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Michael Rudolph leistet Bundesfreiwilligendienst beim ASB in Lüneburg. Die Arbeit mit älteren, pflegebedürftigen Menschen bedeutet mir viel, sagt er. Foto: be
Michael Rudolph leistet Bundesfreiwilligendienst beim ASB in Lüneburg. Die Arbeit mit älteren, pflegebedürftigen Menschen bedeutet mir viel, sagt er. Foto: be

Lebenserfahrung als großes Plus – Michael Rudolph leistet mit 56 Jahren Bundesfreiwilligendienst

chm Lüneburg. Lächelnd reicht Michael Rudolph dem älteren Herren in der Tagespflege des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) am Moldenweg einen Teller mit Wurst. „Schmeckts?“ Seit Mitte Januar ist Ru-dolph als Bundesfreiwilliger beim Lüneburger ASB im Dienst. „Eine Bereicherung für den Menschen an sich. Bei meiner Arbeit mit Demenzkranken habe ich Berührungsängste abgebaut“, zieht der 56-Jährige eine Zwischenbilanz. Und er ist sich sicher: „Ältere BFDler wie ich arbeiten mit mehr Lebens- und Berufserfahrung.“

Die Pressestelle der Internetplattform Bufdi.eu hat Zahlen zum Bundesfreiwilligendienst herausgegeben. Danach würde Michael Rudolph zu einer Minderheit zählen, denn die Dienstantritte seien deutschlandweit „dramatisch“ zurückgegangen. Ältere Bufdis treffe es besonders schlimm: mit einer Abnahme der Antritte von 51 Prozent im Vergleich 2014 zu 2013.

Doch Bufdi.eu ist offiziell nicht für den Bundesfreiwilligendienst zuständig. Verwalter ist das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Und das nennt andere Zahlen und geht auf Distanz zu Bufdi.eu. Ein Sprecher sagt auf LZ-Anfrage: „Die Zahlen von Bufid.eu verzerren die Realität.“ Tatsächlich steige die Zahl der Dienstantritte. Fast ein Drittel der BFD-ler sei älter als 27 Jahre.
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Rudolph ist über ein Schicksal in der eigenen Familie zum Bufdi geworden. Seine Mutter litt an einem Hirntumor und wurde pflegebedürftig. Auch das Leben ihres Sohnes nahm dadurch eine Wende. Nach langem Überlegen bewarb er sich für einen Freiwilligendienst beim ASB. „Nicht jeder Berufstätige kann sich ein Ehrenamt leisten, gerade wenn er eine Familie versorgen muss.“ Bei ihm trafen Einsatzbereitschaft und Know-how zusammen – er wurde genommen. Als einer von zwei älteren Bufdis arbeitet Rudolph seither im Team aus freiwilligen und festangestellten Helfern.

In Niedersachsen folgt Rudolph damit einem Trend. Wie auch auf Bundesebene stieg im Land 2014 die Zahl der Freiwilligen. Durchschnittlich halfen im vergangenen Jahr 3471 Freiwillige im Rahmen des BFD in Pflegeeinrichtungen, Kindergärten oder Krankenhäusern. 2013 waren es mit 3338 vier Prozent weniger.

Auch in Lüneburg sei der Dienst stark nachgefragt, sagen Pressesprecherin Suzanne Moenck und ASB-Geschäftsführer Harald Kreft. „Beim ASB gibt es zurzeit mehr junge als ältere BFDler wie Michael Rudolph“, weiß Kreft. „Doch Berufserfahrene sind willkommen.“

BFD oder FSJ? – Freiwilligendienste im Vergleich
Altersbegrenzung: gibt es für einen BFD nicht. Beim FSJ liegt sie bei 27 Jahren. Einsatzbereiche: liegen beim BFD und Jugendfreiwilligendienst in Erziehung, Kultur, Denkmalpflege, Sport und Naturschutz. „Bufdis“ können auch im Zivil- und Katastrophenschutz, in der Altenpflege, Behindertenhilfe und Integration tätig werden. Dauer: beträgt bei beiden in der Regel ein Jahr. Im Gegensatz zum FSJ kann der BFD wiederholt werden: jeweils nach fünf Jahren. Ins Ausland gehen können FSJler, „Bufdis“ jedoch nicht. Einen Vertrag vereinbart der Freiwillige beim FSJ mit vom Land anerkannten Trägern. Beim BFD ist der Bund zuständig.