Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Zur letzten Sonnenfinsternis wurde weit weniger Strom durch Solaranlagen eingespeist als jetzt. Mittlerweile sind es bundesweit 38 000 Megawatt. Wenn sich nun der Mond vor die Sonne schiebt, kann es zu hohen Schwankungen im Stromnetz kommen, schlimmsten Falls zum Blackout. Foto: A./t&w
Zur letzten Sonnenfinsternis wurde weit weniger Strom durch Solaranlagen eingespeist als jetzt. Mittlerweile sind es bundesweit 38 000 Megawatt. Wenn sich nun der Mond vor die Sonne schiebt, kann es zu hohen Schwankungen im Stromnetz kommen, schlimmsten Falls zum Blackout. Foto: A./t&w

Blackout-Gefahr durch Sonnenfinsternis +++ mit Schutzinfos für die Augen

mm/dpa Lüneburg. Immer wieder wurde von Gegnern der Energiewende die Gefahr eines Blackouts durch zu viel Ökostrom im Netz heraufbeschworen. Bisher ist nichts passiert. Nun aber scheint die Bedrohung akuter denn je. Die partielle Sonnenfinsternis am Freitagmorgen könnte extreme Schwankungen im Stromnetz erzeugen. Können diese nicht ausgeglichen werden, wäre die Stromversorgung lahmgelegt. Bei den Netzbetreibern herrscht deshalb höchste Alarmbereitschaft. Denn im Extremfall droht ein großflächiger Blackout.

Dann könnte auch das Lüneburger Netz schlapp machen. Im Gebiet des hiesigen Stromverteilers E.on Avacon wird reichlich Solarstrom eingespeist. Im letzten Jahr schafften knapp 2200 Photovoltaik-Anlagen eine Leistung von etwa 40 Megawatt. Noch viel höher aber liegt die Einspeisung deutschlandweit. Waren vor etwa zehn Jahren im gesamten Bundesgebiet erst 300 Megawatt installiert, sind es mittlerweile schon um die 38 000. Diese Menge könnte nun zu einem riesigen Problem werden.

Verursacht durch die Sonnenfinsternis. Wenn sich der Mond zwischen Erde und Sonne schiebt, könnte es im Netz knallen. Am Anfang der Sonnenfinsternis rechnen die Netzbetreiber mit einem Rückgang der Solar-Einspeisung um bis zu 12 000 Megawatt. Besonders brenzlig wird es wenn der Himmel wolkenlos ist nach Ende des kosmischen Spektakels. Dann könnten plötzlich wieder bis zu 20 000 Megawatt hinzukommen, das entspricht ungefähr der Leistung von 14 Atomkraftwerken. Von einer „Rekord-Einspeisung“ ist die Rede beim Netzbetreiber Tennet.

Ein Jahr lang habe sich das Unternehmen darauf vorbereitet. „Die Sonnenfinsternis sehen wir als große Herausforderung“, sagt Sprecherin Ulrike Hörchens. Denn ein Kollaps habe „Auswirkungen auf Netzstabilität und Versorgungssicherheit“. Soweit soll es nicht kommen. Deshalb wurde etwa das Personal an den Schaltstellen aufgestockt und die Zusammenarbeit mit europäischen Netzbetreibern verstärkt. Noch wichtiger ist wohl der Einkauf von zusätzlicher Regelenergie, um die horrenden Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Doch trotz aller Vorkehrungen, „ein Restrisiko bleibt“.

Das Netz könnte überlastet sein, auch dann wäre ein Blackout möglich. Die Betreiber könnten aber noch handeln. „Kraftwerke können heruntergefahren werden, wenn das nicht reicht, können als letzter Schritt große Verbraucher abgeschaltet werden, um eine großflächige Störung zu verhindern“, erklärt Ulrike Hörchens.

Sollte es aber dennoch zu einem Stromausfall kommen, würden auch bei der Stadt die Alarmglocken klingeln. Doch: „Eigentlich erwarten wir keine größeren Probleme, ein kurzfristiger Stromausfall würde aber einiges an Umorganisation und Verzögerungen bewirken“, sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck. Würden etwa Ampeln nicht mehr funktionieren, könnten gerade die neueren auf ein Notprogramm umschalten, andere aber erlischen. An Kreuzungen, „wo dann gar nichts mehr geht“, würde im Notfall die Polizei den Verkehr regeln. Es ist ein Szenario, das bei einem Blackout eintreten könnte. Weitaus schlimmer wären wohl Krankenhäuser oder auch Unternehmen betroffen.

Derweil hat auch der Lüneburger Netzverteiler E.on Avacon Vorsorge getroffen. „Wir sind in stetiger Abstimmung mit den vorgelagerten Übertragungsnetzbetreibern Tennet und 50 Hertz. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, sind in der Avacon-Netzleitstelle in Salzgitter und an sämtlichen Standorten die Mitarbeiter auf das Ereignis vorbereitet, um unter Umständen kurzfristig notwendige Maßnahmen ergreifen zu können“, schreibt Sprecherin Corinna Hinkel. Zudem wurden „alle für diesen Tag geplanten Baumaßnahmen ausgesetzt, um für den gewohnten Normalzustand im Netz zu sorgen und die Mitarbeiter für eventuelle Maßnahmen im Zuge der Sonnenfinsternis parat zu haben“.

Gegen 10.30 Uhr soll die maximale Verdunkelung von rund 70 Prozent im Avacon-Netzgebiet erreicht sein. Danach würde Sonnenschein vorausgesetzt die Erzeugungsleistung der Photovoltaik-Anlagen zügig steigen, gegen Mittag fast den Tagesspitzenwert erreichen.

Die Schwankungen, wie sie nun erstmals bei der Sonnenfinsternis erwartet werden, könnten in einigen Jahren schon zum Alltag der Netzbetreiber gehören. Für die Fachleute der Denkfabrik Agora Energiewende ist die Finsternis ein guter Testfall für das Jahr 2030, wenn rund die Hälfte des Stroms europaweit aus Wind, Sonne und Co. erzeugt werden soll. Berechnungen zeigten, „dass es 2030 immer wieder Situationen geben wird, in denen sich die Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien in einer Stunde um bis zu 14 000 Megawatt verändern wird“, sagt Direktor Patrick Graichen. Wenn das heute noch recht inflexible Stromsystem die Sonnenfinsternis meistere, „dann kommt das Stromsystem des Jahres 2030 mit vergleichbaren Situationen spielend zurecht.“

Schutz mit richtiger Brille

Die Sonnenfinsternis naht – doch wer sich jetzt noch eine der empfohlenen Schutzbrillen kaufen möchte, bekommt Probleme: Fast überall sind sie ausverkauft. Augenärzte warnen vor dem Blick gen Himmel ohne Schutzbrille: Denn das Auge stellt sich scharf auf die Sonne. Die Lichtstrahlen treffen direkt auf die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut und führen zu Verbrennungen. Das kann zum Verlust der Lesefähigkeit führen. Durch die Tatsache, dass die Sonne vorübergehend verdunkelt sei, stellten sich zudem Pupillen weit, die Sonne knalle, wenn der Mond weiter wandere, direkt aufs ungeschützte Auge. In Kindergärten und Schulen sollten die Erzieher und Lehrer darauf achten, dass die Kinder nicht in die Sonne schauen. Im Saarland beispielsweise gab es bereits ein entsprechendes Rundschreiben des Bildungsministeriums. Experten raten zum Tragen spezieller, nur im Handel erhältlichen Schutzbrillen. Im Internet kursieren zwar Anleitungen fürs Basteln von Schutzbrillen, doch die seien nicht zuverlässig: Denn die spezielle Folie, die für die Brille verwendet wird, muss mehrere Kriterien aufweisen, um überhaupt in Frage zu kommen: 1. muss sie CE-zertifiziert sein und 2. eine neutrale Dichte von 5,0 aufweisen. Eine Dichte von 3,5 ist höchstens für Kameras geeignet, für den Blick mit den Augen aber reicht sie nicht. Abgeraten wird auch von Hausmittelchen für die Sonnenfinsternis wie etwa dem Blick auf eine CD oder gar das Benutzen einer alten Brille.

2 Kommentare

  1. Karsten Hilsen

    Selten so einen ausgemacht dümmlichen Schwachfug gelesen!
    Durch die Sonnenfinsternis ist die Schwankung der Solarstromproduktion
    doch in keiner Weise größer als durch die ständig wechelnde Bewölkung.
    Warum hat noch niemand den bevorstehenden Weltuntergang durch Tage mit besonders stark
    wechselnder Bewölkung angekündigt?

    • Rieläxx Karsten, einmal ganz tief durch die Tüte atmen und du siehst das alles wieder völlig groovie. Doch denk dran: Rosarote Schutzbrille dabei tragen, unbedingt CE-zertifiziert und mit einer neutralen Dichte von 5,0 km/h pro Grad Oechsle im m3/mol.