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21 Fahrräder kamen bei der Sammelaktion von Schülern der Lüneburger Herderschule für die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft am Ochtmisser Kirchsteig zusammen. Foto: t&w
21 Fahrräder kamen bei der Sammelaktion von Schülern der Lüneburger Herderschule für die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft am Ochtmisser Kirchsteig zusammen. Foto: t&w

Auf zwei Rädern durch die Stadt – Herderschüler übergeben Flüchtlingen Fahrräder aus Spendenaktion

us Lüneburg. Rund zweieinhalb Kilometer sind es vom Ochtmisser Kirchsteig bis in die Stadt, zu Fuß in etwa 30 Minuten zu schaffen. Viele Bewohner der dortigen Flüchtlingsunterkunft legen den Weg täglich zurück, sei es, um Behördengänge zu erledigen, sich die Stadt anzuschauen oder sich mit Freunden zu treffen. Einige von ihnen sind künftig deutlich schneller unterwegs, dafür haben Schüler der Herderschule gesorgt. Per Aufruf in ihrer Schule und der Nachbarschaft am Kreideberg haben sie 21 Fahrräder zusammenbekommen, die sie jetzt den Bewohnern übergeben haben.

„Wir haben acht Fahrräder für Kinder und 13 für Erwachsene eingesammelt“, berichtet Nelly Wrede. Die Zehntklässlerin ist Mitglied der Arbeitsgruppe „Schule gegen Rassismus“, die bereits seit zwei Jahren an der Herderschule aktiv ist. Schwerpunkt der AG in diesem Schuljahr ist das Thema „Flüchtlinge in der Nachbarschaft“, eine Aktion war das Sammeln von Fahrrädern.

„Vor allem Senioren haben Fahrräder gespendet, oft, weil sie sich ein E-Bike gekauft haben und das alte Rad jetzt nutzlos im Keller stand“, erzählt Nelly. Aber auch Kinderräder sind dabei, die von den Familien in der Unterkunft dankbar entgegengenommen wurden.

Begeistert von der Aktion ist auch Hussein Alshatheli: „Ich freue mich sehr darüber und danke den Lüneburgern. Nicht nur für die Fahrräder, sondern insgesamt für die viele Hilfe und Unterstützung, die wir hier erfahren“, sagt der 30-jährige Syrer. Seit drei Monaten ist er in Deutschland, im Januar kam er nach Lüneburg. Oft trifft er sich auch mit Freunden aus den Unterkünften am Meisterweg und an der Bleckeder Landstraße, „dafür kann ich das Rad gut gebrauchen“, erzählt er auf Englisch mit einigen Brocken Deutsch dazwischen.

„Deutsch lernen steht für alle ganz oben“, sagt Ines Gödeke. Als Sozialarbeiterin begleitet sie die Bewohner der Unterkunft am Kirchsteig und weiß, wo bei ihnen ganz besonders der Schuh drückt. „Nach der Sprache kommt gleich die Mobilität. Die Lage hier am Kreideberg ist zwar toll, aber die Wege zum Einkaufen und zu den Freunden sind schon weit.“ Indirekte Unterstützung beim Deutschlernen bekommen die Flüchtlinge auch von der Herderschul-AG. Einmal pro Woche gibt es ein Treffen im Kredo, dann werden Spiele gespielt oder es wird einfach nur geklönt. „Meist auf Englisch zwar, aber natürlich ist immer auch ein bisschen Deutsch dabei. Sie sind alle sehr daran interessiert“, erzählt AG-Mitglied Fides Walles.

Ob es bald einen gemeinsamen Fahrradausflug gibt, steht noch nicht fest, Hussein aber kann sich durchaus vorstellen, mit seinem neuen Rad auch mal zum Picknick zu fahren.

Pflanzaktion
Für die Flüchtlingsunterkunft am Ochtmisser Kirchsteig planen die Kleingärtner vom Kreideberg mit dem Bezirksverband und den Grünen am kommenden Freitag, 27. März, 10 Uhr, eine Pflanzaktion. „Mit den Flüchtlingen wollen wir das Außengelände grüner gestalten“, sagt Andreas Calovius vom Bezirksverband. „Wir würden uns freuen, wenn wir dafür noch Lüneburger zum Mitmachen und Pflanzenspender gewinnen könnten.“ Gartengeräte müssen nicht mitgebracht werden, auch der Boden ist bereits für die Pflanzungen vorbereitet. „Freuen würden wir uns über Ableger von mehrjährigen Pflanzen und über Blumenstauden“, sagt Andreas Calovius. Heckenpflanzen werden indes nicht gebraucht, lediglich Pflanzen, die auch nach ein paar Jahren ohne Maschineneinsatz wieder entfernt werden können.