspätungen informieren, die die Nachricht dann an die Fahrgäste weitergeben. Foto: be

Wunschliste für den Nahverkehr

rast Lüneburg. Der Landkreis Lüneburg will ein inte­griertes, zukunftsfähiges Nahverkehrskonzept erarbeiten, alle fünf Jahre stellt er als Aufgabenträger für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einen solchen Plan auf. Rechtzeitig auf den Zug aufgesprungen ist der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Regionalverband Elbe-Heide, der vor einem ersten Treffen am morgigen Donnerstag dem Kreis eine Wunschliste für Verbesserungen des ÖPNV in Hansestadt und Landkreis präsentiert. Denn hier liegt laut dem VCD-Vorsitzenden Leo Demuth einiges im Argen. Bei einem Treffen im „Palast der Winde“, wie Demuth den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) mit seinen „ungeschützten Haltestellen“ nennt, stellte der Vorsitzende der LZ Kritikpunkte und Wünsche vor.

„Bei einer Weiterentwicklung des Busverkehrs müssen die Angebote in den Abendstunden und am Sonntagvormittag ausgeweitet werden“, sagt Demuth. Zudem fordert sein Club verbesserte Anschlüsse der Buslinien untereinander mit Wartezeiten für die Kunden von maximal zehn Minuten: „Manche Linien fahren im 20-Minuten-Takt, andere im 30-Minuten-Takt da ist es zwangsläufig schwierig, günstige Anschlüsse zu bekommen. Und Ochtmissen wird sonnabends nur im Stunden-Takt bedient, ein Unding in der Stadt.“ Der VCD plädiert zudem für die Einrichtung einer Haltestelle am stark frequentierten Ilmenaucenter.

Außerdem soll das nur selten angefahrene Industriegebiet Hafen an den Nahverkehr angeschlossen werden: „Uns liegt eine Beschwerde eines Herrn aus Lübeck vor, der dort zwei Minuten zu Fuß vom Bahnhof lebt. Er hat seinen Arbeitsplatz bei einem Unternehmen im Lüneburger Industriegebiet Hafen. Für ihn gibt es keine Möglichkeit, seinen Arbeitsplatz in Lüneburg per Bahn und Bus zu erreichen. Er muss mit dem Pkw fahren. Mit Sicherheit gibt es viele ähnliche Fälle, denn immerhin ist ein Unternehmen von Harburg nach Lüneburg umgezogen.“

Einen Problembereich sieht der Verkehrsclub in Deutsch Evern, da wünscht er sich ab dem kommenden Fahrplanwechsel bei den Linien 5610 und 5620 wieder eine ganztägige Busverbindung von montags bis sonnabends über die Route Am Tiergarten-Tiergartenstraße, Demuth: „Die Busse fahren über den Petersberg, nicht aber über die Tiergartenstraße, wo die potenzielle Klientel lebt.“

Eine Optimierung mit Anschlussgarantie fordert der Verein beim Übergang von den Bussen auf die Züge am Bahnhof und einen besseren Service: „Ein Hinweissystem muss eingerichtet werden, damit die Leitstelle der Metronom Eisenbahngesellschaft Informationen über Verspätungen an die Busfahrer weitergeben kann, die ihre Fahrgäste dann über neue elektronische Hinweistafeln informiert.“

In Lüneburg selbst wünscht sich der VCD eine Erreichbarkeit der Innenstadt auf direktem Wege auch am Sonnabend: „Die Busse müssen wieder durch die Straßen Am Berge und An den Brodbänken fahren.“ Die Hansestadt hat diesen Weg aus Sicherheitsgründen gesperrt, da er gerade an Sonnabenden stark von Fußgängern frequentiert wird, das untermauerte Markus Moßmann, Fachbereichsleiter Verkehr bei der Hansestadt, gestern erneut gegenüber der LZ: „Eine Öffnung steht nicht zur Diskussion.“

Was die Busse selbst angeht, listet Leo Demuth folgenden Wunsch-Katalog auf: „Fahrgast­information in allen Bussen. Ausschluss von Uraltbussen und Einsatz von Rußfiltern, bei der Neuanschaffung sollten E-, Gas- und Hybridfahrzeuge bevorzugt werden.“ Zudem plädiert der VCD für einen KVG-Kundenservice direkt am ZOB, eventuell in Kiosk-Form. In Richtung KVG sagt Demuth: „Per Dienstanweisung sollten die Fahrerinnen und Fahrer verpflichtet werden, am Sand und am ZOB die Motoren auszustellen.“

Für die Hansestadt Lüneburg enthält der Wunsch-Katalog laut Markus Moßmann, zuständig für den Fachbereich Verkehr, viele gute Ideen: „Viele Themen davon haben wir auch auf unserer Agenda. Es muss der Bedarf im Einzelnen geprüft werden und es muss auch bezhalbar sein.“ Ein Infosystem beispielsweise sei auch Ziel der Stadt: „Das ist technisch aber noch nicht umsetzbar.“

Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer verweist darauf, dass die „inhaltlichen Vor­überlegungen“ für den „Nahverkehrsplan 2019“ mit der Auftaktveranstaltung morgen, Donnerstag, um 18 Uhr im Forum der Berufsbildenden Schulen I am Spillbrunnenweg beginnen: „Der Beteiligungsprozess zum ÖPNV ist angeschoben und auch Herr Demuth als ein Mitglied der Arbeitsgruppe eingebunden.“ Dietmar Opalka, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen, wird das Aufstellungs- und Fortschreibungsverfahren des Nahverkehrsplans 2014 bis 2019 vorstellen. Außerdem wird Prof. Dr. Carsten Gertz von der Technischen Universität Hamburg-Harburg einen Vortrag zum ÖPNV halten und über das Leitprojekt „Regionale Erreichbarkeitsanalysen“ bei der Metropolregion berichten.

3 Kommentare

  1. So gut die Idee auch scheinen mag – für einen einzelnen Herrn aus Lübeck lässt sich keine Buslinie schaffen.
    Bei allen Wünschen in Sachen Taktung und Zeitraumausweitung muss auch die Auslastung beachtet werden, so blöd es im Ergebnis manchmal sein mag.

  2. Großes Lob für das Anrufsammeltaxi !! Seit ich diese Einrichtung entdeckt habe, nutze ich sie regelmäßig. Hat bisher immer zuverlässig geklappt, und ich bin immer wieder erstaunt, wie nett die Mitarbeiterinnen selbst um Mitternacht am Telefon noch sind. Toll !!

  3. Jedes Wochenende habe ich so ein Hals bzgl. den Öffentlichen!!! Zitat: „Ochtmissen wird sonnabends nur im Stunden-Takt bedient“. Endlich wird Ochtmissen mal genannt, es ist eine Zumutung, wie die Verbindung zu den Abendstunden (beruflicher Pendler, der lange arbeitet) in der Woche ist. Am Wochenende ein flexibles weg kommen nicht möglich. Deshalb ist es auch kein Wunder, wenn der Ochtmisser sich ein Auto, Motorrad oder Fahrrad zulegt oder gar mit dem Taxi fährt. Ein riesiges Kopfschütteln! Mal eben am Sonntag zum brunchen morgens nach Hamburg ist nicht, der ASM-Fahrer sagt dann: „Der Zuganschluss wird nicht garantiert“ 1,5 Std. LG-Bahnhof stehen ist total unzumutbar… Ich bin schon bereits am Überlegen wieder dichter in die Stadt zu ziehen, geht gar nicht… Scheiß KVG!