Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Für das gemeinsame Projekt von Stadt, Museum, Geschichtswerkstatt und Job-Sozial setzten sich (v.r.) Michael Elsner, Sibylle Bollgöhn, Ulrich Mädge, Dr. Heike Düselder und Michael Raykowski ein. Foto: be
Für das gemeinsame Projekt von Stadt, Museum, Geschichtswerkstatt und Job-Sozial setzten sich (v.r.) Michael Elsner, Sibylle Bollgöhn, Ulrich Mädge, Dr. Heike Düselder und Michael Raykowski ein. Foto: be

Ein Ort des Erinnerns und der Mahnung

us Lüneburg. Als einen „besonderen Platz des Erinnerns“ und wichtigen Ort, „an dem das Grauen der Nazi-Zeit erfahrbar gemacht wird“ mit diesen Worten bezeichnete Oberbürgermeister Ulrich Mädge den historischen Güterwaggon, der jetzt offiziell als Mahnmal an die Opfer des Verbrechens vom 11. April 1945 dem Lüneburger Museum übergeben wurde. Im Beisein zahlreicher Gäste, die an den neuen Gedenkort im Wandrahmpark gekommen waren, mahnte Mädge, sich gegen Antisemitismus und Fremdenhass aufzustellen und aus der Geschichte zu lernen.

„Ich bin glücklich, dass wir für diese Erinnerungsarbeit diesen Platz gefunden haben“, sagte Mädge mit Blick auf den herausgehobenen Standort des Waggons. In einem Waggon gleichen Typs sollten im April 1945 Häftlinge vom KZ-Außenlager Wilhelmshaven ins KZ Neuengamme transportiert werden. Auf seiner Fahrt dorthin wurde der Zug am 7. April am Lüneburger Bahnhof von alliierten Bombern angegriffen. Die Überlebenden wurden auf ein Feld nahe des Bahnhofs getrieben, dort am 11. April von ihren Bewachern erschossen und in einem Massengrab unweit der Gleise verscharrt. Erst am 27. September 1945 fand die Umbettung der Leichname statt. Das Ehrenmal im Tiergarten erinnert an diese Opfer.

Die Geschichtswerkstatt Lüneburg nahm sich dieses Themas an, zunächst 1999 in der von ihr veröffentlichten Gedenkschrift über Kriegsverbrechen in Lüneburg, wie Sibylle Bollgöhn von der Geschichtswerkstatt ausführte. „Die Gedenkschrift gab auch den Anstoß, einen Güterwaggon gut sichtbar und zentral als Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft aufzustellen“, sagte Bollgöhn. Im Dezember 2005 erwarb die Einrichtung einen Waggon aus dieser Zeit von der Arbeitsgemeinschaft der Verkehrsfreunde Lüneburg, doch erst 2013 konnte mit der Realisierung des Projekts begonnen werden.

Neben finanzieller Unterstützung aus dem EU-Sozialfonds und Mitteln der Sparkassenstiftung waren es vor allem Projektmitarbeiter von Job-Sozial, die den Waggon in einem eigens dafür gestarteten Projekt restaurierten und das Gleisbett im Wandrahmpark anlegten. 40 Arbeitslose waren zeitweise an dem Projekt beteiligt, knapp die Hälfte von ihnen haben zwischenzeitlich wieder eine Beschäftigung gefunden, wie Michael Elsner, Geschäftsführer von Job-Sozial und Neue Arbeit berichtete. „Sie haben einen ganz besonderen Wert geschaffen und der Stadt geschenkt“, würdigte Elsner die Arbeit des Teams um Projektleiter Michael Raykowski.

Dr. Heike Düselder, Leiterin des Lüneburger Museums, hob die Bedeutung des Waggon-Mahnmals für die Geschichte der Stadt hervor. Dabei gelte es, diese so aufzubereiten und mit dem Objekt zu dokumentieren, „dass es zur Erinnerung, zum Gedenken und zur Mahnung beiträgt“. Der Waggon soll deshalb auch nicht als begehbare Dokumentationsstelle eingerichtet, sondern lediglich mit einer Informationstafel versehen werden. Auch der Standort, parallel und in Nachbarschaft zu den Gleisen des Lüneburger Bahnhofs, sei bewusst gewählt worden.

Auf den Standort des Waggons ging Dr. Düselder auch mit Blick auf seine unmittelbare Nähe zu der Pferde-Plastik ein. „Ich plädiere nicht dafür, Denkmäler verschwinden zu lassen“, sagte die Museumsleiterin. Das wiederum fordert die Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen. Sie kritisiert, dass die Bronzestatue, die Lüneburgs NS-Gauleiter Otto Telschow in seinen Besitz gebracht hatte, in den 50er-Jahren im Wandrahmpark ohne kommentierende Hinweise aufgestellt wurde.

Das soll nun geändert werden, wie Dr. Düselder bei der Veranstaltung erklärte. Die Nähe der beiden Erinnerungsorte aber sei aus ihrer Sicht dennoch zu verantworten: „Für das Museum sind es zwei wichtige Objekte zur Dokumentation der NS-Zeit in Lüneburg, die dazu beitragen können, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu fördern“. Es gehe dabei nicht um die Verschönerung des Stadtbildes, sondern um die Bewusstmachung von Erinnerung in Verantwortung.

„Gegen das Vergessen“ lautet auch der Titel einer Veranstaltung der Lüneburger Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und der Antifaschistischen Aktion Lüneburg/Uelzen. Sie wollen am 11. April um 15 Uhr am Ehrenmal im Tiergarten der Opfer des 11. April 1945 gedenken.

3 Kommentare

  1. Na ja, wenn Lüneburg schon kein eigenes Konzentrationslager hatte, dann doch wenigstens einen Waggon.

    Es gibt also eine neue Pilgerstätte für Berufsbetroffene.

    Wir sind 70 Jahre gut ohne ausgekommen – ohne die Verbrechen zu vergessen.
    Wichtiger wäre eine vernünftige Bildung und die Aufarbeitung in den Schulen.

    • Ein weniger sich unangemessen äussernder Bürger

      Guten Tag Bundeskasper, Sie müssen wirklich sehr, sehr alt sein, um beurteilen zu können, was in den letzten 70 Jahren alles gut funktioniert hat. Leider scheint Ihnen -unabhängig davon dass der von Ihnen bemühte Relevanzen-Vergleich gewaltig hinkt, da ja das eine das andere nicht ausschliesst, aber sei es drum, Logik ist jedermanns Sache nicht- trotz Ihres hohen Lebensalters entgangen zu sein, dass Museen und deren Exponate wichtiger Bestandteil einer von Ihnen geforderten vernünftigen Bildung und Aufarbeitung in den Schulen ist. Ihre ersten beiden Äusserungen allerdings, die offenbaren einen Zynismus, der darauf hindeutet, dass es mit der Aufarbeitung Ihrerseits dann wohl doch nicht so gut geklappt hat. Vielleicht, besser spät als nie, mal ins Museum deswegen?

  2. Guten Abend lieber Mitbürger,

    ja, ich bin wirklich alt genug, um das beurteilen zu können. Mein Großvater war ein strammer Rechtsaußen, mein Vater ein um seine Jugend gebrachter Wehrmachtssoldat, von 1940 – 45, Jahrgang 20.

    Bei uns zu Haus gab es die Zeit zwischen 1933 und 45 nicht. In der Schule in Lüneburg hatten wir Lehrer, die aus dem Krieg kamen und entsprechend verwundet waren – nicht nur körperlich – sondern auch und vor allen Dingen seelisch.
    Auch hier gab es diese Zeit nicht.

    Ich habe mich als Jugendlicher dafür interessiert und mich entsprechend – trotz der damaligen Schwierigkeiten – informiert. Daher meine Forderung nach Bildung und Aufarbeitung in den Schulen. Denn hier sehe ich, dass es wieder schwieriger wird diese Erinnerung zu vermitteln. Mit steigender Zahl der muslimischen Schüler. Sie tragen nicht das Stigma der Deutschen.

    Wenn denn schon wieder ungestraft auf deutschen Straßen gerufen werden darf : Juden ins Gas….
    Da sprechen Sie mich allen Ernstes auf meinen Zynismus an ?!

    Wenn ich zur Vorsicht mahne, werde ich von Jugendlichen als Nazi beschimpft, Jugendliche, die überhaupt kein Bild haben von einem Nazi, die gar nicht wissen was das ist.

    Die gewählten Politiker, ob Stadt-, Land- oder Bundespolitiker machen zu bestimmten Zeiten ein betroffenes Gesicht und gehen zur Tagesordnung über. Diese Tagesordnung beinhaltet aber seit langer Zeit keine Gesellschaftspolitik mehr. Die vorherrschenden Themen sind die Finanzen und die Wirtschaftspolitik. Alles andere wird sträflich vernachlässigt. Hier insbesondere die Ausbildung unserer Kinder.

    Und Sie sprechen mich auf meinen Zynismus an, wenn es nur noch darum geht, ob der Muezzin nur am Freitag oder jedem Tag vom Minarett zum Gebet rufen darf, das Läuten der Kirchenglocken aber wegen Lärmbelästigung untersagt wird?!

    Genau diese Haltung, der vorauseilende Gehorsam, hat den Pädophilenskandal in Großbritannien ermöglicht.
    Ich hätte vielleicht heute nicht den Artikel über das Geschehen im Landgericht lesen sollen oder einige weitere Artikel dieser Art.
    Es wäre sicherlich auch besser gewesen Ihren Beitrag unkommentiert stehen zu lassen.
    Aber das ist nicht meine Art.
    Sie schienen es noch nicht verstanden zu haben – vielleicht jetzt – besser spät als nie.
    Für Diskussionen stehe ich jederzeit gern zur Verfügung.

    Gruß