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Bei Johnson Controls muss ein Teil der Zeit- und Leiharbeiter gehen. Die Belegschaft hofft, dass die beiden Lüneburger Werke bald wieder besser ausgelastet sind. Foto: A./ca
Bei Johnson Controls muss ein Teil der Zeit- und Leiharbeiter gehen. Die Belegschaft hofft, dass die beiden Lüneburger Werke bald wieder besser ausgelastet sind. Foto: A./ca

Lüneburg: Johnson-Controls-Belegschaft schrumpft

ca Lüneburg. Angekündigt hatte der Konzern es schon vor Monaten, nun wird es ernst: Der Autozulieferer Johnson Controls lässt Verträge für Leih- und Zeitarbeiter auslaufen. Das bestätigt Unternehmenssprecherin Astrid Schafmeister: „Wir kompensieren dadurch den Verlust des Nachfolgeauftrags der Türverkleidung für den Opel Astra und einiger Modellreihen, die in diesem Jahr sukzessive auslaufen.“ Wie berichtet, hatte der Konzern den Opel-Auftrag in das Werk Namestovo in der Slowakei vergeben mit der Begründung dort stelle sich die „Wirtschaftlichkeit deutlich besser dar als in Lüneburg“.

Die rund 1070 Beschäftigten an der Lüner Rennbahn und an der Goseburg, vor allem aber ihre Kollegen auf Zeit, sind mit dem Streichen der Jobs naturgemäß nicht glücklich. Bei der LZ meldeten sich Mitarbeiter, die behaupten, dass bis zum Herbst alle Zeit- und Leiharbeiter gehen sollen, angeblich 160.

Aus Kreisen der Arbeitnehmervertreter ist zu hören, dass in den kommenden Monaten rund 50 Kollegen betroffen sind. Man bedauere das Los derjenigen, aber: „Die Stammbelegschaft ist nicht betroffen.“ Allerdings biete die Werksleitung Mitarbeitern an, in den Vorruhestand zu gehen: „Das muss jeder selber entscheiden, denn so ein Schritt ist ja mit Einbußen bei der Rente verbunden.“

Sprecherin Schafmeister sagt dazu: „Wir bieten vereinzelt an, von der Vorruhestand-Regelung Gebrauch zu machen und freiwillig aus dem Unternehmen auszuscheiden. Im Hinblick auf konkrete Zahlen dazu ist es aber derzeit noch zu früh, da wir das den Mitarbeitern erst vor ein paar Wochen vorgestellt haben. Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, ob und wie viele der Mitarbeiter das Angebot annehmen möchten.“

Im Arbeitnehmerlager sieht man mit Sorge, dass angesichts der nicht einfachen Lage in der Automobilindustrie in den kommenden Monaten weitere Aufträge auslaufen. Daher begrüßt mancher, dass der ehemalige Werksleiter Werner Pertek quasi reaktiviert wurde: „Der bemüht sich und hat in der Vergangenheit Aufträge rangeholt.“ Eine Hoffnung: Opel vergibt die Fertigung von Teilen des Insignia an die Ilmenau.

Astrid Schafmeister sagt, dass man bereits Nachfolgeaufträge für Lüneburg akquiriert beziehungsweise Arbeiten vergeben habe, um den Standort zu sichern. So soll etwa die Serienproduktion der Instrumententafel der neuen Mercedes C-Klasse an der Lüner Rennbahn laufen. Und weiter: „Nach wie vor bemühen wir uns darum, weitere Aufträge für unser Werk Lüneburg zu gewinnen. Dazu gehören verschiedene Programme, aber in dieser Hinsicht ist noch nichts entschieden.“

4 Kommentare

  1. Na dann hoffen wir mal für OPEL, dass die Slowaken auch brav den Astra kaufen werden.
    Ist schon richtig, in seinem Zielmarkt zu investieren und die Kaufkraft dort zu unterstützen 😉

  2. Sind Zeit- und Leiharbeiter nicht das gleiche?

    Liebes LZ-Team, nächstes mal besser nochmal prüfen vor der Veröffentlichung.

  3. Karsten Hilsen

    Leiharbeiter bei Johnson-Controls erhalten etwa halb so viel Geld, wie regulär beschäftigte
    Arbeitskräfte.
    Dabei haben sie -obwohl rein formal Stundenlohn vereinbart ist- höhere Arbeitsnormen zu erfüllen,
    und haben kürzere Pausenzeiten und weniger Urlaubstage.
    Den Lohn zahlt die Fa. Randstadt, die übrigens ein eigenes Büro in den Räumen von
    Johnson.Controls in Adendorf hat, ganz legal und regelmäßig mit ca acht Wochen verspätung aus.

    Als „Ausgleich“ müssen Leiharbeiter in der Werkskantine wesentlich mehr für das gleiche Essen bezahlen, als regulär beschäftigte.

    Auch die sog. Rüstwege, also von der „Stempeluhr“ zum eigentlichen Arbeitsplatz, sind für Leiharbeiter oftmals länger, weil es für Leiharbeiter gesonderte „Stempeluhren“ gibt.

    Wohlgemerkt: Es geht immer um die gleichen Arbeiten an denselben Maschinen.

    Daß Leiharbeiter unabhängig von der Arbeitsstelle einen sicheren Arbeitsplatz hätten, ist reine Fiktion.
    Die Arbeitsverträge sind so formuliert, daß sie mit kürzester Frist jederzeit gekündigt werden können.

    Zur „Sicherheit“ (für die mutmaßlich sowiso fest eingeplanten Kündigungen) ist Fa Randstadt äußerst schnell mit dem Erteilen von „Abmahnungen“, etwa weil Leiarbeiter wegen der weiteren Wege zu den gesonderten Stempeluhren wenige Minuten später am Arbeitsplatz sind, als ihre „regulären“ Kollegen, mit denen sie gleichzeitig durchs Werktor gingen.

    Selbstverständlich sind derlei Abmahnungen unzuzlässig, aber welcher Arbeiter klagt schon gegen seinen Arbeitgeber…

  4. Zeitarbeit oder Leiharbeit – wo ist der Unterschied?

    Es gibt keinen. Gemeint ist, dass ein Beschäftigter (Leiharbeitnehmer/in) die Arbeitsleistung nicht beim Arbeitgeber (Verleiher), sondern bei einem Dritten (Entleiher) erbringt. Der Arbeitnehmer wird überlassen. Deshalb heißt das einschlägige Gesetz auch Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Dieses Gesetz spricht von Leiharbeitnehmern nicht von Zeitarbeitnehmern. Die Verleihfirmen bevorzugen den Begriff Zeitarbeit; das soll seriöser klingen.