Dienstag , 27. September 2016
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Die Variante (blau) des ehemaligen Bahn-Ingenieurs Breimeier verläuft parallel zur Amerikalinie (rot), nur deutlich weiter nördlich. Grafik: hm
Die Variante (blau) des ehemaligen Bahn-Ingenieurs Breimeier verläuft parallel zur Amerikalinie (rot), nur deutlich weiter nördlich. Grafik: hm

Neue Zahlen für alte Buchholzer Bahn

dth Lüneburg. Die wenigsten Menschen wollen eine weitere Eisenbahn-Trasse vor ihrer eigenen Haustür haben. Das gilt auch für die sogenannte Breimeier-Variante, die auf der alten Linienführung der Buchholzer Bahn und der Wendland-Bahn entlang führen soll und somit auch das Lüneburger Stadtgebiet beträfe. So ist zumindest die Vorstellung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), der die Strecke als eine weitere Alternative zur umstrittenen Y-Trasse in die Diskussion gebracht hat (LZ berichtete).

Der Ideengeber, Dr. Rudolf Breimeier, legte zu seinem Vorschlag jetzt neue Zahlen vor, die er bei einem VCD-Vortrag im Lüneburger „Freiraum“ vorstellte. Die rund 20 Zuhörer spiegelten bei der anschließenden Fragerunde die bisherigen Reaktionen auf den VCD-Vorschlag wider: von vereinzeltem Lob bis zu ehrlicher Empörung.

Bereits die Bahn-Vorschläge verschiedener Trassen-Varianten, um den steigenden Güterverkehr aus den Bremer Häfen und dem Hamburger Hafen zu bewältigen, haben in den vergangenen Monaten vielerorts Kommunen und Bürgerinitiativen in Aufruhr versetzt. Zunehmend gerät nun auch die VCD-Variante in den Fokus, die weitere Betroffenheiten auslöst von Buchholz über Jesteburg, Mechtersen, Vögelsen, Stadt Lüneburg sowie Wendisch Evern, Bavendorf, Dahlenburg, Hitzacker bis Wittenberge. Die Mechterser etwa wollten gestern Abend die nächste Bürgerinitiative aus der Taufe heben (Bericht folgt). islam 2

Von der Wiederbelebung der vor 140 Jahren als Ost-West-Magistrale zwischen Berlin und Bremerhaven geplanten Strecke, verspricht sich Bahn-Ingenieur Breimeier eine kürzere und kostengünstigere Verbindung auch für den Güterverkehr aus dem Raum Bremen gen Osten. Ab Wittenberge könne der Verkehr wiederum in Nord-Süd-Richtung weitergeleitet werden und so die parallele Hauptstrecke Hamburg-Hannover entlasten. „Die ist schon bis zum Stehkragen voll.“

Laut Breimeier sowie dem vom VCD als Gutachter engagierten ehemaligen Metronom-Geschäftsführer Dr. Carsten Hein sei die Breimeier-Trasse nicht nur kürzer, sondern teilweise auch günstiger als die von der DB Netz vorgeschlagenen Trassen oder zumindest konkurrenzfähig.

So gibt die Bahn etwa den Ausbau der Bestandsstrecke über Lüneburg bis Celle mit 2,5 Milliarden Euro an und die reduzierte Variante mit Ausbau bis Uelzen mit 1,7 Milliarden Euro. Die stark umstrittenen möglichen Neubaustrecken Ashausen-Unterlüß oder Ashausen-Suderburg, die beide den Lüneburger Westkreis durchschneiden würden, schlügen mit 2,0 beziehungsweise 1,4 Milliarden Euro zu Buche.

Zum Vergleich der Investitionskosten sagt Breimeier einschränkend: „Da die DB-Varianten zur Bewältigung des Hinterlandverkehrs der Bremischen Häfen nicht geeignet sind, muss für den Vergleich der Investitionen die VCD-Variante auf den Abschnitt Hamburg Wittenberge beschränkt bleiben.“ Für die VCD-Variante mit einer Westumfahrung Hamburg-Harburgs würden nach Carsten Heins Berechnungen 2,1 Milliarden Euro fällig, ohne Westumfahrung 1,5 Milliarden Euro und bei einer eingleisigen Ausführung von Jesteburg nach Wittenberge nur noch 1,1 Milliarden Euro.

Bahn-Ingenieur Dr. Rudolf Breimeier wirbt bei einer Veranstaltung des Verkehrsclubs Deutschland in Lüneburg für seine Alternative zur umstrittenen Y-Trasse, um den steigenden Güterverkehr aus den norddeutschen Häfen auf der Schiene zu bewältigen. Foto: dth
Bahn-Ingenieur Dr. Rudolf Breimeier wirbt bei einer Veranstaltung des Verkehrsclubs Deutschland in Lüneburg für seine Alternative zur umstrittenen Y-Trasse, um den steigenden Güterverkehr aus den norddeutschen Häfen auf der Schiene zu bewältigen. Foto: dth

Damit Breimeiers Plan aber aufgeht, fordert er eine technische „Pionierleistung“. Das heißt, für die 235 Kilometer lange Strecke sollen doppeltlange Container-Züge (1500 statt 740 Meter) gebildet und bereits im Hafen-Bahnhof Hamburg doppelstöckig beladen werden. So könnten die erwarteten 250 Güterzüge täglich auf 70 bis 80 reduziert werden. Allerdings müssten dafür auch teilweise die Oberleitungen angehoben werden.

Kritisch wurde im Anschluss an den Vortrag vom Plenum hinterfragt, ob der VCD sich nicht um die Menschen kümmere und nach der Motivation zu dem Vorschlag befragt. Dazu Landesvorsitzender Hans-Christian Friedrichs: „Wir verfolgen als Ziel, Eisenbahnlinien wiederherzustellen und dabei möglichst wenig Raum zu verbrauchen.“ Daher sei die Wiederbelebung beziehungsweise Ertüchtigung der ehemaligen Trasse von Buchholzer und Wendlandbahn sinnvoll.

Breimeier räumte auf Nachfrage allerdings ein, sich um bestimmte Fragen bei der Trassierung bislang noch gar nicht gekümmert zu haben. Sei es um die Lage von Vogelschutzgebieten oder darum, ob, wie in der Gemeinde Vögelsen, der Bahndamm längst in Gemeindeeigentum ist, die alten Schienen abgebaut sind und rechts und links, wie auch in Lüneburg, weitere Wohngebiete entstanden sind.

Da gehe der VCD den gleichen Weg wie die Bahn, sagte Friedrichs, müssten gegebenenfalls Umfahrungen berücksichtigt werden. Breimeier sagte: „Teilweise wäre die Strecke ein Neubau auf der grünen Wiese.“

Zur Person

Vor rund 25 Jahren war der Eisenbahn-Ingenieur Dr. Rudolf Breimeier einer der Gründerväter der Y-Trasse. Heute hat selbst der Ministerialrat a.D. Zweifel an der umstrittenen Bahnstrecke zwischen den Städten Bremen, Hamburg und Hannover sowie den dazu diskutierten Alternativrouten. Denn zum Zeitpunkt der Konzeption der Y-Trasse im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans 1992 sei weder die verkehrsgeografische Ausrichtung noch die Gütermengen-Entwicklung im Hinterland der Häfen absehbar gewesen. Breimeier: „Auch der Bau des dritten Gleises zwischen Stelle und Lüneburg ist eigentlich unter der Prämisse geplant worden, dass bereits die Y-Trasse in Betrieb ist.“ Doch für die wird weiterhin um Alternativen gerungen. Die Breimeier-Variante ist dabei, zusätzlich zur Amerika-Linie, einer von acht Vorschlägen, die vom „Dialogforum Schiene Nord“ geprüft werden.

Info-Stand auf Tour

Nach zahlreichen Gesprächen mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern am mobilen Infostand in den vergangenen Wochen, setzt das Team der Geschäftsstelle des Dialogforums Schiene Nord die intensive Bürgerbeteiligung fort. Aufgrund der hohen Nachfrage wird die Tour der mobilen Infostände durch weitere Termine und Standorte ergänzt. Der Schwerpunkt liegt diesmal bei kleineren Städten und Gemeinden.

Die Termine:

  • Dannenberg: Montag, 23. März, 9 bis 12 Uhr: Marktplatz vor dem „Alten Rathaus“
  • Dahlenburg: Montag, 23. März, 14 bis 17 Uhr: Marktplatz gegenüber dem Rathaus
  • Ebstorf: Dienstag, 24. März, 9 bis 12 Uhr: Edeka Dittmer, Georg-Marwede-Straße 32
  • Salzhausen: Mittwoch, 25. März, 14 bis 17 Uhr: Edeka Düver, Alte Baumschule