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Auch Tage nach der Einleitung hat Karl-Wilhelm Kirsch noch Ablagerungen im Hasenburger Mühlenbach festgestellt. Er ist überzeugt, dass es in dem Bachbett für die nächste Zeit kein organisches Leben gibt. Foto: be
Auch Tage nach der Einleitung hat Karl-Wilhelm Kirsch noch Ablagerungen im Hasenburger Mühlenbach festgestellt. Er ist überzeugt, dass es in dem Bachbett für die nächste Zeit kein organisches Leben gibt. Foto: be

Hasenburger Mühlenbach: Trübes Wasser sorgt für Rätsel

us Lüneburg. Karl-Wilhelm Kirsch hat es vorausgesehen: „Der Bach ist tot.“ Vor wenigen Tagen hatte der ehemalige Hochschullehrer und Sachverständige für angewandte Ornithoökologie eine starke Verfärbung des Hasenburger Mühlenbachs festgestellt. „Der Bach war schwarz von Schlamm, die Sichttiefe war gleich Null“, berichtet Kirsch. Für ihn stand fest, dass damit alles Leben bis auf Weiteres abgestorben ist: „Der Schlamm setzt die Kiemen so zu, dass eine Sauerstoffaufnahme nicht mehr möglich ist. Dazu reichen je nach Organismus wenige Stunden aus.“ Betroffen seien nach Einschätzung von Kirsch alle Tiere, „von Wasserinsekten bis zu den Fischen, darunter auch mehrere Rote-Liste-Arten“.

Bemerkt hatte Kirsch die Verschlammung des Bachs zunächst am Hasenburger Teich, sie hatte sich bereits bis zur Einmündung in die Ilmenau hingezogen. „Dort konnte man sehr deutlich den schwarzen Zufluss in die hellere Ilmenau erkennen.“ Noch am selben Tag informierte er die Polizei, die aber erst einen Tag später aktiv wurde. „Wir hatten den Sachverhalt zunächst anders aufgenommen“, erklärt Polizeipressesprecherin Antje Freudenberg. Dann aber seien ihre Kollegen der Sache doch noch einmal nachgegangen. „Wir informierten dann die Stadt, die ist für diese Fragen zuständig“, sagte Freudenberg.

Im Umweltamt der Stadt war von dem Vorgang bis dahin nichts bekannt, man kündigte aber an, sich den Bach genauer anschauen zu wollen. „Wir haben eine Sichtkontrolle vorgenommen“, erklärte zwei Tage später Suzanne Moenck, Pressesprecherin der Stadt. Mitarbeiter seien den Bach abgegangen und hätten festgestellt, dass die Einleitungen nicht aus einer Kanalisation oder einem Teich stammten und auch nicht auf Stadtgebiet vorgenommen worden seien, „die Verschmutzung kommt schon so bei uns an“, sagte Moenck.

Zwar habe die Stadt Eintrübungen festgestellt, Handlungsbedarf bestehe aus ihrer Sicht aber nicht, „der Zustand ist nicht besorgniserregend“. Da die Einleitungen nicht auf Stadtgebiet erfolgt seien, habe man die Sache an den Landkreis weitergegeben.

„Ein Mitarbeiter des Fachdienstes Umwelt war mehrfach vor Ort, hat aber nichts Ungewöhnliches festgestellt“, erklärt Katrin Holzmann, Pressesprecherin des Landkreises. Das von Kirsch aufgenommene Foto von dem verschmutzten Bach selbst sei „nicht aussagekräftig“. Die Behörde werde sich die Sache noch einmal „abschließend anschauen“, wie Holzmann erklärte.

„Ein unglücklicher Fall, das darf so nicht laufen“, erklärt Thomas Mitschke, Nabu-Vorsitzender in Lüneburg. Insbesondere bedauert er, nicht gleich einbezogen worden zu sein: „Im Nachhinein ist es immer schwer, den Verursacher zu ermitteln.“

Im Gegensatz zu den Mitarbeitern des Landkreises hatte er eine Eintrübung des Wassers und Schlammablagerungen auf dem Grund festgestellt. Welche biologischen Auswirkungen dies auf die Lebewesen und Organismen im Bach hat, könne er allerdings nicht beurteilen, dafür müssten Wasserproben entnommen werden.

Besonders ärgerlich: Der Bach, der per FFH-Richtlinie hohen Schutzstatus genießt, wurde in den 90er-Jahren für damals rund 800000 Mark renaturiert, und erst im vergangenen Jahr hatte die Sportanglerkameradschaft ein Renaturierungsprojekt für die Wiedereinbürgerung von Meerforellen und Lachsen durchgeführt.

Dass es zu Einleitungen kommt, konnte auch Katrin Holzmann bestätigen: Das passiert immer mal wieder. Wenn uns das zeitnah gemeldet wird, gehen wir dem immer gleich nach, weil wir wissen, wie flüchtig diese Materie ist.“

3 Kommentare

  1. Ökologische Dramen…
    Was sich in der Natur Jahrmillionen lang abgespielt hat führt heute in Lüneburg zum Untergang des Abendlandes.
    Es soll schon mal ab und an vorkommen, dass Kanten voll mit Laub und organischer Masse einfach mal unterspült werden in Bächen, dass diese dann abbrechen und komplett fortgespült werden.
    Ein Naturschauspiel in klein in Lüneburg, im Grand Canyon kann man sich das im Zeitraffer über Millionen Jahre heute anschauen.
    Vielleicht reisen der Herr Sachverständige samt Nabu mal in die USA und schauen sich das mal an.

    • Christoph Stannik

      Das hört sich im Artikel nun doch wohl ganz und gar nicht nach nach der natürlichen Erosion an die Herr Rössler hier ohne jegliche Hinweise bemüht. War wohl doch eher eine Einleitung, oder? Wäre auch nett, wenn die zuständigen Stellen sich wirklich „zeitnah“ (noch so ein Blödwort) dazu bequemen würden, eine Sedimentprobe zu ziehen und zu analysieren (Organika, Metalle, usw.). Auf der Basis solcher Ergebnisse könnte man dann vernünftig diskutieren und der Ursache nachgehen, alles weitere ist nur Spekulation.

  2. Natürlich ist das von mir Spekulation, beim Lesen der Artikels ist mir diese dazu eingefallen. Klingt für mich auch plausibel 😉

    Erst erodiert meist nur wenig, die Uferkante wird unterspült und eines Tages fällt dann mal ein ganze Stück Ufer in das Fließgewässer. Aus diesem Grund betreibt man ja normaler Weise auch Ufer- und Gewässerpflege bei nicht „natürlichen“ Gewässern.
    In natürlich belassenen muss man solche Dinge eben in Kauf nehmen, ist eben Natur.