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Vom Film über Werbespots bis hin zu Modenschauen oder Synchronsprecherrollen:  Die Geschwister Kim Justine (10), 
Mailo (4) und Kiana Joy Hoyer (v.l.) aus Brietlingen fühlen sich wohl im Rampenlicht. Foto: t&w
Vom Film über Werbespots bis hin zu Modenschauen oder Synchronsprecherrollen: Die Geschwister Kim Justine (10), Mailo (4) und Kiana Joy Hoyer (v.l.) aus Brietlingen fühlen sich wohl im Rampenlicht. Foto: t&w

Nachwuchs für die Traumfabrik? Brietlinger Geschwister-Trio liebt das Rampenlicht

jdr Brietlingen. Wenn bei den Hoyers aus Brietlingen der Fernseher angeschaltet wird, kann es durchaus passieren, dass einer der drei Sprößlinge nicht nur vor, sondern auch auf der Mattscheibe zu sehen ist: Die Geschwister Kim Justine (10), Kiana Joy (7) und Mailo (4) fühlen sich wohl im Rampenlicht, haben Spaß daran, vor einer Kamera zu stehen. Ermöglicht werden solche Auftritte durch eine Hamburger Kindermodel-Agentur, bei der die Drei angemeldet sind. Ist ein Kunde interessiert, lässt er den Wunschkandidaten über die Agentur zum Casting einladen. Dort entscheiden dann im Rennen mit anderen Teilnehmern oft Kleinigkeiten darüber, welches Nachwuchstalent den Job bekommt. „Die Konkurrenz ist groß“, weiß Mutter Christiane Kupfer-Hoyer. „Allein in Hamburg gibt es über zehn Agenturen, die jeweils um die 3000 Kinder in ihrer Kartei verwalten.“ Was den Jung-Stars viel Freude bereitet – sie lernen neue Facetten an sich kennen, können ihrer Expressivität freien Lauf lassen, – ist nicht zuletzt auch gern gesehenes Futter für das Sparschwein. „Ab und zu dürfen sich die Kinder mal etwas Besonderes gönnen. Grade unsere Große hat inzwischen verstanden, dass man sich mit dem Gehalt auch Wünsche erfüllen kann. Aber der Rest kommt auf ihr Konto, für den Führerschein oder vielleicht ein Studium.“

Bereits seit dem Kleinkindalter sind Kim, Kiana und Mailo jeweils aktiv. Sie werden inzwischen regelmäßig von unterschiedlichsten Kunden zu Castings eingeladen und schließlich auch gebucht. Kiana beispielsweise war erst am verganenen Sonntag im Bremer Tatort in der ARD zu sehen, ihr Bruder Mailo einen Tag später im Großstadtrevier. Kim dagegen leiht ihr Gesicht für Werbezwecke aktuell einem bekannten Lebensmitteldiscounter. Hinzu kommen diverse Sprech- und Darstellerrollen für Werbefilme, Aufnahmen für Urlaubskataloge – die Liste ist vielfältig. Ein Problem, zum Beispiel Neid unter Mitschülern, stelle der neue Bekanntheitsgrad nicht dar.

„Zu Beginn war das alles sehr aufregend, auch für uns als Eltern“, sagt Mutter Christiane, „aber mittlerweile ist es fast normal, ein Hobby, wie jedes Andere, bei dem man seine Kinder unterstützt“. Vater Oliver Hoyer ergänzt: „Natürlich erfüllt es einen mit Stolz. Es ist ja anfangs auf unserem Mist gewachsen, denn wir haben sie ja bei der Agentur angemeldet. Aber uns ist wichtig, dass der Spaß dabei im Vordergrund steht und die Drei selbst entscheiden, ob und worauf sie Lust haben. Niemand wird zu etwas gezwungen.“

Einig ist sich das Ehepaar auch darüber, dass die Schule nicht zu kurz kommen darf. Einerseits ist es per Gesetzgebung so festgelegt, dass sowohl Lehrer als auch das Jugendamt prüfen, ob das Lernpensum in Mitleidenschaft gezogen wird. Sie müssen Termine bewilligen oder ablehnen gegebenenfalls ablehnen. Andererseits tragen Oliver und Christiane Hoyer auch selbst dafür Sorge, dass der Familienalltag nicht aus den Fugen gerät. „Die Kinder haben auch noch andere Interessen, sie reiten, oder spielen Klavier. Modeltermine nehmen wir daher nur am Wochenende oder in den Ferien wahr, wir möchten dem Thema nicht alles unterordnen“, so Christiane Kupfer-Hoyer.

Jungtalent Kiana ärgert das manchmal, meist dann, wenn Filme, in denen sie eine Rolle spielt, zu spät am Abend ausgestrahlt werden. „Wir versuchen mit der ganzen Familie unsere Filme zu schauen, aber oft müssen wir ins Bett, bevor wir zu sehen sind“ erzählt die Neunjährige, „beim Tatort am Sonntag war das leider auch so.“ Dass sie in diesem Fall keine Sprechrolle hatte, stört die Grundschülerin nicht. „Mir macht alles gleich viel Spaß, egal, ob es nur Fotos sind, oder ob ich einen Text auswendig lernen muss“, verrät sie. Dafür hat sie, fast schon ein alter Schauspiel-Hase, ein ausgeklügeltes Konzept. „Ich sage immer den ersten Satz laut, dann den ersten zusammen mit dem zweiten und so weiter, so lange, bis ich alles kann.“ Die große Schwester Kim pflegt ihr bei. „Etwas auswendig zu lernen ist einfach. Man darf nachher nur nicht aufgeregt sein und sich verhaspeln“, erzählt sie. „Aber ich beruhige mich immer selbst und sage mir, dass es keinen Grund für Lampenfieber gibt.“

Beim Blick in die Zukunft sind die Mädchen schließlich doch noch unentschlossen. Das Modelthema schwingt im Subtext mit, aber auch Berufe wie Tierärztin oder Polizistin scheinen für sie attraktiv. Mailo will sich mit der Zukunft offenbar noch gar nicht auseinandersetzen. Er hat sich inzwischen abgewendet, jagt im Garten die Katze. Ganz normale Kinder. Mit einem ganz normalen Hobby.