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Der Streit um die  Immobilie mit dem Bellys reißt nicht ab. Foto: A./t&w
Der Streit um die Immobilie mit dem Bellys reißt nicht ab. Foto: A./t&w

Streit um das ehemalige Mäxx: eine unendliche Geschichte

ca Lüneburg. Am Schrangenplatz ist offensichtlich gutes Geld zu verdienen, und so wird um das ehemalige Lokal Mäxx, das nun Bellys heißt, trefflich gestritten. Das heißt genauer genommen um die Immobilie: Der Hausbesitzer hat dem Wirt eine Kündigung geschickt, der wehrt sich dagegen. Jetzt verhandelte die 3. Zivilkammer am Landgericht zum zweiten Mal über den Rausschmiss. Zwar versuchte die Vorsitzende Richterin erneut, einen Kompromiss zu erzielen, doch beide Seiten schüttelten mit dem Kopf. Und so scheint eins sicher: Egal wie das Urteil ausfällt, der Fall wird wohl in die nächste Instanz gehen.

Die Sache ist kompliziert. Es hat Insolvenzen und Untermietverträge gegeben. Schließlich kam im vergangenen Jahr ein neuer Wirt, der das Lokal übernahm, obwohl bereits 2013 eine Räumungsklage lief. Nach eigenen Worten hat er sich bemüht, mit dem Hauseigentümer eine gemeinsame Lösung zu finden. Er war auch zu einer Pachterhöhung bereit, obwohl die Miete bereits bei 12000 Euro im Monat liegt. Die Summe war am ersten Verhandlungstag genannt worden. Doch der Eigentümer lehnte ab, forderte den Kneipier auf zu gehen. Wie berichtet, hat der Hausbesitzer bereits einen neuen Mietvertrag geschlossen einen Tag bevor der Prozess begann.

Die Richterin machte auf verschiedene Rechtsfragen aufmerksam, ein ganzer Schwung juristischer Kniffeligkeiten sei zu bedenken. Dabei ging es unter anderem darum, unter welchen Bedingungen sich der Mietvertrag verlängert. Eine entsprechende Option räumt Fortsetzungen von fünf Jahren ein. Dieses Instrument hatte in den vergangenen Jahren mehrfach gegriffen. Auch um Faktoren einer „außerordentlichen Kündigung“ ging es. Allerdings sagte die Richterin: Die Kammer könne zu dem Schluss kommen, dass das Pachtverhältnis am 30. Juni 2015 ende.

Das sehen der Wirt und sein Anwalt Jens-Uwe Thümer anders, sie meinen, erst 2020 ist Schluss. Der neue Chef sagte, er habe inzwischen 350000 Euro investiert. Davon dürfte er kaum etwas wiedersehen, wenn er jetzt das Feld räumt. Und so erzählte er erbost, dass sein mutmaßlicher Nachfolger schon bei ihm angerufen habe und ihm eine geringe Summe geboten habe, um das Inventar übernehmen zu können: Lieber reiße er alles raus, als sich da­rauf einzulassen.

Überhaupt: der mögliche neue Mieter. Selbst die Richterin mutmaßte, der könne etwas mit den vorherigen Betreibern zu tun haben. Aber darüber habe sie nicht zu befinden. Der Name des Pächters weist allerdings in eine Richtung: Lüne­mäxx GmbH. Die hat ihren Sitz in der Nähe von Hildesheim. Daher stammt die Familie des ersten langjährigen Mäxx-Wirtes Mehmet Sevim, der sich 2011 nach Problemen mit der Steuerfahndung ins türkische Antalya absetzte. Angeblich um Urlaub zu machen. Inzwischen wird er wegen möglicher Millionenschulden gesucht, der Haftbefehl lautet auf Betrug. Die Türkei weigerte sich, den Mann auszuliefern.

Am Mittwoch war ein Vertreter der Lünemäxx GmbH im Gericht. Weder er noch der Hausbesitzer wollten Stellung gegenüber der LZ beziehen. Die 3. Zivilkammer des Landgerichts will ihre Entscheidung Ende April verkünden.

 

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