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Raum-Übergabe: Krippenlärm statt Casino-Ball

us Lüneburg. Einen symbolischen Schlüssel hatte Ulrich Mädge zwar nicht mitgebracht, dafür aber „ein Konzept, das aufgegangen ist“, wie Lüneburgs Oberbürgermeister vor den rund 20 Gästen hervorhob, die gestern zur Übergabe in die frisch fertiggestellte Kindertagesstätte Hanseviertel gekommen waren. Diese hat ihren Platz in den Räumen des ehemaligen Offiziers-Casinos der Schlieffenkaserne gefunden, ein Baudenkmal, für dessen Erhalt sich die Stadt eingesetzt hatte und das künftig neben der Kindertagesstätte auch ein Stadtteil-Café und die Sport-Tanzgruppe des VfL aufnehmen wird.

53 Kinder sollen sich schon bald in den hellen und lichtdurchfluteten Räumen der neuen Tagesstätte tummeln, davon je 14 in zwei Krippen-Gruppen für die Ein- bis Dreijährigen, 25 in einer Gruppe für Vier- bis Sechsjährige. Noch sind nicht alle Plätze belegt, doch Anmeldungen kann Gabriele Stein schon nicht mehr entgegennehmen. „Ab August sind wir voll belegt. Dann sind auch die Kinder da, die zwar jetzt schon angemeldet sind, deren Eltern aber noch auf die Fertigstellung ihrer Häuser im Neubauviertel warten“, sagt die pädagogische Geschäftsführerin des Ev.-luth. Kindertagesstättenverbands. Als Träger und Mieter hat er jetzt die neue Tagesstätte von der Stadt übernommen, die weiterhin Eigentümerin der Immobilie ist. Acht Mitarbeiter und eine Leiterin betreuen die Kleinen, denen pro Gruppe ein Raum, für die Krippenkinder zusätzlich zwei Schlafräume zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es einen Bewegungsraum sowie Küche, Wasch- und Mitarbeiterräume. Alle sind im Obergeschoss untergebracht und per Aufzug barrierefrei erreichbar.

„Der pädagogische Erfolg ist gesichert“, kündigte Peter Mohr, Vorstandsvorsitzender des Kindertagesstättenverbands an. Einrichtungen wie diese seien heute wichtiger denn je, „allein schon aus ökonomischen Gründen, denn viele Familien brechen sonst zusammen“, wie Mohr mit Blick auf den beruflichen Alltag in den Familien bemerkte. Besonders freue ihn, dass in diesem Haus aus den 30er-Jahren „heute Kinder zum Frieden erzogen werden“.

1,95 Millionen Euro hat die Sanierung und Instandsetzung des Gebäudes gekostet, die zum Großteil von der Stadt getragen werden. 350000 Euro schießt der Bund zu, 100000 Euro kommen vom Landkreis. Besonderes Augenmerk richtete die Stadt bei der Sanierung auf die Beseitigung schadstoffhaltiger Baustoffe. „Heute ist der Bau schadstofffrei“, wie Sabine Bachmann von der städtischen Gebäudewirtschaft nachweislich durch das Bremer Umwelt­institut versichert. Als Projektleiterin hatte sie die Arbeiten am alten Casino begleitet.

Die neue Kita Hanseviertel wird der „vorerst letzte Neubau in diesem Bereich“ sein, wie Mädge informierte. Geplant sei jetzt noch eine sogenannte Arbeitgeber-Kindertagesstätte für Unternehmen und Betriebe aus dem Gewerbegebiet am Lüneburger Hafen, die aber auch anderen Familien zur Verfügung stehe. Zusammen mit den Plätzen in der Kindertagespflege werde die Stadt dann im Krippenbereich eine Betreuungsquote von 42 Prozent haben. Im Bereich der Kita-Plätze betrage sie bereits heute 95 Prozent. Insgesamt seien es mehr als 40 Einrichtungen für die Kinderbetreuung in der Stadt. Dass nun auch das ehemalige Offiziers-Casino dazugehört, darüber freut sich Oberbürgermeister Mädge auch aus einem anderen Grund: „Ich muss nun nicht mehr zu den Bällen, die hier früher immer stattgefunden haben.“