Donnerstag , 8. Dezember 2016
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45,9 Meter lang ist die zweite und noch aktuelle Tanja, die der Fährbetrieb einst für 650.000 Mark in den Niederlanden kaufte und umbaute. Foto: t&w
45,9 Meter lang ist die zweite und noch aktuelle Tanja, die der Fährbetrieb einst für 650.000 Mark in den Niederlanden kaufte und umbaute. Foto: t&w

25-jähriges Jubiläum für Elbfähre „Tanja“: Mit Pferd und Trabi fing es 1990 an

pet Neu Darchau. Zwischen 170 und 180 Mal am Tag pendelt die Fähre zwischen den Elbufern hin und her, das sind 60000 Mal im Jahr. 385700 Passagiere machten die Fahrt zwischen Neu Darchau und Darchau allein im vergangenen Jahr, dazu 167800 Kraftfahrzeuge. Über Jahrzehnte dürften das an die zehn Millionen Passagiere und mehr als vier Millionen Kraftfahrzeuge sein, die vom West- an das Ostufer der Elbe und umgekehrt wechselten. Nach 25 Jahren feiert die Elbfähre „Tanja“ am Sonntag, 12. April, ihr Jubiläum ab 11 Uhr mit einem großen Fest am Hafen Neu Darchau (siehe Text unten).

„Mit Pferd und Trabi über die Elbe“ titelte die Landeszeitung im April 1990, als die „Lastenfähre Tanja“ ein halbes Jahr nach der friedlichen „Wende“ in der DDR ihre ersten Fahrten zwischen „Neu Darchau (Bundesrepublik) und Darchau (DDR)“ hinter sich gebracht hatte. Ein Pferdewagen, gezogen von den Kaltblütern Prinz und Leo, rollte in Neu Darchau als Erster auf die Fähre, dahinter kam ein Trabi und dann viele, viele Gäste.

Tausende Neugierige auf beiden Seiten der Elbe waren Zeugen, feierten ein fröhliches Fest. Wenige Monate, nachdem die Fährverbindung bei Bleckede angelaufen war, gab es in der Region eine zweite Verbindung über die Elbe, in der ersten Zeit am Ostufer noch unter dem kritischen Blick von DDR-Grenzern.

Die Rhein-Reederei Maul hatte die erste „Tanja“ damals für 480000 Mark an die Elbe verkauft, Namensgeberin war die Tochter des Reedereichefs ihr Foto hängt noch heute im Fährbüro in Neu Darchau. Drei Jahre lang pendelte die Fähre zwischen Neu Darchau und Darchau, dann reichte die „Tanja I“ nicht mehr aus, der Eigenbetrieb Fähre Neu Darchau, der die Fähre betreibt, fand in den Niederlanden ein größeres Fahrzeug, griff zu und baute sie um Gesamtkosten: 650000 Mark. 45,9 Meter lang ist die Fähre, die noch heute in Betrieb ist, 12,1 Meter breit, der Tiefgang bei vollbeladenem Zustand beträgt 1,20 Meter, die Tragfähigkeit 140 Tonnen.

„Ein Lotteriegewinn“, befand der damalige Bürgermeister von Neu Darchau, Gerhard Habenicht, nach dem Kauf. „Der Einfachheit halber wurde der Name ,Tanja dann beibehalten“, erklärt der Technische Betriebsleiter Ernst-W. Meihöfer. Gemeinsam mit Erwin Kruse und Brigitte Suhrke leitet er den Eigenbetrieb Fähre „Tanja“.

Von den sieben Fährleuten, die heute an sieben Tagen in der Woche, an den Werktagen von 5 bis 21 Uhr, den Betrieb am Laufen halten, sind zwei schon seit 1990 dabei: Frank Stoll, der vor seiner Zeit als Fährführer mit Ausflugsbooten auf den Flüssen und Kanälen Ost-Berlins unterwegs war. „Die neue Tanja und ich haben das gleiche Geburtsjahr, nämlich 1959“, sagt er lächelnd. Und Marian Klärner, zuvor als Vollmatrose für die DDR-Hochseefischerei weltweit auf den Meeren zu Hause.

Mit Hilfe von Hebeln und Knöpfen und mit ganz viel Fingerspitzengefühl bewegen sie und ihre Kollegen die „Tanja“ Tag für Tag sicher zwischen den Fähranlegern am westlichen und östlichen Ufer hin und her. Bei Sonne, aber auch bei Regen, Schneefall oder Nebel, bei Niedrig- und Hochwasser und bei Eisgang. An Bord sind jeweils zwei Besatzungsmitglieder vier Stunden im Ruderhaus, vier Meter über dem Deck, dann für vier Stunden an Deck, um dort die Passagiere abzukassieren, An- und Ablegen zu überwachen.

„In den letzten Jahren haben wir viel Geld in die Technik der ,Tanja investiert“, berichtet Ernst-W. Meihöfer. So wurden vor zwei Jahren die Maschinen erneuert, im vergangenen Jahr wurde der Antrieb auf Dieselelektrik umgestellt. Das spare Treibstoff und sei auch viel leiser, erklärt der Technische Betriebsleiter. Fährführer Frank Stoll erinnert sich: „Manchmal haben uns in den ersten Tagen nach der Umstellung Leute gefragt: Wann fahren wir denn endlich los? Dabei waren wir schon längst unterwegs.“

Ernst-W. Meihöfer ist für die Zukunft der Fährverbindung zwischen Neu Darchau und Darchau zuversichtlich und freut sich auf viele weitere Tausend Touren: „Mit den technischen Umstellungen sind wir für die nächsten Jahre aus dem Schneider.“

Geburtstagsfeier am 12. April im Hafen
Mit einem zünftigen Fest wollen die Betreiber der „Tanja“ das 25-jährige Bestehen der Fährverbindung zwischen Neu Darchau und Darchau feiern – Motto: „Fähre Tanja macht Fest“. Am Hafen Neu Darchau gibt es am Sonntag, 12. April, ab 11 Uhr Freibier, Würstchen, Fischbrötchen und vieles mehr. Besondere Attraktion: Für Fußgänger ist die Passage zwischen den beiden Ufern den ganzen Tag über kostenlos. Unter anderem dabei ist auch die DLRG-Gruppe Hitzacker, die ein Glücksrad anbietet. Bei der Schützengilde Bleckede können Interessierte Lichtpunktschießen ausprobieren, die Energieversorgung Dahlenburg-Bleckede ist mit Elektroauto und Elektrofahrrad dabei. Der Erlös fließt in den Spielplatz Neu Darchau, weitere 1000 Euro schießt dafür die Volksbank bei.

8 Kommentare

  1. Markus Stetzuhn

    Beileibe kein Grund zum feiern
    Der Fährbetrieb ruht zwischen 5 und 21 Uhr. Was das für Bewohner des Amtes Neuhaus (Landkreis Lüneburg!) und die Darchauer bedeutet ist doch offensichtlich. Besuch von kulturellen Veranstaltungen in Lüneburg sind quasi nicht möglich. Ist das Theater oder der Kinofilm aus- steht die Fähre bereits. Wie bei Hochwasser und Eisgang. Oder den häufigen Reparaturarbeiten an der Tanja. Schulkinder und Pendler müssen das ausbaden, was unsere unfähigen Politiker einfach nicht schaffen: Den Bau einer Brücke. Der Landkreis Lüneburg läßt die eigenen Einwohner hängen. Schon mal überlegt, wie man aus dem Amt Neuhaus Behördengänge und Termine in Lüneburg (Rentenkasse, Landkreis, Jobcenter) wahrnehmen soll, wenn man kein Auto hat? und die Fähren in Bleckede und Darchau nicht fahren?

  2. wer natürliche grenzen in seiner entscheidung missachtet , kann schnell mit zitronen handeln. die elbe war und ist schon immer genau dort eine natürliche grenze gewesen. oder gab es da schon mal eine brücke?

    • Markus Stetzuhn

      1927 wurde ziemlich genau am selben Standort die erste Feste Elbquerung geplant. Sie wäre auch gebaut worden, hätten die Nazis später den Bau nicht verhindert. Eine Elbbrücke wurde als nicht kriegswichtig eingestuft.

  3. die neuhauser sollten endlich mal zugeben, dass sie sich es einfacher gedacht haben, am westlichen,,wohlstand “ zu partizipieren. sie können ja selbst eine brücke bauen. dann wissen sie, was es kostet. die neuhauser wollten nach niedersachsen, weil sie glaubten, so schneller und bequemer an den sogenannten wohlstand des westen zu kommen. im westen ist dieser aber auch nicht gleichmäßig verteilt. dumm gelaufen.

    • Markus Stetzuhn

      Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte fast das gesamte Gebiet des Amtes Neuhaus seit 1866 zur preußischen Provinz Hannover (Landkreis Lüneburg bzw. vom 1. April 1885 bis 1. Oktober 1932 zum Kreis Bleckede). Also war die Rückgliederung eine Korrektur der Geschichte, weil die Briten nicht in der Lage waren, die Bevölkerung zu versorgen- und das Gebiet an die sowjetische Besatzungszone abgaben. Wenn die Neuhauser, wie Sie schreiben, „selbst eine brücke bauen“ dann heißt das natürlich im Umkehrschluss, Wir (Landkreis Lüneburg, Niedersachsen) bauen die Brücke. Seien wir doch solidarisch mit unseren Mitbürgern. Sonst zahlen wir doch auch für jeden Unsinn, da könnte man doch zur Abwechslung mal Geld für etwas vernünftiges ausgeben.

  4. Brücke in die Gesellschaft

    Vielleicht ließe sich ja der Amerikaner Daniel Libeskind, Architekt des in Bau befindlichen neuen Zentralgebäudes der Leuphana, überreden, an der Elbe mit einem weiteren bemerkenswerten Projekt zur ästhetischen Präsentation von gebauter Erinnerung hervorzutreten. Mit einem Entwurf zur architektonischen Fixierung des Gedächtnisses am Hafen Neu Darchau könnte er eine umstrittene – wie auch nicht – Lösung zur Vernarbung und zugleich Offenlegung der tiefen Wunde dieses Ortes im geschichtlichen Selbstverständnis der Samtgemeinde Elbtalaue als „Gods own Amt Neuhaus“ schaffen. Sein berühmter 60 Meter-Keil im Rekonstruktionsbau der Längsscheune mit Göpelhaus am Hafen würde die alte Stapelhalle als Gedächtnisort landwirtschaftlicher Heroisierung oder auch nur bäurischer Pflichterfüllung dekonstruieren und würde auch ganz bestimmt nur zwischen 54 und 154 Millionen Euro kosten. Von diesem Brückenkopf der Kulturreflexion aus könnte die neue Stromquerung die achtspurig ausgebaute rechtselbische Hauptstraße und die entsprechend verbreiterte L232 an die B 216 heranführen. Und nach Eröffnung im Jahre 2022 würde Darchau sicher schon binnen eines Monats der Gemeinde Melbeck den Rang als hässlichster Durchgangsort der Republik für dauerorgelnden Schwerlastverkehr abgelaufen haben. Das beste aber: Markus Stetzuhn würde keine Theateraufführungen oder Kinofilme in Lüneburg mehr versäumen müssen.

    • Markus Stetzuhn

      Danke für diesen ernsthaften und konstruktiven Beitrag. Ihre Mitgefühl nehme ich gerne zur Kenntnis, ich selbst bin aber durchaus in der Lage an dem kulturellem Leben unserer Kreisstadt teilhaben zu können- genieße ich doch das Privileg linkselbisch zu wohnen…

      • Dieter Brammer

        So dumm finde ich den Vorschlag gar nicht, Herr Stetzuhn. Die jeweils aktuellsten Leuphana-Studien containerweise schnell und direkt vom Kenup-Inkubator via Dahlenburg und Tosterglope über eine achtspurige, die Ortsmitte von Neu Darchau unbedingt aufwertende Durchgangsautobahn und über die künftige Holm-Keller-Brücke nach Darchau und ins Amt Neuhaus transportieren zu können, hieße doch, endlich auch den Osten des Landkreises am kulturellen Geschehen im hansestädtischen Oberzentrum teilhaben lassen. A unique approach to tackling the problems posed by our ageing society!

        Alles, was sonst noch zu Ihrem kostspieligen Liebhabertraumprojekt gesagt werden könnte, mit welchem Sie es Herrn Manfred Nahrstedt schwer machen, seine Nase im Juni zu wahren, hatte, glaube ich, Hans-Herbert Jenckel schon am 6. März aufgeschrieben:

        http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/220939-die-neue-elbbruecke-der-ungeliebte-aber-teure-papiertiger