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Aufsicht auf den werdenden Bio-Meiler, der am Sonnabend bei einem Workshop im Amt Neuhaus entstand. Foto: cw
Aufsicht auf den werdenden Bio-Meiler, der am Sonnabend bei einem Workshop im Amt Neuhaus entstand. Foto: cw

Bürger bauen Bio-Meiler – Neuhauser Verein Konau 11 gewinnt beim Ideenwettbewerb „Ländliche Energieprojekte“

cw Neuhaus. Ein riesiger, dampfender Haufen von fein gehäckseltem Holz und Grünzeug liegt auf dem Hof des ehemaligen Elektrizitätswerks in Neuhaus. Ein Trecker schiebt seine Schaufel in das Gemisch, bringt es zu einem Ring aus Betonpfosten und Strohballen und kippt vorsichtig ab. In dem Ring stehen mehrere Menschen, verteilen das Material und gießen mit dem Schlauch Wasser da­rüber. Was wie das Umverteilen von Grünschnitt aussieht, ist aber viel mehr: Es ist der Bau eines Bio-Meilers, der künftig nicht nur gut ein Jahr lang den Arbeitsraum von Hausbesitzer Christian Fabel heizen soll, sondern gleichzeitig auch eine gute Gelegenheit für die Neuhauser ist, ihren Grünschnitt los zu werden und dafür guten Kompost zu bekommen.

Mit dem Projekt Bio-Meiler hatte sich der Verein Konau11, der die Obstbaumalleen im Amt Neuhaus pflegt, beim Ideenwettbewerb „Ländliche Energieprojekte“ der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal beworben und gewonnen. Beim Workshop am Sonnabend wurde der Meiler mit Hilfe vieler Freiwilliger und der Kinder- und Jugendfeuerwehr aufgebaut und gleichzeitig die offizielle Siegerurkunde überreicht.

„Ich bin hier als Lernende“, sagte die stellvertretende Landrätin Stefi Brockmann-Wittich bei der kleinen Feierstunde, die flugs in eine Baupause eingeschoben wurde. „Dass wir im Kreis jetzt so eine umweltfreundliche Technik bekommen, die mittels Verwendung von Landschaftspflegeschnitt Energie und gleichzeitig Kompost erzeugt, bringt uns auf dem Weg zum energieautarken Landkreis einen Schritt weiter“, sagte sie. Auch Bürgermeisterin Grit Richter freute sich über das prämierte Projekt. „Ich habe zwar bislang keinerlei Erfahrung damit, aber ich bin stolz darauf, dass so etwas hier entsteht“, erklärte sie. „Wir sind alle gefordert, neue Ideen zu entwickeln, um unsere Gemeinde voran zu bringen.“

Die Regionalmanagerin der Bioenergie-Region Wendland-Elbe, Dorothea Angel, lobte ebenfalls die Idee. „Wir hatten diese Technik bislang gar nicht im Visier und freuen uns umso mehr, dass neben dem Verein Artenreich in Höhbeck auch hier in Neuhaus der Verein Konau11 einen Bio-Meiler verwirklicht.“ Sie überreichte die offizielle Urkunde an Julia Gerdsen vom Verein Konau11, die sich für die Unterstützung der Bioenergie-Region und Christian Fabel bedankte, der seinen Hof für das Projekt zur Verfügung gestellt hat.

Hintergrund für die Idee war schlicht und einfach die Suche nach einer geeigneten Möglichkeit das Schnittgut, das bei der Pflege der Obstbäume anfällt, sinnvoll zu entsorgen. „Mit dem Bio-Meiler haben wir einen perfekten, 100-prozentigen Kreislauf“, freute sich Julia Gerdsen.

Überdimensionaler Komposthaufen
Ein Bio-Meiler ist wie ein überdimensionaler Komposthaufen, dessen Wärme genutzt wird, wie Miriam Wiese von der Firma Wiesen-Meiler erklärt. Biomaterial wird aufgeschichtet und gewässert. Während der Zersetzung durch Bakterien entsteht Wärme. Diese Wärme wird über das Wasser in einem Schlauchsystem, das mit verbaut wird, abgeleitet. Es kann beispielsweise zur Beheizung von Niedrigtemperaturheizungen wie Wand- und Fußbodenheizungen genutzt werden. Im Schnitt entstehen im Bio-Meiler Temperaturen zwischen 45 und 70 Grad je nach Größe des Meilers und Zusammensetzung des Materials. Da die Bakterien auch eine gewisse Wärme brauchen, um zu arbeiten, braucht der Meiler etwa zwei mal zwei Stunden Pause am Tag. Integrierte Temperaturfühler helfen, die Wärme im Meiler zu überwachen. Ein großer Meiler kann zwischen einem und zwei Jahre Wärme liefern, danach wird er umgesetzt und rottet noch zwei Monate endgültig durch, bis der Kompost verwendet werden kann. Im Gegensatz zum Komposthaufen, kann der Meiler jedoch nicht beliebig weiter „gefüttert“ werden, weil das das biologische Gleichgewicht zu sehr stören würde. cw

One comment

  1. Wir finden es schön, dass unsere Methode des Biomeilers Anklang in der Bevölkerung und in den Gemeinden findet. Wir haben Marion Wiese mit unseren Open Source Infomaterial dabei unterstützt, dieses Projekt zu realisieren. Sie können sich eine Broschüre über den Bau von Biomeilern von unserer Webseite kostenlos downloaden. http://www.native-power.de/de/content/kostenloses-ebook

    Mit freundlicher Unterstützung
    Das Native Power Team