Aktuell
Home | Lokales | Archäologisches Zentrum Hitzacker: Bronzezeit zum Anfassen
Handwerk und Lebensweise in der Bronzezeit für Besucher erlebbar machen: Das ist der Anspruch der Leiterin des Archäologischen Zentrums in Hitzacker, Ulrike Braun, und ihres Teams. Foto: rg
Handwerk und Lebensweise in der Bronzezeit für Besucher erlebbar machen: Das ist der Anspruch der Leiterin des Archäologischen Zentrums in Hitzacker, Ulrike Braun, und ihres Teams. Foto: rg

Archäologisches Zentrum Hitzacker: Bronzezeit zum Anfassen

rg Hitzacker. Heute ist Hitz­acker ein beschauliches kleines Städtchen. Eine echte Perle an der Elbe, aber nicht gerade das, was man ein mondänes Zentrum nennt. Das war einmal anders. Vor 4000 Jahren war Hitzacker eine Metropole im Vergleich mit anderen Siedlungen der Bronzezeit. Auf einer Fläche so groß wie das heutige Hitzacker lebten, arbeiteten und starben geschätzte 50 Generationen Bronzezeit-Menschen, bis sie rund 700 Jahre vor Christi Geburt plötzlich verschwanden. Doch sie hinterließen Spuren. Spuren, die sich jeder selbst ansehen kann: im AZH, dem „Archäologischen Zentrum Hitzacker“. In diesem Jahr feiert das Freilichtmuseum seinen 25. Geburtstag.

„Ein Vierteljahrhundert Archäologie zum Anfassen“, sagt AZH-Leiterin Ulrike Braun. Das sei von Anfang an das Motto der Einrichtung gewesen: „Hier soll man Geschichte erleben und begreifen und das im wörtlichen Sinne.“ Darauf sei das ganze Museum ausgerichtet. „Ein Konzept, das funktioniert, das begeistert und das uns nicht nur ein treues Stammpublikum beschert, sondern über die Jahre Zehntausende andere Menschen.“ Bis zu 15000 Gäste kommen Jahr für Jahr ins AZH: Schulklassen, Reisegruppen, Gäste der Region. 2014 begrüßten Braun und Hitzackers Bürgermeister Holger Mertins den 250000. Besucher.

Doch auch im Jubiläumsjahr haben sich die dunklen Wolken über dem AZH nicht verzogen. Das Geld ist knapp. 2006 übernahm die Stadt Hitzacker die Trägerschaft des AZH vom Landkreis eine Sparmaßnahme, um den hoch defizitären Kreishaushalt zu entlasten. Seither belastet das AZH den Etat der Stadt Hitzacker. Zwar trägt das Freilichtmuseum 65 Prozent seiner Ausgaben selbst für ein Museum ungewöhnlich viel, doch für die Stadt bleibt es ein Zuschussgeschäft. Aber es sei eben auch ein Wirtschaftsfaktor, hält Ulrike Braun dagegen. „Wir haben allein in den vergangenen neun Jahren rund 650000 Euro an Projektmitteln akquiriert. Und davon wiederum sind zwei Drittel in Form von Aufträgen an hiesige Unternehmen weitergereicht worden“, stellt sie heraus. Und das zusätzlich zu den Gästen, die wegen des AZH nach Hitz­acker kommen und dort als Besucher Geld ausgeben.

Dass die Zukunft des AZH dennoch im Ungewissen liegt, ist der finanziellen Lage Hitz­ackers geschuldet: Die Stadt läuft finanziell auf der Felge, muss sparen und das bekommt auch das Freilichtmuseum zu spüren.

Doch wie gewohnt startet das AZH heute, Mittwoch, in die neue Museumssaison. Bis zum 31. Oktober wird es täglich geöffnet sein, immer von 10 bis 17 Uhr. „Verlässlich“, sagt Ulrike Braun. Und sie ist optimistisch, dass es auch in den kommenden Jahren weitergehen wird. „Dafür tun wir alles, hängen uns voll rein“, sagt sie. Und wer das Team des AZH kennt, der weiß, dass das keine Worthülsen sind.

Die Geschichte des AZH beginnt in den 1960er-Jahren. Damals war schon bekannt, dass sich unter der Erde der Elbestadt Spuren längst vergangener Zeiten befinden. Immer wieder waren bei Bauarbeiten entsprechende Spuren gefunden worden. Doch erst mit dem Bau der Kläranlage nahm die wissenschaftliche Aus- und Bewertung dieser Spuren Fahrt auf. Gezielt gegraben wurde ab Ende der 1970er-Jahre, als Archäologen die Dimension der bronzezeitlichen Siedlung bewusst wurde. Die Funde waren spektakulär und umfangreich. Und man beschloss, diese Funde der Öffentlichkeit zugänglich zu machen in einem Freilichtmuseum.

1989 schließlich war es so weit: Es begann der erste Nachbau eines bronzezeitlichen Gebäudes, basierend auf den Funden in der Erde Hitz­ackers. Ein Jahr später stand das LanghausI, ein sogenanntes Wandgräbchenhaus. Es war der Grundstock, um den herum sich das AZH so entwickelte, wie man es heute kennt.