Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Gellersen | Ein Hauch von Gegenwind: Reppenstedter Unternehmerin will Bürgermeisterin von Gellersen werden
Ihre Bewerbungsunterlagen hat Anikó Hauch am Dienstag im Gellerser Rathaus eingereicht. Die Plakatentwürfe sind bereits fertig. Der Slogan der Gellerser FDP-Ortsverbandsvorsitzenden lautet: Für ein Hauch Mehr in Gellersen. Foto: be
Ihre Bewerbungsunterlagen hat Anikó Hauch am Dienstag im Gellerser Rathaus eingereicht. Die Plakatentwürfe sind bereits fertig. Der Slogan der Gellerser FDP-Ortsverbandsvorsitzenden lautet: Für ein Hauch Mehr in Gellersen. Foto: be

Ein Hauch von Gegenwind: Reppenstedter Unternehmerin will Bürgermeisterin von Gellersen werden

dth Reppenstedt. Überraschend Konkurrenz bekommt Gellersens amtierender Samtgemeindebürgermeister bei der anstehenden Bürgermeisterwahl am Sonntag, 26. April. Kurz vor Ablauf der Bewerberfrist am kommenden Montag hat jetzt die Unternehmerin und Wirtschaftsjuristin Anikó Hauch von den Gellerser Freidemokraten ihren Hut in den Ring geworfen. Sie sagt: „Es wäre unglücklich, wenn es nur einen Kandidaten gäbe. Ich möchte, dass die Gellerser eine echte Wahl haben.“ Zuletzt hatten im Januar sowohl SPD und Grüne als auch die CDU bekundet, den parteilosen Amtsinhaber Josef Röttgers zu unterstützen. Hauch ist dennoch optimistisch: „Letztendlich entscheiden die Bürger, denn es ist keine Parteien-, sondern eine Personenwahl.“

Insofern ficht es die verheiratete Reppenstedterin Hauch auch nicht an, dass derzeit in der Runde der 26 Samtgemeinderatsmitglieder lediglich ein FDP-Vertreter sitzt. Dabei wäre sie auf die politische Zusammenarbeit mit dem Rat angewiesen, sollte sie das Amt erringen. Dazu Hauch: „Herr Röttgers war auch einmal neu und hat sich etabliert.“

Die 40-jährige Anikó Hauch bezeichnet sich im LZ-Gespräch selbst als „Zahlenmensch, als Analytikerin“. Und: „Ich bin als Person das komplette Gegenteil von Herrn Röttgers.“ Dabei haben die beiden auch inhaltlich gemeinsame Positionen, etwa den Wunsch zur Einführung der Ganztagsschule in Gellersen. Verwaltungserfahrung bringe sie ebenfalls mit. Die Wirtschaftsjuristin mit Schwerpunkt Steuern und Prüfungswesen war von 2005 bis 2007 im gehobenen Dienst als Arbeitsvermittlerin bei der Agentur für Arbeit tätig. Sie sagt: „Ich weiß, wie eine Behörde funktioniert.“

Heute ist sie als Unternehmerin selbstständig mit ihrer privaten Arbeits- und Personalvermittlung in Lüneburg für die Branchenbereiche verarbeitende Industrie, Metall- und Maschinenbau sowie Logistik. „Ich bin auch Mentorin an der Universität und betreue junge Absolventinnen bei ihrem Einstieg ins Berufsleben. Das ist mir ein großes persönliches Anliegen, weil ich selbst weiß, wie schwer es ist, als Frau bestimmte Stufen zu erklimmen.“ Deshalb sei eines ihrer kommunalpolitischen Ziele, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu fördern und in Gellersen die Gebührenfreiheit für die Kinderbetreuung anzustreben. Hauch: „Es reicht nicht, die Plätze zu schaffen, wenn die Frauen anschließend nur dafür arbeiten gehen, damit sie die Gebühren bezahlen können.“

Dass der Amtsinhaber derzeit aufgrund einer schweren Erkrankung allenfalls nur eingeschränkt Wahlkampf machen kann (LZ berichtete), dürfte der Liberalen nicht ungelegen kommen. Gleichwohl betont sie: „Ich bedauere es aufrichtig, dass er schwer erkrankt ist und wünsche ihm alles Gute und gute Besserung.“

Zu der Gegenkandidatur sagte Röttgers gestern auf LZ-Nachfrage: „Ich begrüße, dass sich noch jemand gefunden hat. Das ist Ausdruck unserer Demokratie. Aber ich bin nach wie vor zuversichtlich. Ich möchte gerne weitermachen und jetzt erst recht“. Und: „Der Zuspruch der großen Parteien zeigt mir, dass ich bisher einen ausgewogenen Kurs gefahren bin.“

Die Wahl zum Samtgemeindebürgermeister in Gellersen am 26. April ist an dem Tag die einzige Kommunalwahl im Landkreis. Zwischenzeitlich hatte der Samtgemeinderat Josef Röttgers eine Amtszeitverlängerung von maximal zwei Jahren gewährt, um die Bildung einer Einheitsgemeinde Gellersen zu begleiten. Das Vorhaben war aber im Herbst vergangenen Jahres am Widerstand der Bürger sowie an den Gemeinderäten Süder- und Westergellersen gescheitert. Daraufhin hatte Röttgers den Rat gebeten, die Amtszeitverlängerung aufzuheben und den Wahltermin festzusetzen. Die Frist für Wahlvorschläge läuft Montag ab.