Aktuell
Home | Lokales | Ostern mit neuer Brandschutzverordung: Das „Lagerfeuer“ am Sportplatz
Neuer Standort zwischen Schützen- und Feuerwehrhaus sowie nur noch drei Meter hoch: Die geänderten Vorschriften für Osterfeuer in der Hansestadt Lüneburg sorgten auch im Ortsteil Ochtmissen für reichlich Diskussionsstoff. Foto: ml
Neuer Standort zwischen Schützen- und Feuerwehrhaus sowie nur noch drei Meter hoch: Die geänderten Vorschriften für Osterfeuer in der Hansestadt Lüneburg sorgten auch im Ortsteil Ochtmissen für reichlich Diskussionsstoff. Foto: ml

Ostern mit neuer Brandschutzverordung: Das „Lagerfeuer“ am Sportplatz

ml Lüneburg. „Osterfeuer? Welches Osterfeuer?“, fragt Jens-Peter Schultz. Seine Gefühlslage beschreibt Ochtmissens Ortsbürgermeister als „verschnupft“ ihm ist anzusehen, dass es eine diplomatische Formulierung ist. Erst vor rund einem Monat hat der Rat der Hansestadt Lüneburg die neue „Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ verabschiedet. Umfangreich überarbeitet worden war vor allem der Paragraf 9 „Offene Feuer im Freien“. Der regelt unter anderem das Abbrennen von Brauchtumsfeuern, zu denen die Osterfeuer zählen. Seither gelten strenge Vorschriften für Größe und Abstände auch in Ochtmissen.

Dabei hatte die rot-grüne Landesregierung die Brauchtumsfeuer vor rund einem Jahr explizit ausgenommen, als die bis dahin gültige „Verordnung über die Beseitigung von pflanzlichen Abfällen durch Verbrennen“ außer Kraft trat. Seit Mitte Januar gilt landesweit die Planzenabfallverordnung. Einschränkungen für Brauchtumsfeuer finden sich darin nicht. Somit sind es „baugesetzliche Regeln“, an denen sich die Stadt laut Dezernent Markus Moßmann orientiert.

Deshalb haben Jens-Peter Schultz und seine Mitstreiter am Sonnabend ein „Lagerfeuer“ aufgeschichtet: vier mal vier Meter in der Grundfläche, drei Meter hoch, ganz nach Vorschrift und damit nur etwa halb so groß wie in den Vorjahren. Auch den Standort mussten die Ochtmisser verlegen, auf die Fläche zwischen Sportplatz und Vögelser Straße sowie Feuerwehr- und Schützenhaus. Der Vorsitzende der örtlichen Loewe-Stiftung, Lüneburgs ehemaliger Erster Kreisrat Dr. Stefan Porwol, frotzelt: „Ich hatte schon überlegt eine Feuerschale mitzubringen.“ Doch nach Witzen steht Ortsbürgermeister Schultz nicht der Sinn: „Das Osterfeuer ist die erste Gelegenheit nach dem Winter, bei der sich die Dorfgemeinschaft trifft, um bei Bratwurst und Bier zu klönen und Spaß zu haben.“ Dieser Spaß solle den Einwohnern nun offenbar genommen werden, grummelt Schultz und schiebt nach: „Aber wir lassen uns unsere Veranstaltung nicht kaputtmachen.“

Wie zum Beweis tummeln sich bereits um kurz nach 18 Uhr, als die Feuerwehrleute Kay Stockhaus und Frank Leben das „Lagerfeuer“ entzünden, Hunderte Menschen auf dem Platz, bildet sich an der Bratwurstbude der Ochtmisser Jugendfeuerwehr eine Schlange. Auch an anderen Ständen haben die Helfer gut zu tun, füllen sich zur Freude von Jens-Peter Schultz die Kassen für die Jugendarbeit der Vereine und Verbände im Ort. Denn für sie sind die Standerlöse beim Osterfeuer bestimmt.

Auch Nicole Müller trägt ihren Teil dazu bei. Früher, im Wendland, habe sie die Oster­feuer nicht gemocht, aber in Ochtmissen schätzt sie vor allem die familiäre Atmosphäre. Seit acht Jahren lebt sie mit ihrem Mann und den zwei kleinen Kindern in dem Lüneburger Ortsteil. „Der alte Platz war zwar schöner, das Feuer größer“, aber dennoch genießt Nicole Müller den Abend im Kreis der anderen Osterfeuerbesucher. Und die kommen nicht nur aus Ochtmissen, sondern auch aus den umliegenden Stadtteilen. Über das „Lagerfeuer“ und die neue Verordnung wird viel gelästert an diesem Abend aber den Spaß lässt sich niemand verderben.