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Der Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmuth Blauth (l.), ist zum ersten Mal bei der Lüneburger Jägerschaft um ihren Vorsitzenden Torsten Broder (M.) und Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs zu Gast. Foto: t&w
Der Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmuth Blauth (l.), ist zum ersten Mal bei der Lüneburger Jägerschaft um ihren Vorsitzenden Torsten Broder (M.) und Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs zu Gast. Foto: t&w

Waidmänner enttäuscht von Dialog über Jagdzeitenverordnung mit Ministerium

ml Bardowick. Helmuth Blauth braucht drei Sätze. Dann hat sich der Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) in Fahrt geredet. Blauth ist enttäuscht und fühlt sich getäuscht. Von Politikern in Hannover im Allgemeinen, von Landwirtschaftsminister Christian Meyer im Besonderen. Es sind Sätze wie „Die Jagd muss wieder in die Mitte der Gesellschaft“, mit denen der Minister die Novellierung des Landesjagdgesetzes begründet, die den Vizepräsidenten der Jäger im Land erzürnen.

Im Bardowicker Schützenhaus blickt sich Blauth Sonnabendnachmittag um und fragt: „Fühlen Sie sich nicht auch als Mitte der Gesellschaft?“ Den rund 300 Waidmännern im Saal, die zur Jahresversammlung der Jägerschaft des Landkreises Lüneburg gekommen sind, ist anzusehen, was sie denken. Grimmige Gesichter, zustimmendes Nicken. Einer Antwort bedarf es eigentlich nicht.

Dass die Jäger sich zu Unrecht an den Rand der Gesellschaft gedrängt sehen, hat Blauth bereits zuvor mit einer Zahl untermauert: „Jeder 106. Bürger in Niedersachsen ist im Besitz eines Jagdscheines. In keinem Bundesland sind es mehr. Niedersachsen ist das Jägerland Nummer eins.“

Und es ist „Unruhe im Jägerland“. So hat der Vizepräsident sein Grußwort, das als politische Brandrede angelegt ist, überschrieben. Quell der Unruhe ist die geänderte Jagdzeitenverordnung, die bereits Anfang Oktober 2014 in Kraft getreten ist. Und die Blauth und anderen eine Ahnung gegeben hat von dem, was noch kommen mag – bei der Novelle des Landesjagdgesetzes.

Für Meyers Ministerium sind die geänderten Jagdzeiten wildbiologisch erforderlich, aus Sicht der Jäger sind sie schlicht überflüssig. Bei zwei Gesprächen im Vorfeld der Änderung war Blauth in Hannover selbst dabei. Den Verlauf beschreibt der Vizepräsident als konstruktiv. „So kann man miteinander umgehen“, habe er gedacht. Zwar seien die Positionen unterschiedlich gewesen, doch hätten unter anderem die Jäger mit ihrem freiwilligen Verzicht auf eine Bejagung des Rebhuhns den Weg für einen Kompromiss aufgezeigt.

Doch auf die Gespäche folgte Sprachlosigkeit. „Man redet nicht mehr mit uns“, sagt Blauth. Der Dialog war beendet, kaum, dass er begonnen hatte. Die Frist für die Abgabe von Stellungnahmen liegt in den Sommerferien, von „faulem Taktieren“ spricht der Vizepräsident, auch Naturschutzverbände wie der BUND protestieren. Im Ergebnis verkürzt die geänderte Verordnung in einigen Fällen die Jagdzeiten, in anderen gibt es aktuell gar keine mehr. Für die Landesjägerschaft inakzeptabel. „Die Umsetzung ist eine gänzlich andere, als die Gespräche im Vorfeld vermuten ließen“, sagt Blauth.

In der Folge hat die Landesjägerschaft betroffene Revierinhaber gesucht, die mit Unterstützung des Verbandes am 10. März ein Normenkontrollverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg angestrengt haben. „Ein Ergebnis ist frühestens in zwei Jahren zu erwarten, die Jagdgesetznovelle kommt früher“, sagt der Vizepräsident. Und: „Wir sind gewarnt.“

Denn in Nordrhein-Westfalen sind die Vorbereitungen der Jagdgesetznovelle fast abgeschlossen. Unverhältnismäßig oft tauche in dem Entwurf das Wort Verbot auf. Erst in der vergangenen Woche hätten 15000 Jäger in Düsseldorf ihrem Unmut über die geplante Novelle Luft gemacht. Doch im Zuge der Krawalle in Frankfurt bei der Eröffnung des neuen EZB-Gebäudes sei der Protest in der öffentlichen Wahrnehmung fast untergegangen. „Vermutlich kam der Widerstand auch zu spät. Das darf uns nicht passieren“, sagt Blauth. Gleichzeitig gibt er den Lüneburger Jäger aber auch einen guten Rat mit auf den Heimweg: „Wir gehören zur Mitte der Gesellschaft, aber nur dann, wenn wir die Jagd weiter mit Herz und Verstand ausüben.“

Mit Herz und Verstand bei der Sache ist auch Oskar Lüning. Seit 20 Jahren sorgt er dafür, dass pünktlich zur Jahresversammlung die Waidmänner im Kreis das Magazin „Der Lüneburger Jäger“ in den Händen halten. Landrat a.D. Franz Fietz überreichte Lüning als Dank für sein Engagement das Präsent eines anonymen Spenders, der damit Lünings Arbeit gewürdigt sehen wollte.

 

Wolf in den Gärten
Es gibt derzeit wohl kaum eine Jäger-Veranstaltung in der Region bei der nicht auch der Wolf Thema ist. Gerade erst ist ein Tier mitten im Rehlinger Ortsteil Ehlbeck gesichtet worden. „Der Wolf ist nicht ante portas, sondern in unseren Gärten“, stellte Torsten Broder, Vorsitzender der Jägerschaft im Landkreis fest. Und er prophezeite: „Das Zusammenleben von Mensch und Wolf wird nicht ohne Probleme abgehen.“ Zuvor hatte bereits Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt mit Blick auf die Ereignisse in Ehlbeck erneut verkündet: „Der Schutz der Bevölkerung steht an erster Stelle.“ Das Umweltministerium in Hannover sei bereits über den Vorfall informiert, „jetzt müssen wir gemeinsam sehen, wie wir damit umgehen“. Der Förster und Wolfsberater Peter Pabel berichtete während der Versammlung, dass sich möglicherweise zu den fünf nachgewiesenen Rudeln und zwei territorialen Wolfspaaren in Niedersachsen ein weiteres territoriales Paar am Rande der Göhrde gesellt hat. „Das Paar ist mehrfach im östlichen Bereich gesichtet worden.“ml