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Noch sieht es karg aus in der Hügelgräberheide Behringen. Doch schon bald soll Heidekraut wachsen, der Spaziergang auf dem Rundwanderweg auch optisch ein Erlebnis werden. Foto: at
Noch sieht es karg aus in der Hügelgräberheide Behringen. Doch schon bald soll Heidekraut wachsen, der Spaziergang auf dem Rundwanderweg auch optisch ein Erlebnis werden. Foto: at

Rundgang durch die Steinzeit – Barrierefreier Wanderweg durch die Hügelgräberheide Behringen

at Behringen. Die Anhöhe nach Behringen, unweit von Bispingen gelegen, war für frühe Besiedlungen ideal: gute Sicht ins Land, gut zu verteidigen. Auf der hervorgehobenen Stelle der sonst platten Landschaft wurden von der Jungsteinzeit bis in die Bronzezeit hinein die Oberhäupter der Bauernfamilien begraben. Vermutlich über einen Zeitraum von 1500 Jahren. Heute ist die Anhöhe an der Kreisstraße 51/Ecke Sellhorner Weg kartiert. 27 Hügelgräber zeugen noch von dem Bestattungskult der Menschen. Seit Kurzem sind diese bestens begehbar. Ein 500 Meter langer barrierefreier Rundwanderweg führt durch die Hügelgräberheide Behringen, große Tafeln informieren über die Geschichte, die Lage und die Arbeiten rund um die Freilegung.

Schon jahrzehntelang gehört das Areal dem Verein Naturschutzpark (VNP). Finanziell und fachlich gab es jedoch nie die Möglichkeit, die Hügelgräber freizulegen. Nun hat das Land Niedersachsen dem VNP Mittel des EU-Projektes „Natur erleben“ genau für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Unter der Leitung von Projektmanagerin Lena Noa vom VNP wurde es über den Winter umgesetzt.

Bäume wurden dafür gefällt, Büsche und Gestrüpp beseitigt, das Gelände zunächst freigelegt. Zu Tage kam ein Hügelgräberfeld, dessen genaue Grab-lagen erst ein digital erstelltes Höhenrelief zeigte.

Diese Darstellung machte auch kleine Erhebungen sichtbar, unter denen vermutlich Urnengräber liegen. Mit schwerem Gerät mussten die Mitarbeiter des Tiefbauunternehmens i-Bau vorsichtig die Anlagen umkurven, um letztlich den Weg anzulegen, der auch rollstuhlfahrenden Menschen einen Ausflug in die Geschichte ermöglicht. Kein Grab durfte beschädigt werden.

Rund 1000 Hügelgräber vermuten Experten allein im Heidekreis, einige davon liegen bei Behringen, andere bei Borstel in der Kuhle, in Nieder- oder auch Oberhaverbeck. „Viele findet man aber nicht, weil sie im Wald verborgen sind“, sagt Christian Müller von der Unteren Denkmalschutzbehörde.
Müller vermutet, dass nahe der Behringer Hügelgräber ein Hof gestanden haben muss, dessen Bewohner „hier ihre Häuptlinge und Häuptlingsfrauen“ begraben hätten. Denn nur die Elite der Familie sei unter Grabhügeln bestattet worden, „andere erhielten nur eine Erdbestattung“, sagt Müller. Sonst müsste man noch viel mehr dieser Gräber entdecken.

Das gesamte Gebiet näher in Augenschein zu nehmen, möglicherweise die Hügel aufzugraben, das sei keineswegs geplant. Aber die Fläche ist durch das niedersächsische Denkmalschutzgesetz geschützt.

„Buddeln“, das Wort hört Experte Thieme zwar nicht gern, ist an der Stelle verboten. „Nur, wenn irgendwo eine Straße neu gebaut wird, dann besteht immer eine Chance etwas zu entdecken. Dann müssen und dürfen wir auch graben“, sagt Thieme.

„Das Wichtigste ist, dass es von der Bevölkerung anerkannt wird“, betonte VNP-Geschäftsführer Mathias Zimmermann.