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Seit Jahrzehnten lenken sie die Geschicke des ALA gemeinsam (v. l.): Hans-Herbert Sellen, Curt Pomp und Christian Burgdorff. Jetzt zieht sich Pomp von seinem Amt zurück und soll Ehrenvorsitzender werden. Foto: ca
Seit Jahrzehnten lenken sie die Geschicke des ALA gemeinsam (v. l.): Hans-Herbert Sellen, Curt Pomp und Christian Burgdorff. Jetzt zieht sich Pomp von seinem Amt zurück und soll Ehrenvorsitzender werden. Foto: ca

Eine Ära geht zu Ende

ca Lüneburg. Der Marktplatz könnte sich einen Meter hochwölben, dazu Abluftschächte. Wäre die Idee vor Jahrzehnten Wirklichkeit geworden, läge heute eine Tiefgarage unter dem Marktplatz. Wer weiß, welche Schäden an den umliegenden Jahrhunderte alten Gebäuden durch das Wühlen im Untergrund entstanden wären. Dass es nicht so kam, ist vor allem das Werk Curt Pomps und des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt. Noch heute erzählt er stolz, dass er die Ideen gemeinsam mit dem damaligen LZ-Chefredakteur Helmt Pless verhindert hat: „11000 Unterschriften dagegen. Das Projekt war politisch tot.“ Nur eine der Geschichten, die Bausünden verhinderten oder zumindest minderten.

Nun will Pomp kürzer treten, er gibt den Posten als ALA-Vorsitzender auf. Seit der Gründung vor 43 Jahren steht er an der Spitze. Wenn sich die Mitglieder am 21. April um 19 Uhr im Glockenhaus zur Jahresversammlung treffen, geht eine Ära zu Ende. Und es soll der Versuch eines behutsamen Generationswandels beginnen. Christian Burgdorff, seit 41 Jahren im ALA aktiv, bewirbt sich um das Amt des Vorsitzenden, Hans-Herbert Sellen, seit 26 Jahren als Schatzmeister tätig, will ihm zur Seite stehen. Dazu Inga Whiton, auch seit langem dabei, sowie der Autor mehrerer Bücher zur Stadtgeschichte, Dr. Werner Preuß, und der Bauingenieur Rainer Haffke wollen das fünfköpfige Führungsgremium bilden. Bei der Wahl tritt das Quintett gemeinsam an.

Über die Jahrzehnte hat sich die Arbeit des ALA verändert. Pomp und Burgdorff sprechen über die Anfänge als „Kampfzeit“. In den 60er und 70er Jahren kreiste in Lüneburg immer wieder die Abrissbirne. Die Altstadt rund um Michaelis galt als Schandfleck, die manche durch einen Parkplatz ersetzen wollten. Das konnten weitsichtige Zeitgenossen verhindern. Doch es kam zu Scheußlichkeiten wie dem C&A-Bau, für den uralte Häuser fielen.

Jährlich erschien der Abriss-Kalender von Adolf Brebbermann, der mit feiner Feder dokumentierte, welche Kostbarkeiten gesichtslosen Neubauten wichen. ALA-Mitglieder sorgten für ein Umdenken.

Pomp, Burgdorff und Sellen plädieren für eine lange Sicht: Lüneburgs Schatz sind die 1400 Baudenkmale, die Geschlossenheit des Ensembles der Innenstadt mache die Salzstadt zum Magneten für Hunderttausende Besucher und trage zur guten wirtschaftlichen Situation des Handels bei.

Dass sich kurzfristige Entscheidungen als Reinfall erweisen können, macht der ALA am Kaufhaus-Komplex an der Grapengießerstraße fest: Der stehe nach dem Auszug von P&C leer. Es wäre damals sinnvoller gewesen, die alten Gebäude als kleine Ladengeschäfte zu erhalten. Und nicht nur das, Handelsketten mit ihren Quadratmeter-Wünschen ließen das Wohnen in der Innenstadt oft unmöglich werden Wohnungen über Geschäften würden nicht genutzt, weil es keine Zugänge gebe. Hier müssten Rat und Verwaltung im Sinne einer lebendigen Stadt gegensteuern.

Der ALA mit seinen 600 Mitgliedern benötigt Nachwuchs. Auch um einen Übergang zu schaffen für neue Herausforderungen. „Der ALA ist eine Daueraufgabe“, sagt Burgdorff. Der 70-Jährige pflegt einen anderen Stil als Pomp, der seine Kritik sehr scharf formulieren kann. Burgdorff ist zwar klar in der Sache, doch diplomatischer.

Er sitzt im Bauausschuss der Stadt. „Da erfahren wir viele Hintergründe“, sagt er. Der ALA könne Einfluss nehmen. Längst sei der Verein, dessen Mitglieder über profundes Wissen über Bautechniken und Baugeschichte verfügen, ein geschätzter Ansprechpartner der Denkmalpflege, aber auch für manchen Politiker.

Über die Alte Handwerkerstraße und den Christmarkt, die nach Vorbild der Zeit um 1500 abgehalten werden, samt alter Handwerkstechniken und Stadtwache, findet der ALA bei Jüngeren Zuspruch, einige engagieren sich dann in anderen Fragen.

Und natürlich kann Curt Pomp nicht ganz von seiner Leidenschaft für Lüneburg lassen. Er soll Ehrenvorsitzender werden. Auf die Stimme des 81-Jährigen mag der ALA nicht verzichten.