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Am Naturum in Göhrde soll ein Waldtheater-Projekt etabliert werden. Die Finanzierung für die ersten drei Jahre steht, bis zu 40 Grundschulklassen im Jahr sollen Flora und Fauna der Region beim Theaterspielen kennenlernen. Foto: rg
Am Naturum in Göhrde soll ein Waldtheater-Projekt etabliert werden. Die Finanzierung für die ersten drei Jahre steht, bis zu 40 Grundschulklassen im Jahr sollen Flora und Fauna der Region beim Theaterspielen kennenlernen. Foto: rg

Die Göhrde macht Theater

rg Göhrde. In Lüchow-Dannenberg ist man gern Vorreiter. Bei den erneuerbaren Energien, beim sanften Tourismus, beim Naturschutz. Die Region gilt, auch aus der Not heraus, als kreativ, vielschichtig, innovativ. Diesem Ruf will man jetzt auch in der Göhrde Rechnung tragen und dort ein sogenanntes Waldtheater aufbauen und etablieren das erste in ganz Niedersachsen. Angekoppelt an das Waldmuseum Naturum soll es Kinder aus dem gesamten Kreisgebiet, aber auch aus den Nachbarregionen in die Göhrde locken, um sie dort für Wald, Tiere und Natur zu begeistern und zu sensibilisieren. 28500 Euro fließen in den kommenden drei Jahren für das Projekt von der Bingo-Umweltstiftung. Die gleiche Summe schießt erst einmal die Gemeinde Göhrde vor. Doch eigentlich, sagt Mit-Initiatorin Stefanie Ruhnke, soll sich das Waldtheater selbst tragen in Zukunft.

15 Waldtheater gibt es mittlerweile europaweit, die meisten davon in Deutschland. Das erste entstand 1994 in Brandenburg und nun soll es also auch in der Göhrde losgehen. Die Zielgruppe für das Projekt seien vor allem Grundschulklassen, erläutert Ruhnke. Das Theater besteht aus einem Rollenspiel, in dem sich die Kinder in die Tiere des Waldes, aber auch in die Pflanzen hineinversetzen. „Sie erarbeiten sich unter fachkundiger Anleitung ihre Rollen, lernen etwas über das, was sie spielen“, erläutert sie. Das geschehe anhand von Büchern, von Geräusch-CDs und auch Tierpräparaten. Dann würden die Kostüme selbst gebastelt, vor allem Filzmasken und das Stück kann losgehen. Dabei wählen die Kinder ihre Rolle selbst, können allein bestimmen, ob sie ein Dachs sein wollen, ein Hirschkäfer, ein Hirsch oder auch ein Baum.

Beim Erarbeiten der Rolle gehe es darum, dass die Kinder etwas über das lernen, was im Wald kreucht und fleucht. „Sie erfahren etwa, wovon sich die Tiere ernähren, was der Baum zum Leben braucht, in welcher Beziehung die Akteure zueinander stehen. Wer frisst wen und warum.“ Das alles soll die Kinder begreifen lassen, dass sie Teil dessen sind, was in der Natur passiert. Nach dem Motto: „Nur was ich kenne, kann ich lieben, und nur was ich liebe, kann ich schützen“, betont Ruhnke. Auch die Verbundenheit mit der Region solle gestärkt werden, und Erfahrungen hätten gezeigt, dass sich auch das Sozialverhalten verbessere. Nicht zuletzt soll das Waldtheater Lust machen auf Wissen.

40 Schulklassen sollen im ersten Jahr das Waldtheater besuchen eine durchaus realistische Zahl, glauben Ruhnke und ihre Mitstreiter. Dafür werde man die Schulen in Lüchow-Dannenberg, aber auch in den Landkreisen Lüneburg und Uelzen ganz gezielt ansprechen. Denkbar sei, dass es irgendwann einmal 80 Klassen sein könnten, und dass sich das Waldtheater dann komplett selbst trage. Derzeit plane man mit Kosten von sieben Euro je Schüler. Mehr könne man für eine Schulveranstaltung nicht nehmen.

Auch Göhrdes Bürgermeister Thomas Stegemann freut sich über das neue Wald-Projekt. Ihm sei es eine Herzensangelegenheit, weil er von der Aktion überzeugt sei. Und weil er glaube, dass nicht nur das Naturum, sondern die ganze Gemeinde Göhrde davon profitieren kann. „Es ist eine Chance, weiterzukommen, und es ist eine Chance, eine Vorreiterrolle in Niedersachsen einzunehmen“, ist der Bürgermeister überzeugt. Auch bei der Bingo-Umweltstiftung sieht man für das Waldtheater großes Entwicklungspotenzial. „Im optimalen Fall wird als langfristige Wirkung ein bedachter und nachhaltiger Umgang der Theaterbesucher mit der Umwelt erreicht“, glaubt Stiftungsgeschäftsführer Karsten Behr.