Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Lüneburgs Kreislandfrauenvorsitzende Sabine Block (l.) und Equal-Pay-Beraterin Maike Rick setzen sich im Rahmen eines Pilotprojektes des Bundesverbandes vor allem auf dem Land für Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern ein. Foto: t&w
Lüneburgs Kreislandfrauenvorsitzende Sabine Block (l.) und Equal-Pay-Beraterin Maike Rick setzen sich im Rahmen eines Pilotprojektes des Bundesverbandes vor allem auf dem Land für Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern ein. Foto: t&w

Landfrauen bieten Lohn-Lücke die Stirn

Heute ist Equal Pay Day. Der Tag, bis zu dem Frauen theoretisch über Silvester hinaus arbeiten müssen, um das Gleiche wie Männer im Jahr 2014 zu verdienen. Durchschnittlich 22 Prozent erhalten Frauen pro Arbeitsstunde weniger ein Lohngefälle, das jetzt der Deutsche Landfrauenverband ins Visier genommen hat. Mit finanzieller Förderung des Bundesfamilienministeriums werden in einem Pilotprojekt seit Mai 2014 bundesweit 13 Frauen zur Equal-Pay-Beraterin ausgebildet. Eine von ihnen ist Maike Rick aus Brackede.

off Echem. Sie hat Gartenbau in Berlin studiert, in Namibia und den Niederlanden gearbeitet, war Voll- und Teilzeit tätig und hat sich in all ihren Berufsjahren viele Fragen gestellt. Nur eine spielte für Maike Rick bisher keine große Rolle: Ob Männer eigentlich mehr verdienen als Frauen? Wie groß die Lohnunterschiede sind, welche Folgen sie haben, und wo die Ursachen dafür liegen, „damit habe ich mich intensiv erst im Zuge der Ausbildung zur Equal-Pay-Beraterin auseinandergesetzt“, sagt sie. Wissen, das sie nun weitergeben möchte. Nicht nur an Frauen, auch an Männer. Denn wenn sich etwas ändern soll, „müssen wir alle etwas dafür tun“, sagt sie.
Durch Zufall ist die Landfrau aus Brackede beim Stöbern im Internet auf das Pilotprojekt ihres Bundesverbandes gestoßen. „Und es hat sofort meine Neugierde geweckt“, sagt sie. Ein kurzes Telefonat mit der Lüneburger Kreislandfrauenvorsitzenden, Sabine Block, dann stand für die dreifache Mutter fest: „Ich mach das.“ Vor fast einem Jahr, im Mai 2014, fuhr sie zur ersten Schulung nach Hannover. Inzwischen hat sie fünf von sechs Qualifizierungsmodulen und den Großteil der 150 Unterrichtsstunden absolviert, die ersten Vorträge vor Lüneburger Kreislandfrauen gehalten und neue Kontakte geknüpft. Im Sommer ist die Ausbildung zu Ende und Maike Rick eine der ersten 13 ehrenamtlichen Equal-Pay-Beraterinnen Deutschlands.
Kümmern wird sich die 46-Jährige dann im Wesentlichen um drei Aufgaben. Erstens: Informieren und Aufmerksamkeit schaffen. „Junge Frauen sollten sich im Klaren darüber sein, welche finanziellen Folgen ihre lebensbiografischen Entscheidungen haben“, sagt sie. Und zwar vor allem auf dem Land, „wo die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen noch größer sind.“ Zweitens: „Ich werde versuchen, ein Netzwerk aufzubauen und mit anderen Institutionen, die sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigen, zusammenzuarbeiten.“ Und drittens „geht es uns Equal-Pay-Beraterinnen auch darum, die Wirtschaft für das Thema zu sensibilisieren.“ Wie lassen sich die Potenziale von Frauen besser erschließen? Wie familiäre und berufliche Aufgaben besser vereinbaren?
Ob sie selbst weniger verdient als die meisten Männer, hat sich Maike Rick bisher nicht gefragt. Während ihr Mann Vollzeit arbeitet, kümmert sie sich seit Jahren um den heimischen Milchviehbetrieb. „Das heißt, ich stehe selbst nicht in einem direkten Lohnverhältnis“, sagt sie. Doch auch wenn es sie selbst nicht direkt betrifft, hat sich Maike Rick zur Aufgabe gemacht, etwas gegen das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern zu tun als Landfrau und Botschafterin für Entgelt-Gleichheit in ländlichen Räumen. Rückenwind bekommt sie dabei auch von der Kreislandfrauenvorsitzenden Sabine Block. „Es ist toll, dass wir bei uns eine der 13 ersten Equal-Pay-Beraterinnen Deutschlands haben“, sagt sie, „damit wird einmal mehr klar, dass Landfrauen nicht nur Kuchen backen, sondern sich auch frauenpolitisch engagieren.“
Info: www.lohn-gleichheit.de