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Der Campingplatz Stover Strand und seine Dauerbewohner war ein heiß diskutiertes Thema im Samtgemeinderat Elbmarsch. Foto: fw
Der Campingplatz Stover Strand und seine Dauerbewohner war ein heiß diskutiertes Thema im Samtgemeinderat Elbmarsch. Foto: fw

Chance für touristisches Wohnen

pet Marschacht. Es war eine Prozession, wie sie die Samtgemeinde Elbmarsch so wohl noch nicht gesehen hat: So groß war am Dienstagabend das Interesse an der Sitzung des Rates, dass die Versammlung kurzerhand vom Marschachter Hof in die nahe Grundschule verlegt wurde. Mehr als 200 Dauerbewohner, Urlaubs- und Wochenendgäste des Campingplatzes Stover Strand waren gekommen, um die Diskussion über einen Antrag der Gruppe Grüne/Freie Wähler/Piraten zu verfolgen, in dem es um die Zukunft der Bewohner des Campingplatzes ging, die dort dauerhaft wohnen.

Der Hintergrund: Etwa 300 Menschen verbringen auf dem Campingplatz Stover Strand nicht nur ihre Wochenenden oder ihren Urlaub, sondern haben dort in festen Holzhäusern oder festen Mobilheimen ihren ersten Wohnsitz. Sie sind dort ordnungsgemäß gemeldet, mit der Zeit kristallisierte sich aber heraus, dass der Bebauungsplan, der für das Areal Ferien- und Wochenendhausbebauung vorsieht, das Dauerwohnen offensichtlich nicht abdeckt. Auch auf anderen Campingplätzen in der Samtgemeinde, auch das war Thema im Rat, gibt es Dauerbewohner.

Die Gemeinde Drage brachte daraufhin und um Rechtssicherheit zu erlangen im vergangenen Jahr eine B-Planänderung auf den Weg, die auf dem Areal künftig „touristisches Wohnen“ vorsieht. Die Zeit für Stellungnahmen zu den B-Plan-Änderungen bei der Gemeinde endet gerade, das Verfahren kann damit weitergehen.

Der Gruppe Grüne/Freie Wähler/Piraten war das zu riskant ihr Antrag an den Samtgemeinderat: „Die Samtgemeinde beauftragt ihre Anwaltskanzlei mit einem Rechtsgutachten, in dem sie die Rechtskonformität dieser B-Plan-Änderung insgesamt prüfen lässt.“ Insbesondere solle geprüft werden, ob „touristisches Wohnen“, wie in der beabsichtigten B-Planänderung zulässig“ sei. Zwar hatte auch der Campingplatzbetreiber ein Gutachten eingeholt, das war der Gruppe aber zu wenig.

Der Vorwurf der Gruppe an Verwaltung und Politik war, dass es „Versäumnisse und eine Unkultur des Nichthinsehens auf Seiten der beteiligten Personen, Behörden und politischen Entscheidungsträger“ gegeben habe. Erst das habe dazu geführt hat, „dass heute so viele Menschen auf Campingplätzen in der Elbmarsch nicht rechtskonform wohnen“. Der Gruppe gehe es, und das erklärten alle Beteiligten, um „Rechtssicherheit“ für die Dauerbewohner.

Für die Einwohnerfragestunden und den Tagesordnungspunkt 16, den Antrag der Gruppe zum Dauerwohnen in Stove, gab Norbert Kloodt (SPD) dann den Posten als Ratsvorsitzender ab schließlich ist er der Inhaber des Campingplatzes Stover Strand. Für Kloodt übernahm Stellvertreter Dr. Jörg Lütjohann (CDU) den Vorsitz.

Emotional gings in den Einwohnerfragestunden zu, Bewohner des Campingplatzes sahen sich als Opfer, die um ihre Häuser fürchten. „Ich muss feststellen, dass ich hier nicht erwünscht bin, ich möchte aber hier bleiben“, sagte einer. „Wir bringen uns hier im Ort ein. Warum will man uns nicht?“, fragte eine andere Platzbewohnerin.
Campingplatzgeschäftsführerin Nora Köhnken wurde das Gefühl nicht los, dass es bei der ganzen Sache „um personenbezogene Sachen“ gehe. Und auch Nachbarn, die in „klassischen Häusern“ nebenan wohnen, ergriffen das Wort 17 von ihnen hatten zuvor ihre Bedenken gegen das Dauerwohnen schriftlich formuliert, klagten unter anderem über ein hohes Verkehrsaufkommen.

Für die Überraschung des Abends sorgte der SPD-Fraktionsvorsitzende Uwe Harden, gleichzeitig Bürgermeister von Drage. Er legte ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes 18-seitiges Gutachten einer Lüneburger Anwaltskanzlei vor. „Heute früh eingegangen“, erklärte er und zitierte aus der Zusammenfassung: „Nach alledem zeigt sich, dass sich aus bauplanungsrechtlicher Sicht weniger Probleme ergeben, als bisher aufgeworfen wurden. Lediglich im Rahmen der Zweckbestimmung des Gebietes und in der Formulierung der Bezeichnung des Gebietes sollte noch gearbeitet werden, um den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen.“

Aufatmen bei den Bewohnern des Campingplatzes, Zustimmung signalisierte CDU-Fraktionsvorsitzender Robert Schumann („Die CDU möchte, dass die Bewohner Rechtssicherheit bekommen“). Von der Gruppe gab es eine schnelle Reaktion, Ulf Riek (Freie Wähler) erklärte: „Wir begrüßen den Schritt der Gemeinde, ein Gutachten einzuholen. Wir ziehen unseren Antrag zurück.“