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Die Winterpause ist gerade vorbei, Anna Falk steckt wieder mitten in der Käseproduktion. Ein Handwerk, mit dem die 29-Jährige aufgewachsen ist. Foto: t&w
Die Winterpause ist gerade vorbei, Anna Falk steckt wieder mitten in der Käseproduktion. Ein Handwerk, mit dem die 29-Jährige aufgewachsen ist. Foto: t&w

Anna Falk und Oliver Levedag erfüllen sich ihren Traum: Neuanfang mit Käse

off Garze. Sie wächst mit Kühen auf. Und verliert ihr Herz an Schafe. Während eines Praktikums in den Pyrenäen entdeckt die Landwirtschaftsstudentin Anna Falk 2009 ihr Faible für Milchschafe, vier Jahre später lässt sie Eltern, Hof und 25 Milchkühe zurück und wagt 2013 als Schafshalterin in Garze den Neuanfang. Gemeinsam mit Freund Oliver Levedag erfüllt sich die Agrarwissenschaftlerin an der Elbe den Traum vom eigenen Betrieb. Mit ein paar Hektar Land, 23 ostfriesischen Milchschafen, einem selbstgebauten Melkstand und einer mobilen Container-Käserei.

Mittagszeit, im Stall hinter der Scheune. Lämmer, Schafe und Bock stehen gemeinsam im halb überdachten Gehege, einige Tiere fressen Heu, andere liegen im Stroh und genießen die Sonne. Im Gegensatz zu vielen anderen Milchschafbetrieben lassen Anna Falk und Oliver Levedag Mütter und Lämmer zusammen, „nur nachts kommt der Nachwuchs nach ein paar Wochen in einen extra Stall, damit wir die Schafe morgens melken können“, sagt Levedag. Verarbeiten können sie so pro Schaf und Tag im Schnitt einen Liter Milch. Genug, findet das Paar und bleibt auch nach der dritten Lammzeit dabei: Aufzucht ist Müttersache.

Eine weitere Besonderheit der Milchschafhaltung: Im Gegensatz zu Kühen wird die ganze Herde nahezu zeitgleich brünstig und zwar immer im Herbst. „Ab Mitte September kommt der Bock in die Herde, die Schafe werden trächtig und stellen sich selber trocken“, sagt Anna Falk. Das heißt, bis zur Geburt geben die Schafe keine Milch mehr, der Betrieb in Melkstand und Käserei ruht und das Angebot reduziert sich auf haltbare Sorten wie Schafskäse in Salzlake. Erst wenn die ersten Lämmer im März groß genug sind, um Heu und Kraftfutter fressen zu können, fängt Anna Levedag wieder an zu melken und frischen Käse herzustellen. Abnehmer dafür hat die 29-Jährige heute mehr als genug: vom Neetzer Heidehauskontor bis zum Marktbeschicker „Die Käseecke“.

Auf dem Milchbauernhof ihrer Eltern ist Anna Falk mit selbst produziertem Kuhkäse aufgewachsen, in den Pyrenäen hat sie das erste Mal Schafskäse hergestellt und ihr Können nach dem Studium als Betriebshelferin auf einem Milchschafbetrieb bei Osnabrück immer weiter verbessert. Heute produziert sie zehn verschiedene Sorten Schafskäse und ist damit in der Region nahezu allein. „Die nächste Schafskäserei gibt es erst wieder am Schaalsee“, sagt sie. Ein Grund, warum sie ausgerechnet in Bleckede neu angefangen haben.

Der zweite: Freund Oliver Levedag. Der 31-Jährige ist im Landkreis Lüneburg aufgewachsen und hat bis zu einem 15. Lebensjahr und dem Umzug der Familie nach Mainz jede freie Minute bei dem Bleckeder Schäfer Stefan Erb verbracht. Nach dem Landwirtschafts-Studium und dem gescheiterten Versuch, mit Anna in den Betrieb ihrer Eltern einzusteigen, kam er als Betriebshelfer zurück in Erbs Schäferei. Unterdessen arbeitete Anna in Osnabrück. Monate, in denen sie unabhängig voneinander feststellten: Die Milchschafhaltung ist einen Versuch wert. Wo, war zunächst offen bis Levedag Bleckede vorschlug. Und alles irgendwie zusammenpasste.

In Ostfriesland kauften sich die beiden Agrarwissenschaftler die ersten 20 Schafe, in Luxemburg fanden sie eine mobile Container-Käserei und in der Garzer Feldmark ein passendes Haus mit Scheune und Grundstück. Den Melkstand mit zwölf Plätzen baute Oliver Levedag in einen ausrangierten Bauwagen, kaufte passend dazu elektrisches Melkgeschirr. „Wenn die Schafe im Sommer Tag und Nacht draußen sind, können wir den Wagen zum Melken auf die Wiese stellen“, sagt Anna Falk. Sind die Lämmer mit sechs Wochen abgesetzt, wird morgens und abends gemolken. Und die Milch alle drei Tage zu Käse verarbeitet.

Den Großteil der Arbeit macht Anna Falk allein, während Freund Oliver in seinem ersten Beruf als Landmaschinenmechanikmeister Vollzeit arbeitet. „Um eine ganze Familie zu ernähren, sind 32 Schafe zu wenig“, sagt sie. „Dafür schaffe ich die Arbeit noch gut allein.“ Oliver Levedag indes ist als Feierabend- und Wochenendschäfer zufrieden. Das Modell „Elble Schafskäserei“ funktionert klein, aber fein. Was daraus wird, „mal sehen“, sagt Anna Falk. Eins allerdings steht für sie fest: Sie will in Zukunft Schafe und keine Kühe melken.