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Notenstudium: Lea Schwamm, Anton Borderieux, Jakob Nierenz und Matthew Günther haben sich Beethovens Eroica vorgenommen. Foto: ff
Notenstudium: Lea Schwamm, Anton Borderieux, Jakob Nierenz und Matthew Günther haben sich Beethovens Eroica vorgenommen. Foto: ff

Das neue „ensemble reflektor“ feiert seine Uraufführung

ff Lüneburg. Eines Tages, so steht es auf einem Zettel neben der Tür zum Konzertsaal, sei vielleicht eine Sprudelmaschine drin im Etat bis dahin mögen sich die Musiker/innen bitte mit stillem, mit „köstlichem Lüneburger Leitungswasser“ begnügen. Kekse, Äpfel und Birnen immerhin gibt es geschenkt. Ansonsten gilt der Hinweis: „Raucht nicht zu viel spielt den krassesten Beethoven ever!“ Der Ton ist unkonventionell im „ensemble reflektor“, das gerade in der Lüneburger Musikschule probt und am Ostersonnabend seine Uraufführung als Orchester feiert mit der „Eroica“, Beethovens dritter Sinfonie. Krass!

Es ist also eine junge Truppe (21 bis 30 Jahre), die sich hier formiert und künftig in der dichten deutschen Orchesterlandschaft behaupten will: Insgesamt 39 Musiker/innen aus dem gesamten Bundesgebiet hat der Posaunist Matthes Günther (26) zusammengetrommelt. Zu den Initiatoren und Gründungsmitgliedern zählt auch der Scharnebecker Cellist Jakob Nierenz, der gerade sein Bachelor-Musikstudium in Bremen abgeschlossen hat und seinen Master in den USA machen will. Und noch ein wohlbekanntes Gesicht: der Lüneburger Anton Borderieux, der zurzeit Trompete und Jazz in Basel studiert. Alle sind auf dem Weg zum Klassik-Profi, und hier gibt es bereits verantwortungsvolle Aufgaben zu erfüllen.

Es geht auch um den Blick auf die eigene Situation, weshalb der „reflektor“ im Titel steht. Denn der Weg in die großen Orchester ist steinig, da kommen schon mal einige hundert Bewerber aus aller Welt auf eine einzige Stelle. Wer es dennoch schafft, arbeitet unter durchaus stressigen Bedingungen im Orchestergraben und hat kaum Einfluss auf das Programm und seine Gestaltung. Bei dem jungen Ensemble gibt es viel zu spielen, einiges mitzubestimmen und nichts zu verdienen. Zu der Lüneburger Projektwoche, die den Abschluss der insgesamt zweijährigen Gründungsphase bildet, gehören auch Infos über Bewerbungen und Marketing. Ein Musiker muss heutzutage nicht nur ein guter Techniker mit Gespür für Melodien sein, „er muss auch seine Alleinstellungsmerkmale präsentieren können“, so Manager Matthew Günther.

Und er muss ein guter Kommunikator sein. Das ensemble reflektor stellt eine professionelle Weiterführung des Kammerorchesters der „jungen norddeutschen philharmonie“ dar, die 2009 in Rostock gegründet wurde. Matthew Günther spricht statt von Orchestern stets von „Netzwerken“, geplant ist außerdem eine Kooperation mit der Abteilung für Studienvorbereitung an der Lüneburger Musikschule.

Jetzt aber wird erst einmal geprobt. Beethovens dritte Sinfonie Es-Dur, die „Eroica“, geschrieben 1802 und 1803, kündet von dem Übergang der Wiener Klassik zur Romantik, generell von einer turbulenten Zeit: Der Komponist wollte sie auch unter dem Eindruck der Französischen Revolution ursprünglich nach Napoleon benennen: „Bonaparte“. Es ist, nach den ersten beiden, auch die dritte Beethoven-Sinfonie, die das ensemble reflektor spielt. Vielleicht arbeitet es sich durch alle Sinfonien und wenn es bei der „Neunten“ angekommen ist, wird auch eine Sprudelmaschine denkbar sein.

Die Termine: Sonnabend, 4. April, 17 Uhr, Musikschule, gespielt wird die Sinfonie unter der Leitung von Thomas Klug, dem langjährigen Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Dazu kommen Beethoven-Stücke für kleinere Besetzungen. Bereits heute, Donnerstag, spielen Jakob Nierenz und Joosten Ellée (Violine) um 19.30 Uhr im Brömsehaus.