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Alarm bei der Feuerwehr: Die Einsatzkräfte eilen zu ihrem Fahrzeug, um möglichst schnell am Unglücksort zu sein. Foto: be
Alarm bei der Feuerwehr: Die Einsatzkräfte eilen zu ihrem Fahrzeug, um möglichst schnell am Unglücksort zu sein. Foto: be

Feuerwehr gibt mehr Gas – Neues Einsatzkonzept soll schneller Hilfe bringen

ca Lüneburg. Knapp 600 Mal ist die Feuerwehr vergangenes Jahr ausgerückt, in den Jahren zuvor haben die Lüneburger Brandbekämpfer aber auch schon die 700er-Marke genommen. Für eine freiwillige Feuerwehr sind das beachtliche Zahlen. Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft und seine Kollegen im Führungskommando haben ihr Einsatzkonzept überarbeitet, um die Last auf mehrere Schultern zu verteilen und noch schneller reagieren zu können. Die Wehr Mitte mit ihren 130 Mitgliedern hatte in der Vergangenheit die meisten Einsätze zu schultern, verstärkt rücken nun auch Helfer aus der Wache im Süden aus, also aus Rettmer, Häcklingen und Oedeme. Dort hat die Wehr rund 100 Mitstreiter.

„Wir wollen die Hilfsfristen verbessern“, sagt Diesterhöft. Denn im Fall der Fälle geht es um Sekunden. Im Schnitt dauere es dreieinhalb Minuten, bis ein Feuer entdeckt wird, weitere eineinhalb Minuten, bis die Leitstelle informiert ist und Alarm geben kann. In Minute acht rückt die Feuerwehr aus, in Minute 13 erfolgt der „erste Angriff“, das meint eine Erkundung, in Minute 18 ist Unterstützung vor Ort.

Über Tag kann die Feuerwehr an der Hauptwache im Lünepark auf die Hauptamtlichen zurückgreifen, die im Zwei-Schicht-Betrieb Fahrzeuge und Gerät in Schuss halten. Dazu kommen Kameraden aus dem benachbarten Wohnhaus der Brandbekämpfer. Doch wenn mehr Einsatzkräfte benötigt werden, dann müssen die Helfer etwa von der Arbeit oder von zu Hause kommen. Das dauert – je nach Verkehrslage.

Feuerwehr und Rathaus haben reagiert. Zum einen hat die Stadt den Feuerwehrleuten jetzt ein neues Tanklöschfahrzeug gekauft, in dem sechs Personen, darunter vier unter Atemschutz, Platz finden. Dazu kommen die Drehleiter mit drei Mann Besatzung und der Brandmeister vom Dienst, macht zehn Helfer.

Parallel prescht nun ein Fahrzeug aus dem Süden los. „Wir haben so schneller Leute und auch Löschwasser vor Ort“, sagt Diesterhöft. Er nennt weitere Vorteile: Durch die zusätzlichen Kräfte steigt auch die Sicherheit der Feuerwehrleute. Sollte einer der Kollegen, die unter Atemschutz in ein brennendes Haus gehen, bewusstlos oder verletzt werden, seien Kapazitäten vorhanden, um dem Betroffenen besser zu helfen.

Zum anderen ist ein „Ausweichfahrzeug“ vorhanden, dass, wenn die Lage im Griff ist, weiter zu einem nächsten Einsatz sausen kann, etwa, um eine Tür für den Rettungsdienst zu öffnen.

Seit dem Jahreswechsel arbeiten die Lüneburger mit dem neuen Konzept. „Es ist noch zu früh, um eine Bilanz zu ziehen“, sagt Diesterhöft. Eine genaue Auswertung soll nach zwei Jahren vorliegen. Aber in den vergangenen Monaten sei man zufrieden mit der Zahl derjenigen, die ausgerückt sind.

Der Stadtbrandmeister unterstreicht, dass die Lüneburger – anders als andere Feuerwehren – nicht unter Personalmangel litten. Zwischen 230 und 240 aktive Mitglieder zähle die Feuerwehr. Natürlich seien Interessenten willkommen, gerade weil nicht jeder Arbeitgeber seine Leute für das Ehrenamt ziehen lässt. Gleichwohl zähle man in den Reihen beispielsweise auch Studenten, Heim- und Schichtarbeiter, die in die Bresche springen.

Doch das neue Konzept sei auf die Zukunft ausgerichtet nach der einfachen Erkenntnis: Da Lüneburg eine wachsende Stadt ist, wachsen auch die Aufgaben der Feuerwehr.

Verständnislos
Auch die Lüneburger Feuerwehr funkt inzwischen digital und ist mit der neuen Technik zufrieden. Im Prinzip. Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft lobt, dass die Funksprechgeräte Nebengeräusche herausfiltern. An sich eine gute Sache. Denn bei Einsätzen geht es laut zu, weil etwa Belüfter, Kompressoren und Pumpen rattern und brummen. „Solche Geräusche sind weg“, sagt der Feuerwehrchef. Doch wenn die Männer und Frauen unter Atemschutz vorgehen, sind sie nicht zu hören. „Wir haben vermutet, dass die Filtertechnik die Atemschutzgeräte als Lärm wahrnimmt“, sagt Diesterhöft. Und dummerweise zusätzlich auch die Stimme verschwinden lässt. Eine Recherche der Spritzenleute ergab, dass die Lüneburger mit den digitalen Kommunikationstücken nicht allein dastehen. Die Frankfurter Berufsfeuerwehr habe ähnliche Erfahrungen gemacht und auch die Herstellerfirma wisse um das Problem. Durch ein Software-Update wäre die Verständlichkeit zu verbessern. Doch dafür brauche es eine behördliche Freigabe, berichtet der Feuerwehrchef. Er hat jetzt die zuständige Stelle zur Hörprobe eingeladen und hofft, dass dann eine Lösung gefunden wird. ca