Aktuell
Home | Lokales | Gellersen | Mountain-Biker pachten Trainingsstrecke von Landesforsten und helfen bei Pflanzaktion
Sven Barton (l.) und Eduard Hanikel bei der Pflanzaktion auf ihrem Trainingsgelände. Auch der Nachwuchs leistet bereits tatkräftige Unterstützung. Foto: kre
Sven Barton (l.) und Eduard Hanikel bei der Pflanzaktion auf ihrem Trainingsgelände. Auch der Nachwuchs leistet bereits tatkräftige Unterstützung. Foto: kre

Mountain-Biker pachten Trainingsstrecke von Landesforsten und helfen bei Pflanzaktion

kre Barendorf/Lüneburg. Ein Missverständnis räumt Sven Barton gleich mal zu Beginn des Gespräches aus. ,,Wir sind Mountain-Biker, keine BMX-Fahrer!“ Ein gehöriger Unterschied. Nicht unbedingt für den Laien, wohl aber für die Radfahrszene. Denn kurz gesagt: BMX-Räder sind mehr oder weniger kleine Fahrräder, bestens geeignet für Akrobatik und Kunststücke. Mit den Mountainbikes aber stürzt man sich wagemutig die Abfahrt hinunter. Über Stock und Stein, über Wurzeln, über selbstgebaute Hindernisse. „Downhill“ nennen das die Zweirad-Sportler ,,absoluter Wahnsinn“ die Zuschauer.

So, nachdem die Begrifflichkeiten geklärt sind, kann Sven Barton den eigentlichen Grund nennen, warum sich trotz Regenwetters an diesem Sonnabend gut zwei Dutzend Mountain-Biker im Wald Auf der Steinhöhe zwischen Fernsehturm und Elbe-Seitenkanal getroffen haben. Statt in die Pedalen der Hightech-Räder zu treten, ist nämlich Bäume pflanzen angesagt. Gut 2000 Buchen-, Ahorn- und Lindensetzlinge müssen in die Erde gebracht werden.

Für Sven Barton und seine Kumpels eine Selbstverständlichkeit. Und nicht nur bei Adrian Wienecke und Eduard Hanikel schwingt ein bisschen Stolz in der Stimme mit, als sie sagen: ,,Das ist für uns ein Geben und ein Nehmen!“

Stimmt: Denn seit etwa 2008 ist ihr Trainingsgelände eine offizielle Radsportstrecke des Ortsclubs Lüneburg im ADAC, gepachtet von den Niedersächsischen Landesforsten. Vorher hatten die Biker des ,,Salt-City-Rider-Teams“ mehr oder weniger heimlich in dem hügeligen Waldstück die ,,Downhill“-Abfahrten trainiert. Bis der Barendorfer Revierförster Oliver Christmann die Strecke im Wald entdeckte, die von mal zu mal ein bisschen größer geworden war. ,,Das ging so natürlich nicht“, betont der Revierchef. Aber die Hindernisse einfach abzureißen und die Mountainbiker aus dem Wald zu vertreiben, war für den Förster, der selbst begeisterter Sportler ist, auch keine Alternative. Er suchte das Gespräch mit den Verantwortlichen der „Salt-City-Riders“, eine Abteilung des ADAC-Ortsclubs Lüneburg und gemeinsam fand man die Lösung, die alle Seiten als vorbildlich bezeichnen. Der ADAC hat die Bahn im Wald jetzt offiziell gepachtet, der Streckenverlauf wurde in den Karten genau eingetragen. ,,Das ist schon aus versicherungstechnischen Gründen wichtig, dass die Verhältnisse jetzt sauber geklärt sind“, sagt Förster Oliver Christmann.

Und wenn Aufforstungsarbeiten auf ihrem Areal anstehen so wie am Sonnabend dann packen die Mountainbiker selbstverständlich tatkräftig mit an. ,,Ist doch selbstverständlich“, sagt auch Tobi Gaebel vom Vorstand der „Salt-City-Riders“. Überhaupt sind die Jungs mit Spaß bei der Sache: „Kaum zu glauben, dass wir im deutschen Wald Bäume pflanzen“, scherzen Eric Robinson und Adrian Horn. Der eine Brite, der andere Neuseeländer und beide ebenfalls begeisterte Mountainbiker.

Glück für die Mountainbiker: ,,Andernorts nimmt das nicht so ein gutes Ende, da werden die Hindernisse vom Förster einfach abgeräumt“, erklärt Eduard Hanikel, und Sven Barton sagt: ,,Ich glaube, dass wir der Verein in ganz Deutschland sind, der die wenigsten Probleme hat“. Da ist wohl was dran. Denn neben dem Gelände Auf der Steinhöhe haben die Mountainbiker auch noch ein weiteres Trainingsgelände auf dem Gelände des ADAC-Fahrsicherheitszentrums in Embsen und ein drittes in der Nähe des KVG-Areals.

Bei den ,,Downhill“-Abfahrten im Wald zwischen Elbe-Seitenkanal und Fernsehturm absolvieren die Mountainbiker Sprünge über selbst gebaute Rampen von bis zu acht Metern. ,,Das würde ich mich im Leben nicht trauen“, zollt Christmann den Radsportlern Respekt. Ist aber noch gar nichts, sagt Adrian Wienecke schmunzelnd. Schließlich war sein Kumpel Sven Barton erst kürzlich in Kanada 22 Meter weit gesprungen. Mit dem Fahrrad wohlgemerkt. Der legendäre Evel Knievel aus den USA lässt grüßen.

Nur, dass der 2007 verstorbene Stuntman für seine waghalsigen Sprünge ein Motorrad brauchte. Für die „Salt-City-Riders“ reicht Muskelkraft, Können und eine gehörige Portion Mut.